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Pilz des Monats September 2019 – Kleiner Perlmutt-Risspilz (Inocybe huijsmanii)

Risspilze sind nicht immer leicht zu bestimmen – das ändert sich derzeit nicht, denn die Molekularbiologie zeigt, dass es deutlich mehr Arten gibt, als beschrieben sind, dass das Artkonzept der Lumper (z.B. Kuyper) nicht realistisch ist. Lumper nennt man Wissenschaftler, die ein breites Artkonzept vertreten und nicht „aus jedem Furz eine neue Art“ machen wollen – während Splitter genau dies vorgeworfen wird. Dummerweise haben letztere häufger (aber keineswegs immer) Recht.

Risspilze sind eine schöne Gattung für den Mikroskopiker – es gibt viele schöne Merkmale, die überwiegend gut festgestellt werden können; die Bestimmung zu einer Sammelart macht oft nicht zu viele Schwierigkeiten. Aber dann … - nebenbei noch erwähnt: erst vor Kurzem habe ich eine Risspilz-Art neu beschrieben (lesen Sie hier ...).

Nun – vor einer Woche (am 14. August 2019) fand ich auf einer Exkursion mit meiner Frau Katharina einen Risspilz, der mir schon im Gelände „spanisch“ vorkam – was bedeutet, dass ich den Eindruck hatte, die Art noch nie vorher gefunden zu haben. Nach der mikroskopischen Untersuchung (von der hier Bilder zu sehen sind) sandte ich einen WeTransfer mit Fotos an die Spezialistin der Gattung, Frau Dr. Ditte Bandini (Wiesenbach) mit der Bitte um ihre Meinung. Womit der Pilz bestimmt war. Ditte arbeitet seit Jahren an Inocybe und plant eine Monographie – und mir kommt (wie vielen anderen ) die Ehre zu, dazu gelegentlich interessante Funde beizusteuern.

I. huijsmanii ist ein besonders kleiner Risspilz (nur wenig über 1 cm Hut-Durchmesser) mit blassen, weißlich-strohgelben Farben, mit Fantasie ist auch ein schwacher Grünton erkennbar. Die Art trägt jung eine deutliche Cortina, und Caulozystiden hat sie nicht (oder zumindest kaum), auch nicht an der Spitze – womit ähnliche Arten wie I. geophylla oder I. sindonia oder blasse, nicht lila Formen von I. griseolilacina ausscheiden. Mikroskopisch sind die ± spindelförmigen Pleuro- und Cheilozystiden sowie die glatten Sporen mit fast schnauzen-ähnlich zugespitzten Enden charakteristisch.

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Kleiner Perlmutt-Risspilz (Inocybe huijamanii) am 14.8.2019, Baden-Württemberg ö. Stuttgart, Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen, "Költ", in mäßig saurem Buchenwald (Galio-Fagetum) in Kontakt zu Bach-Eschenwald (Carici remotae-Fraxinetum), leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Ditte Bandini (nach Fotos)
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 Kleiner Perlmutt-Risspilz (Inocybe huijamanii) am 14.8.2019, Baden-Württemberg ö. Stuttgart, Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen, "Költ", in mäßig saurem Buchenwald (Galio-Fagetum) in Kontakt zu Bach-Eschenwald (Carici remotae-Fraxinetum), leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Ditte Bandini (nach Fotos) - beachten Sie die schnauzen-artig verlängerten, glatten Sporen
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 Kleiner Perlmutt-Risspilz (Inocybe huijamanii) am 14.8.2019, Baden-Württemberg ö. Stuttgart, Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen, "Költ", in mäßig saurem Buchenwald (Galio-Fagetum) in Kontakt zu Bach-Eschenwald (Carici remotae-Fraxinetum), leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Ditte Bandini (nach Fotos) - beachten Sie die metuloiden, fusiformen (spindelförmigen) Pleurozystiden

 

Die Art bevorzugt offenbar Buche (Fagus sylvatica) als Mykorrhizapartner – der Fund im Vorland der Schwäbischen Alb ist der Erste in Ost-Württemberg.

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