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Pilz des Monats Juni 2018 - Rosenroter Porling alias Mutterkuchen-Porling (Rhodonia placenta alias Postia placenta)

Resupinat wachsende Porlinge (d.h. solche, die keine Hut-Oberseiten ausbilden und ± nur flächig wachsen), sind in den meisten Fällen rein makroskopisch nicht bestimmbar. Eine gewisse Ausnahme bildet der Rosenrote Porling (auch Rosaroter Porling oder Mutterkuchen-Porling) aufgrund der Färbung seiner Fruchtkörper, die ein blasses, aber deutliches Lachs-Rosenrot annehmen. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen trotzdem, auch wenn die Färbung z.B. der seltenen Erastia salmonicolor (= Hapalopilus s.) eine andere ist und der Pilz auch eine andere Wuchsform einnimmt. Rhodonia placenta wächst meist (nicht immer) unregelmäßig knotig ("nodulos"). Für zweifelsfreie Bestimmungen sollte aber - gerade bei nicht so großer Erfahrung - das Mikroskop zur Absicherung mitbenutzt werden.

Rhodonia placenta ist ein Braunfäule-Erreger (d.h. sein Myzel kann zwar Cellulose, aber kein Lignin abbauen - das befallene Holz zerfällt daher würfelartig und behält seine braune Färbung) - dennoch haben molekulare Studien gezeigt, dass er zur Familie Polyporaceae gehört (in der vor allem Weißfäule-Erreger stehen) und nicht zur Familie Fomitopsidaceae (ebenfalls zu O. Polyporales), in welcher Braunfäule-Erreger untergebracht sind, so auch die Mehrzahl der als "Saftporlinge" (Gattung Postia alias Oligoporus - Vorsicht: die heute noch Tyromyces heißenden Arten gehören wiederum als Weißfäule-Erreger zu den Polyporaceae).

Rhodonia placenta (auch bekannt als Poria placenta, Postia placenta und Tyromyces placenta) wächst ausschließlich an Nadelholz (Fichte, Kiefer, Tanne u.a.) und soll auch in Gebäuden als Bauholz-Schädling auftreten. Einer unserer Funde (s.u.) gelang an einem verbauten Nadelholz-Pfosten an einer angelegten "Meditationsstätte" inmitten eines Mittelgebirgs-Nadelmischwaldes. In Normalfall sind es aber Stümpfe oder liegende Stämme, in denen der Pilz im Stadium der Optimalphase (nicht zu frisch und noch nicht zu stark zersetzt) gefunden werden kann. Nicht allzu häufig ...

Rhodonia placenta Braunfaeule Postia Polyporaceae Fomitopsidaceae Bayerischer Wald Zwieslerwaldhaus Urwaldrest
Rhodonia placenta Rosaroter Saftporling Bayern Urwald Stamm Optimalphase Fichte Tanne
Rhodonia placenta Tyromyces Poria Bayerischer Wald Zwieslerwaldhaus Mittelsteighuette Urwald Picea
Rhodonia placenta Tyromyces Postia Poria Rosenroter Saftporling Mutterkuchen Urwald Fichte Braunfaeule
Rosenroter Porling alias Mutterkuchen-Porling (Rhodonia placenta, vormals Poria placenta, Tyromyces placenta, Postia placenta und Oligoporus placenta)  an liegendem Nadelholz-Stamm (Fichte?) an Wegrand im Urwald-NSG "Mittelsteighütte" bei Zwieslerwaldhaus (Bayerischer Wald, Bayern), am 20.5.2018, leg., det. Rudi Markones, Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Rhodonia placenta Rosenroter Saftporling Mutterkuchen Porling Kroatien Nationalpark Plitvicer Seen Picea Fichte Holz
 Rosenroter Porling alias Mutterkuchen-Porling (Rhodonia placenta) im Nationalpark Plitvicer Seen (Kroatien) am 1.8.2010, an Fichtenstumpf, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Rhodonia placenta Mutterkochen Porling Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Stuttgart Rotenhar Weiterweg Picea
 Rosenroter Porling alias Mutterkuchen-Porling (Rhodonia placenta, auch als Tyromyces placenta oder Postia placenta bekannt) am "Weiterweg" bei Gschwend-Rotenhar (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), am 5.10.2015, an eingebrachtem "Pflock" aus Fichtenholz an "Meditationsstätte" inmitten eines Mittelgebirgs-Nadelmischwaldes in luftfeuchter (bachnaher) Lage, leg. Pilzkurs mit Lothar & Katharina Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner

 

Der Beitrag soll daran erinnern, dass in diesem Sommer (genau genommen von 20.-22. August) ein Porlingskurs bei Pilzschule Schwäbischer Wald angeboten wird. Die resupinaten Arten sind dort allerdings nur am Rande Thema - vor allem werden hutbildende Porlinge gelernt und geübt.

P.S. Im Internet und anderswo findet man auch die falsche Schreibweise Tyromyces placentus oder Oligoporus placentus. Falsch - warum denn, wird mancher fragen, denn Tyromyces und Oligoporus sind doch männliche Nomina (Hauptwörter, Substantive) und dann muss doch das Adjektiv im Artnamen hinten angeglichen werden? Nun ja: Adjektive schon, aber "placenta" ist ebenfalls ein Nomen und darf deshalb nicht dekliniert werden! "Placenta" bedeutet - das werden die meisten wissen - Mutterkuchen und soll auf die Färbung des Porlings anspielen. "Placentus" ist aber einfach nur Unlatein, einfach nur falsch und nicht etwa eine "alternative Schreibweise" (https://www.pilzforum.eu/board/thread/19207-rhodonia-placenta-rosafarbener-saftporling/). Auch nicht im Zeitalter der alternativen Fakten, das wir ja derzeit durchleben :-) 

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