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Pilze Nr. 5: "Unechte Pilze" - also: keine Pilze, sondern "Protisten"

Hier zeige ich noch Fotos von Organismen, die an Pilze erinnern und auch als Pilze klassifiziert wurden, sich aber als anderen Organismen-Gruppen zugehörig heraus gestellt haben. 

Zum Einen sind dies die "Schleimpilze" ("Myxomyceten"), die auch als soziale Amöben bezeichnet werden. Ihre Fruchtkörper sind pilz-artig und wurden von den frühen Pilzkundlern für Bauchpilze gehalten (mit im Inneren gelegener Sporenbildung), bevor Anton de Bary sie in Kultur nahm und feststellte, dass aus den Sporen Amöben und Flagellaten (mit Geißel) keimen. Den ganzen Entwicklungsgang führe ich hier nicht aus, erwähne aber die Tatsache, dass der eigentliche lebendige Schleimpilz eine Riesen-Amöbe ist (das sogenannte Plasmodium), die auf Weidegang unterwegs ist, um sich Bakterien, Pilzsporen, gelöste organische Substanzen u.a. einzuverleiben; einzelne Arten sind sogar in der Lage, ganze Pilz-Fruchtkörper zu umfließen und zu verdauen. Erst unter bestimmten Bedingungen (Kälte, Nahrungsmangel, ...) werden Fruchtkörper (mit Sporen) gebildet - und in der Regel nur die können zur Art bestimmt werden.

Die zweite Gruppe sind die "Eipilze" ("Oomyceten"), und unter diesen ist vor allem die Gruppe der "Falschen Mehltaupilze" für uns interessant. Im Gegensatz zum Echten Mehltau (siehe unter 3. Obligate Parasiten) sind sie keine Pilze, sondern parasitisch und chlorophyll-frei gewordene Abkömmlinge der Gelb-, Gold- und Kieselalgen (Stramenopila). Man findet sie nur auf Blatt-Unterseiten von zweikeimblättrigen Pflanzen - bis heute ist noch keine Art in unserem Garten bemerkt worden

Lycogala epidendrum terrestre Enteridiaceae Liceales Myxomycet soziale Amoeben Plasmodium unreif Sporenpulver Esche Fraxinus excelsior Naturgarten Krieglsteiner Schleimpilzkurs Feldmykologe

Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum s.l. - F. Enteridiaceae, O. Liceales) am 10.06.2019 an unserer Garten-Sitzbank aus liegendem Eschen-Stammstück. Ein Foto wurde nicht erstellt, und darum zeige ich eines einer Aufsammlung aus Schwäbisch Gmünd-Oberbettringen (am 24.05.2007, Foto Lothar Krieglsteiner). 

L. epidendrum ist einer der häufigsten und auffälligsten Myxos, man findet die Art an Laub- und Nadelholz in Wäldern und außerhalb. Die unreifen Fruchtkörper sind orange bis rosa-pink gefärbt, die reifen violettlich bis bräunlich. Die gezeigte Aufsammlung ist ganz frisch ausgereift und zeigt schon die "erwachsene" Färbung, hat allerdings noch etwas Feuchtigkeit in der Sporenmasse, die deswegen noch nicht stäuben kann, wie sie es bald zur Verbreitung können sollte.

 
Macbrideola cornea Stemonitaceae Stemonitales Myxomycet soziale Amoeben Winterlinde Tilia cordata Borke Feuchte Kammer winzig Sporen Capillitium Stiel hohl Schleimpilzkurs Pilzschule Schwaebischer Wald

Gewöhnliche Macbrideola (Macbrideola cornea - F. Stemonitaceae, O. Stemonitales) am 25.02.2021 in "Feuchter Kammer" an Borke "unserer" Winterlinde (Tilia cordata - knapp außerhalb unseres Grundstücks), leg. Katharina Krieglsteiner (Foto Katharina Krieglsteiner)

Die nur Bruchteile eines Millimeters hohe, winzige Art ist ein typischer Vertreter basenreicher Laubbaum-Borken - an Linde kann die Art oft in Feuchter Kammer "gezogen" werden. Das Foto zeigt ein Präparat unter dem Mikroskop - die runden Sporen, einen unten hohlen Stiel (wichtiges Merkmal) sowie das baumartig verzweigte Capillitium. Die Feuchte Kammer-Methode ist ganz einfach: man weicht die Rindenstücke (oder andere Substrate) einen halben bis ganzen Tag in Wasser ein und legt die tropfnassen Stücke dann auf feuchtem saugfähigem Papier (gut geeignet: Zeitungspapier) aus und verschließt das Ganze in einem luftdichten Behältnis (z.B. einer Plastiktüte). Danach kontrolliert man wenn möglich täglich unter einer Stereolupe, ob sich etwas entwickelt hat. 

 
 Perichaena corticalis Rinden Trichiaceae Trichiales Eschenstamm Fraxinus excelsior Gartenbank Deckel Schleimpilzkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Feldmykologe Artenvielfalt Biodiversitaet

Rinden-Perichaena (Perichaena corticalis - F. Trichiaceae, O. Trichiales) am 11.06.2019 an unserer Gartenbank aus einem Eschen-Stammstück (Fraxinus excelsior) auf dessen sich ablösender Borke (Foto Lothar Krieglsteiner)

P. corticalis ist typisch für basenreiche Laubbaum-Borken (oft Pappel, Esche) an stehenden und noch nicht sehr lange liegenden Stämmen. Von den zahlreichen ähnlichen Arten unterscheidet sich die Art durch mikroskopische Merkmale sowie durch die Öffnung anhand eines (oft deutlich ausgebildeten, manchmal aber auch wie hier kaum zu sehenden) vorgebildeten Deckels. 

Ein weiterer Nachweis gelang in Feuchter Kammer (s.u. Macbrideola cornea) an Borke "unserer" Winterlinde (Tilia cordata) durch Katharina Krieglsteiner (Februar 2021).

 
 Physarum album nutans Physaraceae Physarales Myxomycet Schleimpilzkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Winterlinde Tila cordata Feuchte Kamkmer Katharina Krieglsteiner Pilzexpertin

Nickendes Physarum (Weißes Physarum - Physarum album, auch P. nutans - F. Physaraceae, O. Physarales) am 27.02.2021 in "Feuchter Kammer" (s.u. Macbrideola cornea) an Borke "unserer" Winterlinde (Tilia cordata). Ein Foto wurde nicht angefertigt, und deshalb zeige ich ein solches aus Portugal (Algarve, unweit Monchique, am 06.01.2018).

P. album ist einer der häufigsten Myxos an Laub-, seltener Nadelholz in Wäldern. Nachweise in Feuchter Kammer sind eher ungewöhnlich, kommen aber gelegentlich vor.