Pilz des Monats Juni 2021 – Fumanellis Tellerling (Rhodocybe fumanellii)

Als ich beim Schirmlingskurs in Veitshöchheim bei Würzburg (der im Übrigen mit ca. 15 verschiedenen Schirmlingsarten durchaus ziemlich ergiebig war) am 21.10.2019 einen rotbräunlichen, kleineren Pilz in der Laubstreu unter einer Vogelkirsche (Prunus avium) inmitten eines für die dortige Gegend typischen Eichen-Hainbuchen-Mischwaldes in recht üppiger Menge (ca. 20 Fruchtkörper waren es bestimmt insgesamt) fand, war ich – was schon öfter einmal, aber doch nicht soo oft vorkommt, einigermaßen ratlos. Der rotbräunliche Pilz erinnerte entfernt an mehrere Arten, die aber doch alle nicht wirklich in Frage kamen, spätestens nicht unter dem Mikroskop – so dachte ich an sehr untypische Rötelritterlinge (Paralepista oder Paralepistopsis), an den Kuhroten Schönkopf (Calocybe civilis alias Gerhardtia civilis, auch als Lyophyllum incarnatobrunneum bekannt – die Art kenne ich aus der Eifel und sie wäre auch einmal einen Pilz des Monats wert …) sowie an Tellerlinge aus der Verwandtschaft des Fuchsigen T. (Rhodophana nitellina bzw. ihre „Abart“ R. melleopallens – ein schwieriger, noch nicht ganz „durchdrungener“ Artenkomplex), aber auch an eine ganz kleine und farbintensive Form des Würzigen T. (Rhodocybe gemina) – wie sich heraus stellen sollte, der beste Gedanke (denn mit ihm teilt R. fumanellii die Sektions-Zugehörigkeit Rubrobrunnea), obwohl ich ihn auch schnell wieder verwarf, obwohl die Mikromerkmale (Sporen mit feinen, andeutungsweise längs angeordneten unregelmäßigen Warzen) hierzu schon ziemlich gut zu passen schienen. Aber so klein und schmächtig, und so rasig wachsend, das wollte mir nicht einleuchten. Zu Recht.

Rhodocybe fumanellii Vogelkirsche Prunus avium Unterfranken Deutschland Pilzschule Schwaebischer Wald DNA Sequenzierung Alvarado Schirmlingskurs Veitshoechheim Custom
Rhodocybe fumanellii Fumanellis Tellerling Italien Wuerzburg Unterfranken Veitshoecheim Edelmannswald Schirmlingskurs Lothar Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Custom
Fumanellis Tellerling (Rhodocybe fumanellii) am 21.10.2019 im "Edelmannswald" bei Veitshöchheim (bei Würzburg, Unterfranken, Bayern, Deutschland), reichlich fruchtend in der Streu unter Vogelkirsche (Prunus avium) in Eichen-Hainbuchen-Mischwald über Muschelkalk, leg. Schirmlings-Kurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Pablo Alvarado durch DNA-Sequenz, Fotos Lothar Krieglsteiner

 

Im Lockdown und ohne die Möglichkeit, Kurse zu geben fällt einem so einiges ein – und man kommt auch zu so manchen Dingen, zu denen man sonst nicht so häufig kommt. So nahm ich mir in diesem Frühjahr die Zeit und – obwohl die Verdienst-Ausfälle leider nicht gering sind, auch das Geld in die Hand, um einmal eine Sendung an Pablo Alvarado in Spanien fertig zu machen, und zwar genau 15 Proben von mir bisher unklaren oder sonst interessanten Pilzfunden. Pablo bietet für inzwischen relativ wenig Geld (derzeit knapp unter 20 Euro pro Probe, sofern es in einem Durchlauf „funzt“) die Sequenzierung von Pilzproben an – und heutzutage ist dies nicht immer, aber doch recht oft die „halbe Miete“ bei der Bestimmung. Nun – das Ergebnis ist nicht von der Hand zu weisen, die Übereinstimmung mit Rhodocybe fumanellii (bisher nur vom Typus aus Italien bekannt – vgl. MC_article_27094_en_1.pdf) beträgt stolze 100 Prozent, Zweifel sind also nicht angebracht. Die Fotos in der Erstbeschreibung passen auch sehr gut zu meinem Pilz. Mikroskopisch waren mir bei meiner Untersuchung die laut Beschreibung „verstreut“ (scattered) vorhandenen Cheilozystiden nicht aufgefallen, auch sind meine Sporen-Messungen etwas unter denen von Vizzini & al. (dort 5.3–)5.68–6.26–6.83(–7.3) × (3.5–)3.93–4.26–4.58(–5.1), ich maß 4,7-6,3/3,5-4,3 µm). Eine Nachuntersuchung und akkuratere Messung mag die Differenzen noch (z.T.) auflösen.

R. fumanellii ist neu für Deutschland, der Fund bei Würzburg („Edelmannswald“ bei Veitshöchheim) wohl der erste nach der Typus-Kollektion. Wer meint, dass die Pilzvorkommen in Deutschland schon nah an vollständig erforscht sind, irrt ziemlich. Dazu kommt, dass der Klimawandel wohl auch dafür sorgt, dass Arten des Mittelmeergebietes bei uns „aufschlagen“. Die Aussage, dass dies auch bei R. fumanellii so ist, ist allerdings sicherlich voreilig bzw. im Nachhinein nicht zu beweisen. Ältere Funde der Art gibt es schließlich (nach derzeitigem Wissen) weder in Süd- noch in Mitteleuropa …