Pilz des Monats Dezember 2022 – Feinschuppiger Sumpf-Afterleistling (Hygrophoropsis fuscosquamula)

Falsche Pfifferlinge oder Afterleistlinge sind trotz ihrer Zugehörigkeit zu den Boletales Saprobionten – ganz wie ihre nächsten Verwandten, die Gewebehäute (Leucogyrophana), die ebenfalls schon einmal den Pilz des Monats auf dieser Website stellten, und bilden mit ihnen zusammen die Familie Hygrophoropsidaceae, die einzigen Weiß-Sporer (die Blassspor-Röhrlinge in Gattung Gyroporus sporen blass gelblich) innerhalb der Ordnung. Die Artabgrenzung innerhalb dieser Gruppe ist sicherlich noch nicht ganz endgültig geklärt – auch „normale“ Falsche Pfifferlinge (Hygrophoropsis aurantiaca s.l.) sehen auch nach Abspaltung der alten var. atrotomentosa als H. rufa noch ziemlich verschieden aus. Blässlinge von H. aurantiaca mit nur wenig orangem Farbton findet man häufiger auch in der Streu und auf morschem Holz (vgl. Foto unten) und ich bin gespannt, ob hier nicht noch weitere Arten versteckt sind.

Zwei Arten sind von Feuchtstandorten, von sauren Zwischen- und Hochmoorstandorten bekannt, und beide habe ich auf der Schwäbischen Alb bereits gefunden. Während sich der Großsporige Afterleistling (Hygrophoropsis macrospora) auch durch deutlich größere Sporen (über 8 µm Länge) vom Komplex aurantiaca und von H. fuscosquamula unterscheidet, sind für H. fuscosquamula im Gegensatz zu den anderen Arten dunklere Härchen oder Haarbüschel im ansonsten helleren Hut typisch (das Detail-Foto zeigt diese m.E. recht gut). H. macrospora habe ich auf der Schwäbischen Alb auch schon gefunden – recht nahe am Fundort von H. fuscosquamula (und zwar schon am 8.10.2003 – damals hatte ich noch keine Digicam und insofern kann ich hier nur einen Dia-Scan vorzeigen, der natürlich nicht ganz farbecht ausfällt – s.u.), und so dachte ich beim Fund von H. fuscosquamula in einem ganz ähnlichen Habitat und in einer Entfernung von Luftlinie nur ca. 7 km zuerst, dass auch dieser Fund zu H. macrospora gehören würde. Die Sporenmaße und die Huthaut-Merkmale (von denen ich leider kein passables Mikro-Foto habe) weisen aber zur wenig bekannten H. fuscosquamula. Näheres zur Thematik kann im Beitrag von Geoffrey Kibby über den H. aurantiaca-Komplex nachgelesen werden (Field Mycology 13(2): 43 ff).

Hygrophoropsis fuscosquamula 1 Feinschuppiger Afterleistling Sumpf Falscher Pfifferling Ostalbkreis Baden Wuerttemberg Raue Wiese Bartholomae Hochmoor
Hygrophoropsis fuscosquamula 2 Hochmoor Binsen Juncus Torfmoos Sphagnum Ostalb Schwaebische Baden Wuerttemberg Pilzschule PIlzkurse Krieglsteiner
Hygrophoropsis fuscosquamula 3 Feinschuppiger Sumpf Afterleistling Feldmykologe Pilzschule Schwaebischer Wald Kibby Boletales Hygrophoropsidaceae
Hygrophoropsis fuscosquamula 4 Raue Wiese Bartholomae oestliche Schwaebische Alb Pilzschule Krieglsteiner Pilzkurse Pilzfueherungen Pilzseminare
Hygrophoropsis fuscosquamula 5 Detail Hut dunkle Schuppen Hochmoor Binsen Juncus Torfmoos Baden Wuerttemberg Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
 Feinschuppiger Sumpf-Afterleistling (Hygrophoropsis fuscosquamula) am 31,10.2016 im NSG "Raue Wiese" sw. Bartholomä (Ostalbkreis, Schwäbische Alb sö. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), MTB 7225/4, 668 m NN, GPS:N48°43'47.29" E9°56'59.74"), reichlich fruktifizierend in saurem, hochmoorartigem Zwischenmoor zwischen Juncus, Carex und Sphagnum spec., weitab von Holz-Substraten an nassem Standort, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner- Beachten Sie beim letzten Foto die feienn dunklen Schüppchen auf hellem Grund, ansonsten die helle Färbung für einen "Falschpfiffer".
Hygrophoropsis fuscosquamula 6 Sporen klein aurantiaca Komplex Pilzschule Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Stuttgart Feldmykologe PIlzexpertin
Hygrophoropsis fuscosquamula 7 Feinschuppiger Sumpf Afterleistling Sporen dextrinoid PIlzschule Schwaebischer Wald Mikroskopierkurs Feldmykologe
  Feinschuppiger Sumpf-Afterleistling (Hygrophoropsis fuscosquamula) am 31,10.2016 im NSG "Raue Wiese" sw. Bartholomä (Ostalbkreis, Schwäbische Alb sö. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), MTB 7225/4, 668 m NN, GPS:N48°43'47.29" E9°56'59.74"), reichlich fruktifizierend in saurem, hochmoorartigem Zwischenmoor zwischen Juncus, Carex und Sphagnum spec., weitab von Holz-Substraten an nassem Standort, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner -  Die Sporenmaße liegen im Bereich der Sammelart H. aurantiaca und bleiben deutlich unter 8 µm Länge - im Gegensatz zur makroskopisch und ökologisch ähnlichen H. macrospora (s.u.).
Hygrophoropsis macrospora Grosporiger Afterleislting Aalen Tauchenweiler Weiherwiesen Ostalbkreis saures Niedermoor Hochmoor Pilzschule Krieglsteiner
 Großsporiger Sumpf-Afterleistling (Hygrophoropsis macrospora) am 8.10.2003 im NSG "Weiherwiesen" bei Aalen-Tauchenweiler (MTB 7226/1, 680 m NN, GPS ca. N48° 46' 36,43'' E10° 1' 7,58'', Hochffläche der Schwäbischen Alb, Baden-Württemberg), in saurem Niedermoor mit Binsen, Torfmoos u.a., ohne Nähe zu Holz und Nadelstreu, reichlich fruchtend, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Dia-Scan und deshalb von mäßiger Foto-Qualität. Die Hut-Oberfläche ist einfarbig cremeblass und ohne deutliche Faserschüppchen. Die Sporenmaße beginnen bei 8 µm und sind teils deutlich länger.
Hygrophoropsis aurantiaca blass Hafental 4 Oktober 12
 blasse Form des Gewöhnlichen Afterleistlings (Falscher Pfiffelring, Hygrophoropsis aurantiaca) am 13.10.2012 im "Hafental" bei Alfdorf-Hintersteinenberg (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg) an morschem Fichtenstumpf in Nadelmischwald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Es wird sich zeigen, ob solche Blässlinge im engen Sinne zu H. aurantiaca gehören. 

 

Anm.: Früher wurde mit dem Duftenden Afterleistling (H. olida alias H. morganii) eine weitere Art in dieser Gattung geführt. Die seltene Art konnte ich im vorletzten Jahr erstmals im Bayerischen Wald sehen, dank eines von Peter Karasch gezeigten Fundes. Der seltene Pilz gehört aber in Familie Hygrophoraceae (Agaricales) und heißt mittlerweile Aphroditeola olida. Von dieser Art gibt es eine Uralt-Angabe von der östlichen Schwäbischen Alb, die in verschiedene Verbreitungs-Karten übernommen wurde – sie entstammt einer vom Finder (dem Aalener Pilzkenner Hans Späth) nicht bestimmten, aber als Aquarell festgehaltenen Aufsammlung. Ich war damals dabei, als Dr. Hans Haas, der alt-ehrwürdige Stuttgarter Pilzkenner, im Beisein meines Vaters die Aquarelle Späths durchsah und nach einiger Überlegung ein Aquarell von vor 1960 H. olida zuordnete. Davon abgesehen gibt es auf der Ostalb keine Funde dieser Art – bis heute.


Pilz des Monats November 2022 – Schwärzender Großspor-Öhrling (Otidea platyspora)

Der heute vorgestellte Fund ist schon 6 Jahre alt und er ist mein bisher einziger Fund dieser Art. Für mich zeigt er zweierlei: es lohnt sich immer wieder, Pilze aufzusammeln, wo man es sonst nicht so gewohnt ist und ferner: es lohnt sich, auch vermeintlich klare Sachen zu mikroskopieren. So war ich auch am 4. Juli 2016 zuerst der Meinung, dass ich nur Otidea bufonia (eine häufige, recht ähnlich aussehende Art - oder eine dunkle O. alutacea) gefunden hatte. Irgendwie hatte ich aber Zweifel und machte schnelle Fotos und fand irgend eine Tüte oder Box in meiner Jacke, so dass ich den Pilz mitnehmen konnte. Ich war nämlich zu Fuß unterwegs in meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg, Ostalbkreis) und hatte noch etwas Zeit, weil Katharina noch eine Besorgung zu erledigen hatte. So streifte ich an einer meiner alten Wirkungsstätten (dem Gelände der Polizei incl. der Pädagogischen Hochschule, Ort meiner nicht so ganz glücklichen kurzen Referendariats-Zeit, ganz in der Nähe sind auch das Parler-Gymnasium, wo ich Abitur machte, und die Turnhalle des Hans-Baldung-Gymnasiums, wo ich schon sehr oft zum Tischtennis-Training von TSB Schwäbisch Gmünd gewesen war).herum und war, wie man so sagt, offen für Pilzfunde.

Das Mikroskop brachte dann später die Überraschung – Otidea platyspora, leicht zu bestimmen durch die deutlich größeren Sporen im Vergleich zu O. bufonia und mit dem Schlüssel von Olariaga & al. (2015 – der aktuellsten und ersten molekular unterstützten Monographie der Gattung) problemlos erreichbar. Auch die Ökologie passt: „unter Fagaceae (das sind Buchen-Gewächse)“, was für eine einzelstehende Eiche in einem städtischen Parkrasen durchaus zutrifft.

Otidea platyspora Schwaerzender Grossspor Oehrling Eiche Quercus Schwaebisch Gmuend Baden Wuerttemberg Deutschland Krieglsteiner Feldmykologe Mykorrhiza
Schwärzender Großspor-Öhrling (Otidea platyspora) am 4.7.2016 im gemähten Parkrasen unter Eiche im Gelände der Polizei Schwäbisch Gmünd, Kante zur Haußmannstraße, MTB 7224,2,GPS ca. 48.796111, 9.792277 (ermittelt nach Google Maps), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - bitte beachten Sie das dicht gedrängte Wachstum und die schwarz verfärbten älteren Apothezien-Ränder.
Otidea platyspora Sporen Ascus Oeltropfen Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Mikroskopie DNA Eiche Quercus Baden Wuerttemberg Mykorrhizapilz
Otidea platyspora Sporen Paraphysen gekruemmt Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe PIlzseminar Pilzkurs Badeen Wuerttemberg Mykorrhizapilz
Otidea platyspora Schwaerzender Oehrling Paraphysen Mikroskopie Sporen Oeltropfen Eiche Quercus Parkrasen Schwaebisch Gmuend Ostalbkreis
Schwärzender Großspor-Öhrling (Otidea platyspora) am 4.7.2016 im gemähten Parkrasen unter Eiche im Gelände der Polizei Schwäbisch Gmünd, Kante zur Haußmannstraße, MTB 7224,2,GPS ca. 48.796111, 9.792277 (ermittelt nach Google Maps), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - die Fotos zeigen die großen Sporen mit großen Öltropfen und die deutlich gekrümmten Paraphysen.

 Otidea-Arten sind, das weiß auch nicht jeder, Mykorrhizapilze, und insofern ist die Notation der Begleitbäume nicht unwichtig. Ein makroskopisches Merkmal, das in Richtung O. platyspora deuten kann, sind (neben dichtrasig bis büscheligem Wachstum – was O. bufonia oder O. alutacea auch kann) im Alter schwärzende Apothezien-Ränder, was man auf meinem Foto jedenfalls gut erkennen kann. Auf www.pilze-deutschland.de sind als deutschen Namen  „Großsporiger Eichen-Öhrling“ sowie „Schwärzender Büschel-Öhrling“ geführt. Ich habe beide Namen kombiniert (s.o.) – eine Freiheit, die ich mir bei deutschen Namen nehme.

O. platyspora ist – zumindest, wenn man nur bei www.pilzdeutschland.de nachschlägt, neu für Baden-Württemberg, für Deutschland gibt es zwei Fundpunkte. Aber wie man schon an mir sieht, gibt nicht jeder seine Funde dort auch ein ☹ (davon abgesehen, dass natürlich auch nicht jeder eingegebene Fund grundsätzlich richtig bestimmt sein muss …). Wie auch immer.

 Wie selten die Art tatsächlich ist, kann ich daher nicht sagen. Nur, dass ich seither und vorher schon öfter ähnliche Pilze untersuchte und es dann immer z.B. O. bufonia war. O. platyspora ist auf alle Fälle ein Feldmykologe 3-Pilz. Makroskopisch nicht sicher bestimmbar, ist er jedenfalls mit dem Mikroskop sehr gut zugänglich.


Pilz des Monats Oktober 2022 – Schwärzlicher Fäbling (Hebeloma nigellum)

Dieser in Deutschland wohl recht seltene, nordisch verbreitete Vertreter der Sektion Hebeloma innerhalb der Fälblinge zeichnet sich makroskopisch durch besonders dunkle Hutfarben bei relativ kleinen, schmächtigen Fruchtkörpern, mikroskopisch durch relativ große, stark ornamentierte und dextrinoide Sporen sowie die Form der Cheilozystiden sowie ökologisch durch Wachstum an Feuchtstandorten unter Salix-Arten aus, seine Hauptverbreitung dürfte in nordischen Regionen liegen (vgl. Fund aus Skandinavien, s.u.) – innerhalb von Deutschland bekam ich die Art bisher erst einmal zu Gesicht (Nationalpark Eifel, s.u.).

Sektion Hebeloma umfasst innerhalb der Fälblinge die Vertreter mit Cortina, also die Gruppe um den häufigen Dunkelscheibigen Fälbling (H. mesophaeum). Für diese Pilzgruppe könnte ein bisher nicht beachtetes mikroskopishes Merkmal charakteristisch sein, das mir zunächst an H. nigellum auffiel (beide meine Aufsammlungen zeigen es), aber auch bei anderen Funden aus dem Verwandtschaftskreis H. mesophaeum zu beobachten war (s.u.). Die Wahl von H. nigellum als Pilz des Monats erfolgt auch aus meinem Vorhaben, dieses Merkmal hier meines Wissens erstmalig für die Wissenschaft (zumindest las und hörte ich darüber bisher nie) zu publizieren und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hebeloma nigellum 1Schwaerzlicher Faelbling Cortina mesophaeum Ohrweide Salicetum auritae Moor boreale Verbreitung Mykorrhizapilz mesophaeum Dunkelscheibiger
 Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 21.08.2016 im Nationalpark Eifel (Deutschland, Nordrhein-Westfalen), oberes "Helingsbachtal" im Bereich Dreiborner Hochfläche, MTB 5404,2, 495 m NN, GPS N50°33'21.11" E6°25'24.33", in Strauchweiden-Feuchtgebüsch (Salicetum cinereae), gesellig auf mäßig saurem, feuchtem Boden unter Salix cinerea, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
Hebeloma nigellum 2 Schwaerzlicher Faelbling Norwegen Nationalpark Jotunheimen Weide Mykorrhiza boreal Salix Feldmykologe Pilzkurs Pilzseminar Krieglsteiner
 Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 14.07.2018 im Nationalpark Jotunheimen (Norwegen, Oppland), Bøverdalen, Galdesanden, Fuß des Galdhøpiggen sö. Galdbygde, unter Strauchweiden und -birken in Fjell-Vegetation, 1134 m NN, GPS: N61°42'49.54" E8°23'45.14", leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 

Ein bekanntes, wichtiges Merkmkal bei Fälblingen (Hebeloma), das man in der Regel beim mikroskopischen Bestimmen beantworten muss, ist die Frage nach der Dextrinoidität der Sporen. Diese wird in der Regel mit Melzers Reagens geprüft, einer Lösung von elementarem Jod, Kaliumiodid und Chloralhydrat. Letzteres dient vor allem zur Aufhellung und zum besseren Einweichen von Exsikkat-Präparaten, hat aber den Nachteil der Giftigkeit, ist also toxisch für lebende Zellen. Auch von Schlauchpilzen ist vor allem durch Hans-Otto Baral seit langem bekannt, dass manche Farb-Reaktionen, die mit Lugolscher Lösung (oder auch der etwas stärker dosierten Baralschen Lösung) gut funktionieren, mit Melzers Reagens unterdrückt werden (z.B. hemiamyloide Reaktion des Ascus-Porus). Die Prüfung der Sporen-Dextrinoidität von Frischmaterial von H. nigellum (zunächst aus dem Nationalpark Eifel) mit Baralscher Lösung führte zu einem überraschenden und durchaus auffälligen Ergebnis: einige Basidien reagierten in Gänze stark amyloid (tief blau) – ein Phänomen, das offenbar in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

Hebeloma nigellum 3 Cheilozystiden Eifel Mykorrhiza Salicetum auritae Mikroskopierkurs Nordrhein Westfalen Nationalpark Krieglsteiner Feldmykologe PSV Ausbildung
Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 21.08.2016 im Nationalpark Eifel (Deutschland, Nordrhein-Westfalen), oberes "Helingsbachtal" im Bereich Dreiborner Hochfläche, MTB 5404,2, 495 m NN, GPS N50°33'21.11" E6°25'24.33", in Strauchweiden-Feuchtgebüsch (Salicetum cinereae), gesellig auf mäßig saurem, feuchtem Boden unter Salix, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - das Foto zeigt (vor allem die Spitzen der) Cheilozystiden an der sterilen Lamellenschneide. Das ist bei Fälblingen ein Gattungsmerkmal - die Form der Zystiden artspezifisch.
Hebeloma nigellum 4 Nationalpark Eifel Sporen ornamentiert Mikroskopierkurs Hymenogastraceae Mykorrhiza Ohrweide Salix aurita Braunsporer LBM Krieglsteiner Mykologie
Hebeloma nigellum 5 Nationalpark Eifel Sporen Melzers Reagens dextrinoid Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Hebeloma mesophaeum
Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 21.08.2016 im Nationalpark Eifel (Deutschland, Nordrhein-Westfalen), oberes "Helingsbachtal" im Bereich Dreiborner Hochfläche, MTB 5404,2, 495 m NN, GPS N50°33'21.11" E6°25'24.33", in Strauchweiden-Feuchtgebüsch (Salicetum cinereae), gesellig auf mäßig saurem, feuchtem Boden unter Salix, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Das obere Foto zeigt Sporen in Wasser, das untere nach Behandlung mit Lugolscher Lösung - die Sporen sind intensiver orangebraun angefärbt, somit dextrinoid. Normalerweise nehmen alle Mykologen Melzers Reagens für diese Probe - ich habe es hier einmal mit Lugolscher Lösung versucht - und erlebte eine Überraschung (vgl. nächste Fotos).
Hebeloma nigellum 6 Basidien amyloid Lugolsche Loesung Melzers Reagens Nationalpark Eifel Krieglsteiner Artenvielfalt Biodiversitaet Mikroskopierkurs
Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 21.08.2016 im Nationalpark Eifel (Deutschland, Nordrhein-Westfalen), oberes "Helingsbachtal" im Bereich Dreiborner Hochfläche, MTB 5404,2, 495 m NN, GPS N50°33'21.11" E6°25'24.33", in Strauchweiden-Feuchtgebüsch (Salicetum cinereae), gesellig auf mäßig saurem, feuchtem Boden unter Salix, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Bei der Präparation in Lugolscher Lösung färben sich ein großer Teil der (lebenden) Ständer tief blau, also eu-amyloid an. Offenbar ist das Merkmal für Hebeloma neu und ein Vitalmerkmal. Denn: Melzers Reagens enthält das Zellgift Chloralhydrat - im Gegensatz zum ungiftigen Lugol (oder der ähnlichen Baral-Lösung). 

 

Bei weiteren Untersuchungen von Proben derrSektion Hebeloma mikroskopierte ich auch zwei Proben aus dem Komplex des Dunkelscheibigen Fälblings (H. mesophaeum) aus Italien – auch sie reagierten mit einem guten Teil der Ständer stark amyloid. Es wäre sicher interessant zu sehen, wie konstant dieses Merkmal in der Sektion ist. Probieren Sie es ebenfalls aus – das Nicht-Umbringen von Zellen bei der Mikroskopie lohnt sich manchmal.  Oder um es mit Zotto Baral zu sagen: „in vivo veritas“.

Hebeloma nigellum 7 Schwaerzlicher Faelbling Norwegen Nationalpark Jotunheimen Basidien amyloid blau Lugolsche Loesung Baralsche Melzers Reagens Chloralhydrat vital
 Schwärzlicher Fälbling (Hebeloma nigellum) am 14.07.2018 im Nationalpark Jotunheimen (Norwegen, Oppland), Bøverdalen, Galdesanden, Fuß des Galdhøpiggen sö. Galdbygde, unter Strauchweiden und -birken in Fjell-Vegetation, 1134 m NN, GPS: N61°42'49.54" E8°23'45.14", leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Basidien färben tief blau in Lugolscher Lösung, auch bei dieser Probe ebenfalls bei H. nigellum. Ein Art-Merkmal? Eher nicht, denn ...
Hebeloma nigellum 8 mesophaeum Dunkelscheibiger Faelbling Italien Ligurien Basidien amyloid lebend vital Chloralhydrat toxisch letal Krieglsteiner Mikroskopierkurs
 Dunkelscheibiger Fälbling (Hebeloma cf. mesophaeum) am 21.11.2016, Italien, Ligurien, Chiarvari, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - auch hier färben (einige) Ständer tief blau mit Lugolscher Lösung. Ein Merkmal der ganzen Gruppe, also von der ganzen Sektion Hebeloma? Vielleicht. Das können nur breiter angelegte Untersuchungen zeigen. Probieren Sie es aus!
Hebeloma nigellum 9 Italien Ligurien Portofino mesophaeum Dunkelscheibiger Faelbling Basidien Staender amyloid Vitalmerkmal lebend Chloralhydrat Mikroskopierkurs
Hebeloma nigellum 10 mesophaeum Italien Ligurien Basidien Sporenstaender amyloid dextrinoid Melzers Reagens Baralsche Loesung Vitaltaxonomie toxische Medien
 Dunkelscheibiger Fälbling (Hebeloma cf. mesophaeum) am 22.11.2016, Italien, Ligurien, Halbinsel Portofino, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - zumindest ist die obige Kollektion auch von dieser (Sammel)-Art nicht die einzige ... Wie weit ist die Amyloidität der Ständer bei Hebeloma verbreitet? Eine interessante Frage für die Zukunft.

Pilz des Monats September 2022 – Duftender Goldporling (Auriporia aurulenta)

Dieser Pilz des Monats kommt zustande aufgrund eines aktuellen Fundes im Nationalpark Eifel (übrigens der erste dort und offenbar sogar Erstnachweis für Nordrhein-Westfalen). Die Art kenne ich aber gut von Funden in verschiedenen Regionen, darunter dem Schwäbischen Wald, der Schwäbischen Alb und – mit Abstand am häufigsten – im hohen Bayerischen Wald, wo uns der Porling bei Biodiversitäts-Forschungen vor allem in den Projekten BioHolz und BioKlim schon häufiger begegnete. Die Art ist leicht kenntlich und (fast – s.u.) unverwechselbar, wenn man neben der schön orangen Farbe auch das rein resupinate Wachstum (Vorsicht z.B. vor untypischen Wuchsformen des Orangefarbenen Weichporlings Pycnoporellus fulgens ohne Hut)  und nicht zuletzt den recht starken, angenehm süßlichen Geruch kontrolliert. Dieser wird in der Literatur und im Netz verschieden bezeichnet (z.B. Aprikosengeruch nach Jülich, süßlich mit Aniskomponente nach Marqua). Diese Angaben sind natürlich nur Näherungen an die Realität und insofern unvollkommene Beschreibungen.

... bitte ein kleines Stück scrollen ....

 

 

 

 

 

 

 

Auriporia aurulenta 1 Duftender Goldporling Nationalpark Eifel Belgien Nordrhein Westfalen Fichte Picea abies Stumpf Erstnachweis Krieglsteiner Biodiversitaet
Auriporia aurulenta 2 Duftender Goldporling Eifel Krieglsteiner Feldmykologe Picea Gebirgslagen Nordrhein Westfalen Wahlerscheid Doeppeskaul
Auriporia aurulenta 3 Poren rund Eifel Nationalpark Biodiversitaet Krieglsteiner PIlzschule Schwaebischer Wald Mikroskopische Bestimmung Pilzexpertin
Duftender Goldporling (Auriporia aurulenta) am 23.08.2022 im Bachtal "Döppeskaul" im Bezirk Wahlerscheid im Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen, kaum 100 m von der belgischen Grenze entfernt, MTB 5403.4) an größerem Fichtenstumpf inmitten Birken-Junggestrüpp in Moorbirkenbruch auf saurem Boden, 589 m NN, GPS: N50°30'1.02" E6°18'3.54", leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner. Die ersten beiden Standort-Fotos sind nicht besonders gut, da der Wuchsort kaum mit dem Foto erreichbar und außerdem besonders dunkel gelegen war. Auf dem Studio-Foto (3) sieht man die rundlichen Poren gut. Der Fruchtkörper erreicht(e) eine beachtliche Dicke von mehr als einem cm und roch ausgiebig süßlich-chemisch.
 Auriporia aurulenta 4 Bayerischer Wald Nationalpark Lackenberg BioHolz Fichte Picea abies Geruch Aprikose Anis Juelich Marqua Feldmykologe BioKlim Tanne
 Duftender Goldporling (Auripoira aurulenta) am 22.08.2017 im Nationalpark Bayerischer Wald (unweit Zwieslerwaldhaus, "Lackenberg" im Grenzgebiet zur Tschechischen Republik) an Fichtenholz von liegendem Stamm auf Plot des Projektes BioKlim, leg., det. Katharina und Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Auriporia aurulenta 5 Bayern Bayerischer Wald Nationalpark Krieglsteiner Spiegelau Guttationstropfen orange Geruch Duft Aprikose Pilzexpertin Feldmykologe
 Auriporia aurulenta 6 Duftender Goldporling Bayerischer Wald Spiegelau Fichte Poren rundlich Nationalpark BioHolz Pilzschule PIlzkurse Mikroskopierkurs
 Duftender Goldporling (Auriporia aurulenta) am 05.09.2021 im Nationalpark Bayerischer Wald unweit Spiegelau (Bayern), auf Plot des Projektes BioHolz, an Fichtenstamm (Picea abies), leg, det. Lothar & Katharina Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie am ersten Foto die Guttationstropfen, auf allen Fotos die rundlichen Poren.

 

Beachtet man den Geruch nämlich nicht (und hat keine Zeit und Muße für eine mikroskopische Untersuchung), dann gibt es einen, wenn auch noch viel selteneren (ich kenne ihn nur von einem einzelnen Fund aus Italien – der Fruchtkörper dort war auch viel kleiner und vor allem dünner als jede Auriporia, die ich je zu Gesicht bekam, was auf den Fotos nicht so zur Geltung kommen kann), ebenfalls orangefarbenen und resupinaten Doppelgänger, den Lachsfarbenen Weichporling (Hapalopilus salmonicolor, heute auch Erastia salmonicolor), der keinen nenenswerten Geruch hat und auch bei genauerer Betrachtung nicht so runde, sondern etwas mehr eckige Poren. Auch wenn man gerade Schnupfen hat, gibt es ein weiteres schönes Trennmerkmal. H. salmonicolor färbt mit KOH direkt purpurrot („violett“ nach Jülich – m.E. aber anders als der bekannte Zimtfarbene Weichporling H. rutilans), während zumindest frische Auriporia KOH-negativ ist (bzw. für eine gewisse Zeit eine gelbe Entfärbung erhält). Allerdings färbt, was ich noch nicht probiert habe, älteres Herbarmaterial von A. aurulenta mit KOH rot bis rotviolett (nach Jülich). Nun ja – in der Regel hat man den Pilz ja direkt frisch zur Hand, und älteres Herbar sollte man sowieso besser mikroskopieren 😊

Hapalopilus salmonicolor Erastia Italien Ligurien Portofino Kiefer Pinus Lachsfarbener Weichporling KOH purpurrot violett Zimtfarbener Feldmykologe Krieglsteiner
Hapalopilus salmonicolor 2 KOH purpurrot violett Zimtfarbener Lachsfarbener Weichporling Pinus Italien Portofino Poren eckig Mikroskpierkurs Feldmykologe
Dies ist der Doppelgänger: Lachsfarbener Weichporling (Hapalopilus salmonicolor, jetzt auch Erastia salmonicolor) am 23.11.2016 auf der Halbinsel Portofino (Italien, Ligurien) an liegendem Kiefern-Stammstück (Pinus spec.), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die schön purpurrote Färbung mit KOH am frischen Pilz sowie die eher etwas eckigen Poren. Dazu war der Pilz deutlich kleiner und dünner als Auriporia und roch nicht nennenswert, jedenfalls nicht süßlich.
Hapalopilus Auriporia aurulenta Duftender Goldporling KOH Frischpilz negativ gelb Krieglsteiner Nationalpark Eifel Nordrhein Westfalen Pilzkurse Feldmykologe
und das ist wieder Auriporia (der Fund aus der Eifel ganz oben im Beitrag): oben ein Tropfen KOH 3 %, unten schon etwas länger einwirkend ein Tropfen KOH 10 %. Die zunächst gelbe Entfärbung weicht einer zunehmenden Gewebs-Auflösung besonders bei starker Konzentration. Eine Purpur-oder Violettt-Verfärbung tritt nicht ein. Eine solche solll allerdings bei altem Herbarmaterial erfolgen (!?).

 

Der Duftende Goldporling zu finden ist jedenfalls immer eine Freude – und am Besten gelingt dies an Nadelholz (Fichte, Tanne) in Gebirgslagen (seltene Funde an Laubholz sind in der Literatur berichtet). Der aktuelle Fund im Nationalpark Eifel (ganz nahe der belgischen Grenze) war gut versteckt – in einem jungen Birkendickicht direkt an einem Bachlauf durch einen Birkenbruch, schwer zugänglich und nur mit genügend Expositions-Bereitschaft und nur mit dem Fuß im Bach auffindbar. Aber dann leuchtete der halbe Stumpf orange auf – wow! Was mir zum Schluss noch einfällt: Auriporia aurulenta ist leider nicht in der Liste zum Feldmykologen 2 enthalten, passt da aber eigentlich optimal hinein – handelt es sich doch um eine Art, die im Gelände mit dem richtigen Hintergrundwissen sicher erkannt, also kartiert werden kann.


 

Pilz des Monats August 2022 – Wolliger Korkstacheling (Hydnellum mirabile)

Gestern sind wir von unserer Exkursionsfahrt nach Skandinavien (Schweden und dann Norwegen) zurück gekehrt – und eine der sich nun stapelnden Aufgaben ist es, den „Pilz des Monats“ zu erstellen. Deshalb gibt es heute einen eher kleinen Beitrag und ich stelle einen tollen Einzelfund vor, von einer Art, die ich bisher durch eigenen Funde nur von etwas älteren Aufsammlungen aus Portugal (Algarve) kannte (die ich heute nicht in den Beitrag einschließe).

In der Nähe von Snåsa (Norwegen, Trøndelag) machten wir eine Tour auf eine teilweise unter Schutz stehende Halbinsel, die auf beiden Seiten mit einem Wanderweg erschlossen ist.  Es war leider die einzige Exkursion, bei der wir Kiorkstachelinge finden konnten – dafür aber verschiedene Arten (neben H. mirabile noch H. peckii und Phellodon cf. confluens und P. tomentosus). Es handelte sich um einen nährstoffarmen Kiefernwald mit Beersträuchern und auch z.T. Bodenflechten (Cladonia stellaris u.a.), ein typisches Habitat für Korkstachelinge, wie es leider auch in Norwegen zumindest in Tallagen immer seltener wird (Norwegen hat in den letzten Jahren bezüglich Intenisv-Landwirtschaft und Düngung stark „aufgeholt“). Der Boden erschien auf den ersten Blick sauer, allerdings zeigten verschiedene Pflanzen (z.B. Wintergrün-Arten) einen gewissen Basenanteil des Bodens an. Häufig hat man in niederschlagsreichen, kalten Regionen eine stärkere Humusbildung, die eine unterschiedlich dicke, saure Auflage auch über basenreichem Ausgangsgestein schafft, welche aber von Pflanzen und Pilzen mit tiefer reichendem Wurzel- bzw. Myzelsystem durchdrungen wird.  Bei uns in Deutschland sind dickere Humusauflagen immer seltener – Nährstoffeinträge und Temperaturerhöhungen lassen den Abbau der Baumstreu beschleunigen.

Hydnellum mirabile 1 Wolliger Korkstacheling Norwegen Trondelag Snasa Flechten Kiefernwald Naehrstoffeintraege Cladonia stellaris Moose Kalk sauer Krieglsteiner
Hydnellum mirabile 2 Wolliger Korkstacheling Thelephoraceae Mykorrhiza Fleisch scharf KOH Reaktion schwach ohne Schnallen selten Pilzschule Schwaebischer Wald
Hydnellum mirabile 3 Wolliger Korkstacheling Hutoberseite strohgelb rotbraun Faerbender Braunporling Phaeolus schweinitzii Norwegen Skandinavien Pilzexpertin
Hydnellum mirabile 4 Wolliger Korkstacheling PSV Feldmykologe Pilzexpertin Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Norwegen Trondelag
Hydnellum mirabile 5 Wolliger Korkstacheling Fleisch blass gezont Geschmack scharf Hydnum acre Naehrstoffeintraege Duengung Humus basenreich sauer Feldmykologe
Hydnellum mirabile 6 Wolliger Korkstacheling Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzexperte Pilzfuehrung Pilzseminar Pilzfreunde Feldmykologe
Hydnellum mirabile 7 Stacheln Zuwachszone blass strohgelb Geschmack scharf PSV Feldmykologe Pilzexpertin Katharina Krieglsteiner Norwegen Snasa Trondelag selten
Hydnellum mirabile 8 Humusauflage Basenanteil Flechten Cladonia Myzelsystem Schnallen Geschmack scharf Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
Wolliger Korkstacheling (Hydnellum mirabile) am 10.07.2022 auf der Halbinsel Alnestangen im See Snåsavatnet (Norwegen, Trøndelag, w. Snåsa, GPS: N64°12'19.10" E12°9'18.58", ca. 24 m NN) in moosiger Partie von nährstoffarmem Kiefernwald über basenhaltigem Gestein, bedeckt durch dicke Humusauflage, gesellig und frisch fruchtend, in etwa 3 m Abstand zu Phellodon cf. confluens, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner

H. mirabile ist durch mehrere Merkmale gut kenntlich. Zum einen die starke Filzigkeit vor allem der Hut-Oberseite, die mit junge strohgelber, dann rotbrauner Färbung aufwartet und im Farbspiel ein wenig an den Färbenden Braunporling (Phaeolus schwenitzii) erinnert. Dazu das helle zonierte Fleisch, das mit KOH kaum Verfärbungen erfährt. Und nicht zuletzt noch der deutlich scharfe Geschmack, der schon zur Benennung als Hydnum acre Quel. 1878 (heute ein Synonym) führte. Eine mikroskopische Untersuichung, die das Fehlen von Schnallen und die passende Sporengröße verifiziert, erübrigt sich fast, wenn man nur die Identifikation im Blick hat.

Korkstachelinge sind nicht immer leicht zu bestimmen, vor allem, wenn man nur ältere oder auch nur junge Fruchtkörper zur Verfügung hat. Die Probe aus Snåsa war hier eine wohltuende Ausnahme 😊.


Pilz des Monats Juli 2022 – Glatter Sumpf-Nabeling (Arrhenia oniscus)

Derzeit auf Exkursionsfahrt in Skandinavien gibt es trotz momentan (noch – es hat vorgestern geregnet) geringen Pilz-Aufkommens die Möglichkeit, die eine oder andere in Deutschland sehr selten gewordene Pilzart zu studieren, so die hier vorgestellte. Sie ist eine von drei Nabelings-Arten, die (mit welcher exakten Biologie auch immer) ausschließlich in Torfmoos-Rasen in Moor-Standorten gefunden werden können. Ihr Hut ist im Gegensatz zu den beiden anderen Arten nicht schuppig, sondern nur unter der Lupe gut erkennbar eingewachsen faserig bis uneben (eine gewisse Berg- und Tal-Landschaft mit radialer Struktur). Die wohl seltene A. philonotis hat helle Schüppchen, die häufigere A. gerardiana (früher A. sphagnicola) dunkle Schüppchen auf hellem Grund – diese Art haben wir in den letzten Tagen ebenfalls (zweimal) finden können.

(bitte etwas nach unten scrollen ...)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arrhenia oniscus Glatter Moor Nabeling Omphalina philonotis gerardiana sphagnicola Sphagnum Moore Norwegen Nationalpark Lomsdal Visten Krieglsteiner
Arrhenia oniscus Glaltter Moor Nabelng Skandinavien Norwegen Sphagnum Moore Nationalpark Lomsdal Vsten Pilzschule Schwbischer Wald Krieglsteiner Feldmykolog
Arrhenia oniscus fusconigra Lichenomphalia umbellifera Norwegen Feldmykologe Nationalpark Lomsdal Visten Hochmoor Sphagnum Krieglsteiner Pilzexperte Pilzkurs
Glattter Moor-Nabeling (Arrhenia oniscus) am 28.06.2022 südwestlich von Trofors (Gamle Stavasdalen) im Nationalpark Lomsdal-Visten (Norwegen), in Moos-Mischrasen von vor allem Sphagnum spec. und Aulacomnium palustre, 2 Frk., leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die für die Art helle Färbung sowie den glatten, allenfalls faserig-faltig-runzelig skulpturierten Hut.

 

Letzte Sicherheit bei noch vorhandenen Zweifeln bei der Zuordnung bieten Sporenform- und -größe. A. oniscus ist durch relativ kleine (unter 10 µm große), breit ellispoidische (fast rundliche) Sporen charakterisiert, während die von A. philonotis ähnlich geformt, aber deutlich größer sind, und die von A. gerardiana schmaler tränenförmig.

Arrhenia oniscus Sporen Kongorot breit ellipsoidisch Norwegen Nationalpark Lomsdal Visten Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
Glattter Moor-Nabeling (Arrhenia oniscus) am 28.06.2022 südwestlich von Trofors (Gamle Stavasdalen) im Nationalpark Lomsdal-Visten (Norwegen), in Moos-Mischrasen von vor allem Sphagnum spec. und Aulacomnium palustre, 2 Frk., leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie die breit ellipsoidischen, relativ kleinen Sporen (Aufnahme in Kongorot).

 

Allerdings – und nur selten passt ja eine Bestimmung ganz hundertprozentig zur Literatur – sollen de Hüte von A. oniscus dunkel graubraun bis fast schwärzlich sein, was man so zur obigen Aufsammlung kaum sagen kann. Die Sporenform- und -größe in Kombination mit der Skulptur der Hut-Oberfläche lässt aber keine andere Einordnung zu.

Schägt man im Index of Fungi nach, dann wird A. oniscus dort als Synonym zu Lchenomphala umbellifera, dem Heide-Flechten-Naeling geführt (eine „hier“ in Skandinavien sehr häufige Art), was auf den vorgestellten Pilz kaum zutreffen kann. „Nur“ Varietät fusconigra (ein sehr dunkler Pilz) ist als eigene Art anerkannt. Rätsel über Rätsel …

Leider ist es inzwischen sehr schwer geworden, solche Pilze in Deutschland zu studieren, da nährstoffarme Moore hier Mangelware sind. Wollen wir hoffen, dass dies in Skandinavien noch länger anders bleibt.


Pilz des Monats Juni 2022 – Braunborstiger Scheibchentintling (Parasola auricoma)

Tintlinge sind eine Gattung, die man gerne mal ignoriert. Eine der Ausreden ist ja oft, dass man die Pilzchen sowieso nicht heile heim bekommt, da sie in einigen Stunden sowieso zu Tinte zerlaufen sind. Abgesehen davon, dass dies keineswegs für alle Arten zutrifft, macht man dabei einen Fehler, denn Tintlinge gehören zu den mikroskopisch durchaus spannenden und attraktiven Pilzgruppen. Trotzdem ist es auch bei mir so, dass ich Tintlinge meist nur dann aufsammle, wenn sonst nicht allzu viel an Pilzfunden geboten ist. So haben wir auch bei unserer diesjährigen Portugal-Exkursion einige Tintlinge mikroskopiert – die Mehrzahl davon nicht im Freiland gefunden, sondern auf mitgenommenen Proben von Tierkot (Schaf, Kaninchen) „gezogen“. Dies war nötig, denn im Freiland war aufgrund der sehr trockenen Witterung nicht allzu viel zu holen. Von diesen Proben könnte ich hier auch die eine oder andere vorzeigen – aber ich tue dies mit einer anderen Art, die mir zufällig diese Woche über den Weg lief – bei der Gartenarbeit. Es handelt sich um eine Art, die ich früher häufiger fand, aber schon einige Jahre nicht mehr (bewusst …) zu Gesicht bekam. Makroskopisch ist sie allerdings kaum von ähnlichen Scheibchentintlingen der Gattung Parasola zu unterscheiden – einer Gattung, für die (eigentlich ..) das Fehlen von Haaren (und auch korrekter Weise von Velum) typisch ist, was man unter einer guten Lupe (Bino) schnell kontrollieren kann.

Parasola auricoma 1 Braunborstiger Scheibchentintling Naturgarten Kompostbeet Skalpschnitt naehrstoffreich Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner
Parasola auricoma 2 Spraitbach Schwaebisch Fraenkischer Wald Gmuend Ostalbkreis Baden Wuerttemberg Pilzkurse Krieglsteiner Cheilozystiden Lamellen Garten PilzCoach Feldmykologe
Parasola auricoma 3 Detail Hut Garten Krieglsteiner PIlzexpertin Mikroskopierkurs Dunkelsporer Pilzkurse Pilzfuehrung Pilzwanderung qualifiziert
Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Auch unter dem Bino erkannte ich auf dem Hut keine Behaarung. 

Oder mit einem Skalpschnitt – und ich muss zugeben, dass ich erst unter dem Mikroskop die braunen Borsten auf der Hut-Deckschicht entdecken konnte, die zwar durchaus relativ lang, aber auch sehr sehr dünn sind.

P. auricoma ist wie schon geschrieben nur mikroskopisch sicher bestimmbar und da durch die Borsten bereits hinreichend charakterisiert – die relativ großen Sporen mit Keimporus passen aber auch gut zur Art, ebenso die Cheilozystiden und weitere Mikromerkmale.

Parasola auricoma 4 Sporen Keimporus glatt Basidien viersporig Tetrade Spraitbach Krieglsteiner Mikroskopierkurs Lamelle Fruchtschicht Naturgarten
Parasola auricoma 5 Coprinus auricomus Sporen Keimporus hell dunkel reif unreif PIlzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe PSV PilzCoach
Parasola auricoma 6 Sporen glatt Keimporus Sporenwand Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzexpertin PilzCoach Krieglsteiner Feldmykologe
Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie bei den relativ großen, ellipsoidischen, glatten, bei Reife sehr dunklen Sporen den deutlichen Keimporus. Im ersten Foto ist unten auch eine (unreife, helle) Sporentetrade zu sehen - ein Hinweis auf 4sporige Ständer.
 Parasola auricoma 7 Lamellenschneide Cheilozystiden glatt Sporen dunkel schwarz pigmentiert Pilzexpertin Katharina Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe PSV
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Das Foto zeigt die glatten, hyalinen Cheilozystiden der Lamellen-Schneide. Makroskopisch wirkt sich diese als weißliche Lamellenschneide bei ansonsten rasch dunkel werdenden Lamellen aus (Sporenreifung nur auf der Fläche).
 Parasola auricoma 8 Hutdeckschicht Pileipellis blasige Zellen Skalpschnitt Mikroskopierkurs Krieglsteiner Feldmykologe PSV Pilzseminare Pilzfuehrung Baden Wuerttemberg
 Parasola auricoma 9 Hutdeckschicht Skalpschnitt gequetscht Pilzschule Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Deutschland Seminare Pilzkunde Fuehrungen Kurse Natur
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Die Fotos zeigen die blasigen Zellen der Hutdeckschicht in einem Skalpschnitt. Dieser gelingt hier durch die plissierte  (faltige) Hut-Oberfläche besonders gut (erstes Foto ungequetscht - zweites Foto gequetscht)
Parasola auricoma 10 Hutdeckschicht Borsten Setae braune Haare Pileipellis Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Pilzexpertin PSV Feldmykologin PilzCoach Schwaebisch Gmuend
 Parasola auricoma 11 Hutdeckschicht Borsten Setae Haare Naturgarten Krieglsteiner Spraitbach Artenvielfalt Biodiversitaet Pilzexperte Pilzschule Liebe Natur Pilze Pilzkurse Pilzexkursionen
 Braunhaariger Scheibchentintling (Parasola auricoma) am 26.05.2022 im Garten Krieglsteiner im Brunnenweg 32 in Spraitbach (Ostalbkreis, Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd) - 3 Frk. zwischen Gräsern (Bromus hordeaceus, Poa trivialis) an kleinem Fußweg zwischen Komposthaufen und Gemüsebeet, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. - Hier nun das entscheidende Merkmal der Art - die braunen borstigen Haare auf der Hutdeckschicht. Diese kommen in der Gattung sonst nur noch bei P. conopilus vor. Der "Huthaar-Mürbling" unterscheidet sich jedoch deutlich durch die nicht-plissierten Hüte - deshalb stand er früher nicht wie P. auricoma in Coprinus, sondern in Psathyrella.

 

Die Art ist keineswegs selten, aber gesicherte Bestimmungen sind trotzdem nicht so häufig. Als nährstoffreiche Art scheint sie sich im unserem „Kompost-Feld“ wohl zu fühlen. P. auricoma ist übrigens nicht die erste Parasola in unserem Garten – auch der ebenfalls häufige Breitsporige Scheibchentintling (Parasola leiocephala) hat sich hier schon gezeigt. Mal sehen, ob es mit den Jahren noch mehr Arten werden 😊


Pilz des Monats Mai 2022 - Pustelblattbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum)

Dieser klassische Brandpilz (früher als Ustilago pustulata bekannt – und etliche mit ihm verwandte Brände) gehört, wie man heute durch die DNA-Sequenzierungen weiß, in die weitere Verwandtschaft der Rostpilze (Unterabteilung Pucciniomycota der Ständerpilze) und nicht wie die „echten“ Brände (einschließlich der Nscktbasidien) zur UO Ustilaginomycotina. Er ist also mehr ein Rost- als ein echter Brandpilz – die Vertreter der O. Microbotryales nenne ich deshalb seit einiger Zeit „Rostbrände“. 

Umso erstaunlicher, dass es sich offenbar um eine zurückgehende und gegenüber Umwelteinflüssen (v.a. Pestizide) empfindliche Art zu handeln scheint. Ich fand sie bisher nur an gut gegenüber Pestizid- und Nährstoffeinträgen gepufferten Standorten, so im Schwrzwald, in der Hoch-Rhön (dort zusammen mit dem noch selteneren Blattrand-Brand Microbotryum marginale), sowie nun zum zweiten Mal im Ostalbkreis (schon 2014 auf der Schwäbischen Alb bei Tauchenweiler (saures Niedermoor in Waldlichtung auf der Hochfläche), und nun bei Kirchenkirnberg in einem abgelegenen Bachtal im Schwäbischen Wald (genauere Daten unten bei den Fotos), jeweils auf seinem ausschließlichen Wirt Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis, bisher Polygonum bistorta). Dieser geht auch zurück, ist aber auch stellenweise in nitrophilem Feuchtgrünland noch anzutreffen.

Microbotryum pustulatum 1 Ostalbkreis Pustelbrand Wiesenknoeterich Glattenzainbach Kirchenkirnberg parasitische Pilze Baden Wuerttemberg
Microbotryum pustulatum 2 Ustilago Brandpilz Rostbrand Wiesenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
Microbotryum pustulatum 3 Seminar Parasitische Pilze Pilzschule Schwaebischer Wald Ostalbkreis Baden Wuerttemberg Deutschland Krieglsteiner pilzkunde Gschwend
Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 18.04.2022 im Tal des Glattenzainbach bei Kirchenkirnberg (Gschwend, Ostalbkreis) an lebenden, frisch ausgetriebenen Blättern von Bistorta officinalis in Feuchtgrünland, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner). Das enge Bachtal ist großenteils bewaldet und die Grünlandflächen sind sowohl beschattet als auch abgeschirmt gegen direkte Einträge aus Landwirtschaft, Verkehr oder gar Industrie. Die rosa, später aufbrechenden Pusteln sind jung noch innen hell, dann bald von der schließlich stäubenden schwarzen Sporenmasse angefüllt.
 Microbotryum pustulatum 4 Sporen Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Kireglsteiner Schlangenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Rote Liste
 Microbotryum pustulatum 5 Sporen Ustilago Pucciniomycota Microbotryales Mikroskopierkurs Schlangenknoeterich Krieglsteiner Feldmykologe PilzCoach pilzexpertin
 Microbotryum pustulatum 6 Sporenornament Mikroskoperkurs gefaehrdete Pilze Feuchtgruenland nitrophil Duengung Artenvielfalt Biodiversitaet Rueckgang Pestizide
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 18.04.2022 im Tal des Glattenzainbach bei Kirchenkirnberg (Gschwend, Ostalbkreis) an lebenden, frisch ausgetriebenen Blättern von Bistorta officinalis in Feuchtgrünland, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner). Die runden Sporen sind fein ornamentiert, was am Besten bei der Focussierung auf die Oberfläche (letztes Bild) zu erkennen ist. Beim Focussieren aus Schärfe der Sporenumrandung (erstes Foto) sind die fllachen Ornamente kam erkennbar. So etwas lernt man bei einem Mikroskopierkurs (bald wieder von 16.-19. Mai 2022 bei Pilzschule Schwäbischer Wald).
 Microbotryum pustulatum 7 Aalaen Tauchenwweiler Weiherwiesen Ostalbkreis Glattenzainbach Bistorta officinalis Wiesenknoeterich Niedermoor Waldlichtung Brandpilz
 Microbotryum pustulatum 8 Ustilago pustulata Pustel offen schwarze Sporenmasse Mikroskopiertkurs Sporenornament Krieglsteiner Pilzschule Pilzkurse Pilzseminare
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 19.04.2014 im NSG "Weiherwiesen" bei Aalen-Tauchenweiler, an Schlangenknöterich (Bistorta officinalis, vormals Polygonum bistorta). Das saure Niedermoor auf der Hochfläche der östlichen Schwäbischen Alb liegt in einer größeren Waldlichtung, in denen Weiher mit nährstoffarmem Röhricht, saure, nährstoffarmes Feuchtgründland und ebensolche Magerwiesen liegen. Nährstoff- und andere Schadstoffeinträge waren zumindest bis zum Fundzeitpunkt auf ein geringes Maß beschränkt.
 Microbotryum pustulatum 9 Rhoen Schwarzes Moor Bayern Unterfranken Hochmoor Pustel gefaehrdete Pilze Pestizide Duenger Intensivgruenland Krieglsteiner
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 23.05.2010 im NSG Schwarzes Moor (Hoch-Rhön, Bayern) an Blättern von Bistorta officinalis am Rand von Bohlenweg durch feuchte, saure und nährstoffarme Niedermoor-Rasen an Hochmoor-Rand leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner.. Am gleichen Fundort hatte ich die Art schon früherr gefunden (vgl. meine Dissertation Krieglsteiner 2004). Dies gilt genauso für Microbotryum marginale (s.u.)
 Microbotryum pustulatum 10 Schwarzwald Hornberg Offenbachtal Schwarzwaelder Pilzlehrschau Paetzold Wiesenknoeterich Polygonum bistorta officinalis Krieglsteiner
 Microbotryum pustulatum 11 Herbarbeleg Schwarzwald Hornberg Pilzlehrschau Pilzschule Krieglsteiner Pilzkunde hochklassig Feldmykologe DGfM PilzCoach PSV
 Pustelbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum pustulatum) am 9.5.2006 im "Offenbachtal" bei Hornberg im Schwarzwald, leg., det., Herbar und Foto Lothar Krieglsteiner. Das Bachtal hat keine oberhalb gelegene Landwirtschaft und zumindest örtlich waren die Fundumstände zum Fundzeitpunkt nährstoffarm. 

 In der seither nicht überarbeiteten Roten Liste der phytoparasitischen Kleinpilze Deutschlands (Foitzik 1996) wird die Art nicht geführt. Heute sollte M. pustulatum (und erst Recht M. marginale) in einer Roten Liste enthalten sein, ein Vorkommen dieser Art(en) ist ein naturschutzfachliches Argument. Im heute allgegenwärtigen Einheits-Grünland mit reichlich Nitrat und Pestiziden sinkt auch die Artenvielfalt der parasitischen Pilze wie die so gut wie jeder anderen Organismengruppe.

 Micobotryum marginale Blattrandbrand Wiesenknoeterich Lange Rhoen NSG Schwarzes Moor Hochrhoen naturschutzfachliches Argument
 Microbotryum marginale Ustilago marginalis Rhoen Krieglsteiner Biosphaerenreservat Vegetation Hochmoor Niedermoor oligotroph naehrstoffarm Krieglsteiner
 Blattrrandbrand an Wiesenknöterich (Microbotryum marginale) am 23.05.2010 im NSG Schwarzes Moor (Hoch-Rhön, Bayern) an Blättern von Bistorta officinalis am Rand von Bohlenweg durch feuchte, saure und nährstoffarme Niedermoor-Rasen an Hochmoor-Rand leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Diese Art kenne ich nur von diesem Standort, wo ich sie schon im Rahmen meiner Dissertation fand (Krieglsteiner 2004). Ihr Auftreten ist ein natuirschutzufachliches Argument hohen Grades.

 Die Pflanzenparasiten werden von Pilz-Leuten oft hintangestellt oder für wenig interessant angesehen – zu Unrecht, wie ich finde. Machen Sie sich selbst ein Bild 😉


Pilz des Monats April 2022 – Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea, auch Rhodofomes roseus)

Heute stelle ich einen leicht kenntlichen, wenn auch ziemlich seltenen Porling dar, der in Deutchland nur weit gestreut vorkommt und der etwas häufiger nur im Alpenraum sowie in den Höheren Lagen des Bayerischen Waldes gefunden wurde. Es handelt sich also um eine nordisch-montan verbreitete Art der kalten Lagen; sie kommt vorwiegend auf Fichtenholz (Picea abies) vor, vorzugsweise im natürlichen Areal der Fichte.

Der Rosenrote Baumschwamm ist ein sehr hübscher Pilz und zumindest in frischem Zustand kaum verwechselbar. Von oben erinnert er etwas an den nahe verwandten, aber um Dimensionen häufigeren Rotrandigen Baumschwamm (F. pinicola), der aber nicht nur größer wird, leuchtendere Hutfarben aufweist, sondern dem auch das besonders typische Merkmal von F. rosea, nämlich die lila-rosa Färbung der frischen Röhrenschicht und in etwas minderem Maße der frischen Trama fehlt. Letztere verliert die Farbe allerdings recht rasch zu einem auch für F. pinicola typischen Holzbräunlich. Wie bei F. pinicola findet man an jungen Pilzen öfter Guttationstropfen.

Im Schwäbischen Wald, wo wir die Vielzahl unserer Kurse geben, ist die Art noch nie gefunden worden – und vermutlich kommt sie dort auch nicht vor, obwohl dort durchaus viele Gebirgspilze wachsen. Aber F. rosea ist recht auffällig und wir suchen sie dort schon ein halbes Jahrhundert. Schon einer meiner ersten Pilzlehrer, der legendäre Dr. Hans Haas (verstorben 2003), forderte meinen Vater und mich dazu auf, die Art „bei uns“ zu suchen. Dies taten wir schon damals gründlich, aber immer erfolglos. Aber man kann ja nie wissen.

Fomitopsis rosea Kaernten Oesterreich Turia Wald Fichte Picea abies Rosenroter Baumschwamm seltener Porling
Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im "Turia-Wald" (Österreich, Kärnten) am 20.10.2015, an Fichtenstumpf (Picea abies) in montanem Nadelmischwald, leg, det. Matthaeus Koncilja & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Oesterreich Weissensee Kaernten Gailtaler Alpen Fichtenstamm Picea abies Hermine Lotz Winter Lothar Kfrieglsteiner Fomitopsis officinalis Laerchen
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) nördlich des Weißensee (Österreich, Kärnten) am 04.08.2009, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det. Hermine Lotz-Winter & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Nicht weit entfernt wurde auf dieser Exkursion auch der seltene Lärchen-Baumschwamm (F. officinalis) gefunden!
 Fomitopsis rosea Norwegen Nationalpark Fulufjaellet Fichte Picea abies Rhodofomes Rosenroter Baumschwamm Krieglsteiner Pilzseminare Schwaebischer Wald
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Nationalpark Fulufjället (Norwegen) am 15.06.2015, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), ältere und mehrschichtige Fruchtkörper. Das attraktive Rosa-Lila ist fast verschwunden - leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Rumaenien Karpaten Zarnesti Koenigstein Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Lothar Trama Guttationstropfen montan Porling
 Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) am Hang zum "Königstein" bei Zarnesti (Rumänien, Karpaten) an liegendem Nadelholzstamm (Fichte oder Tanne), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner. Beachten Sie die wunderschönen Guttationstropfen, die ja auch der nahe Verwandte Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) bildet sowie die bei dem abgerissenen Exemplar eher holzfarbene Trama. In ganz frischem Zustand soll auch die Trama eine (deutlichere) rosa Färbung haben.
 Fomitopsis rosea Frankreich Nationalpark Mercantour Roubion Fichte Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Pilz des Monats Lothar Krieglsteiner Rosenroter Baumschwamm
 Fomitopsis rosea Frankreich Mercantour Rosenroter Baumschwamm Rotrandiger pinicola Seminare Feldmykologe Picea abies Fichte Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner

Fomitopsis rosea Frankreich Nationalpark Mercantour Roubion Poren rosa Rosenroter Baumschwamm Pilz des Monats Feldmykologe Seminare Pilzschule Schwaebischer Wald

  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) bei Roubion am Rand des Nationalpark Mercantour (Frankreich, Seealpen) am 24.06.2017, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Boubin Kubany Tschechien Fichte Picea abies Krieglsteiner Rhodoformes roseus Feldmykologe Pilzschule Schwaebischer Wald
  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Urwald-Naturschutzgebiet Boubin (Kubany) w. Prachatice (Tschechien, Böhmerwald) an Fichtenstumpf (Picea abies) am 27.10.2015, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Tschechien Urwald Krieglsteiner Fichte Picea abies Pilzschule Schwaebischer Wald Guttationstropfen Trama Poren rosa lila
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Nationalpark Tschechien Lothar Krieglsteiner Pilzkurse Pilzseminare Pilzfuehrungen Feldmykologe Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Nationalpark Tschechien Fichte Picea abies Feldmykologe Kartierung Biomonitoring Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzkurs
 Fomitopsis rosea Zofinsky prales Rosenroter Baumschwamm Lothar Krieglsteiner Tschechien Nationalpark Pilzkurs Pilzseminare Tagesfuehrung Hans Haas Mykologe
  Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Urwald-Naturschutzgebiet Zofinsky prales sw. Nové Hrady (Süd-Tschechien nahe der österreichischen Grenze) am 8. und 9.9.2015 im Rahmen eines Biomonitoring-Projektes an liegenden Baumstämmen, mehrfach an liegendem Nadelholz, Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fomitopsis rosea Bayerischer Wald Nationalpark Rachel Spiegelau BioHolz Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Kartierung Biomonitoring Fichte Picea abies rosenrot
Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea) im Nationalpark Bayerischer Wald unweit Spiegelau am 10.10.2017 im Rahmen einer Biomonitoring-Untersuchung im Rahmen des Projektes BioHolz, an liegendem Fichtenstamm (Picea abies), leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 

Vielleicht finden gerade Sie den Pilz als Erster in unserer Region, vielleicht bei einem unserer nächsten Seminare? Behandelt wird die Art beim Kurs „Feldmykologe 2“ von 15.-18. August – denn dort gehört sie zum Kreis der 500 zu kennenden Arten (300 neue nach 200 vom Feldmykologen 1). Ich habe vor wenigen Tagen eine hübsche powerpoint-Folie zu F. rosea erstellt, die mich dazu ermuntert hat, den Pilz auch als Pilz des Monats für eine breitere Leserschaft vorzustellen 😉


 

Pilz des Monats März 2022: Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus – besser bekannt als Rhodocybe ardosiaca, Violettstieliger Tellerling)

Das Aufbestimmen von Exsikkaten in der Wintersaison ist ein Luxus, den sich ein freiberufler Pilzkundler erlauben kann, wenn er im Winter einige Zeit keine Pilzkurse hält. Natürlich muss die neue Kurs-Saison vorbereitet werden, aber ein wenig Muße muss ja schließlich sein. Die Bestimmung der Exsikkate ist dabei durchaus auch mühsame Arbeit, und oft denkt man sich, es wäre besser gewesen, die Pilze frisch zu untersuchen (was meist sehr viel schneller geht), wozu in der Regel während der Saison die Zeit fehlt. Nur selten kommt man bei Exsikkaten zu einem ganz schnellen Erfolgserlebnis. Es gibt aber Ausnahmen – und eine davon möchte ich hier vorstellen.

Als ich am 26.8.2021 bei einem Pilzkurs in der Schweiz auf einer Exkursion am Anstieg zu den Alpen südlich des Züricher Sees 3 Fruchtkörper eines kleinen Lamellenpilzes aufsammelte, dachte ich an einen vielleicht ganz interessanten Rötling. Mir fiel ein deutlicher Mehlgeruch auf, nicht aber so sehr die Tatsache, dass die Stielspitze einen auf dem gemachten Foto recht gut wahrnehmbaren Lilaton aufwies. Und wenn schon – schließlich gibt es etliche Rötlinge mit Blau- und Violett-Tönen irgendwo im Fruchtkörper.

Rhodocybe ardosiaca Clitopilus ardosiacus Violettspitziger Tellerling Raeslinug Schweiz Zuericher See Alpen Anstieg Raritaet Pilzschule Schwaebischer Wald
Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus, auch Rhodocybe ardosiaca) am 26.08.2021 im Bereich "Mummelgschwänd" s. Galgenen am Fuß der Alpen südlich des Züricher Sees (GPS: N47°9'16.72" E8°52'53.98"), ca. 820 m NN, an schwer zugänglichem steilem Bachufer an Gebirgsbach über Kalk, bei Grauerle, Bergahorn u.a. an direkter Bachkante zwischen Moosen, 3 Frk., leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner

Und als ich den Beleg vornahm, dachte ich schon an mühsame Untersuchungen der Basidien nach Schnallen sowie an die Feststellung eines intrazellulären oder doch eher inkrustierenden Pigmentes in der Huthaut. Nun ja – zunächst einmal die Lamellen-Merkmale feststellen war die erste Devise. Ein Präparat mit Lamellenschneide in KOH angesetzt – und schon war die Überraschung da. Die ganze Lamelle (Schneide und Fläche) zeigte schon bei kleiner Vergrößerung überall gelbe oder fast orangefarbene Verfärbungen – ein Bild, das ich so ähnlich von einem anderen, durchaus anders aussehenden Pilz schon kannte, nämlich vom Rissigen Tellerling (Rhodocybe caelata, mittlerweile ebenfalls gültig zu Clitopilus caelatus umbenannt). Dieser kam allerdings nicht in Frage, und so stellte ich bei der Recherche fest, dass über ganz Europa schon einige weitere Arten mit solchen laugen-reagierenden Pseudozystiden (die man auch als Chryso-Pseudozystiden bezeichnen könnte) beschrieben wurden, von denen sich eine als Volltreffer erwies.

Rhodocybe ardosiaca 3 Clitopilus ardosiacus Violettstieliger Tellerling Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Schweiz Alpen Bachufer Kalk Zuericher See Sporen skulpturier

Violettspitziger Räsling (Clitopilus ardosiacus, auch Rhodocybe ardosiaca) am 26.08.2021 im Bereich "Mummelgschwänd" s. Galgenen am Fuß der Alpen südlich des Züricher Sees (GPS: N47°9'16.72" E8°52'53.98"), ca. 820 m NN, an schwer zugänglichem steilem Bachufer an Gebirgsbach über Kalk, bei Grauerle, Bergahorn u.a. an direkter Bachkante zwischen Moosen, 3 Frk., leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Funddaten für alle Fotos im Folgenden

Die Sporen passen zu den in der Literatur angegebenen Maßen gut. Für Tellerlinge und Räslinge sind ähnlich Rötlingen skulpturierte Sporen charakteristisch. Klassische Räslinge wie etwa der Mehl-Räsling (C. prunulus s.l.) haben dabei längs-gerippte Sporen, während Tellerlingen unterbrochen gerippte bis warzige Sporen zugesprochen wurden. Die DNA zog die Grenzlinie dann aber anders, und so muss "unser Pilz" zu Clitopilus.

 Rhodocybe ardosiaca 2 Clitopilus Violettspitziger Raesling Tellerliung Chrysozystiden Pseudozystiden Lamellenschneide flche KOH gelb Zuericher See Schweiz Krieglsteiner
 Dieses Bild - aufgenommen bei 100facher Vergrößerung verriet lange vor der Sichtung der ersten Sporen, dass ein Rötling nicht in Frage kam. Mir war bisher mit solcher Lamellen-Struktur (mit KOH gelb verfärbende Pseudozystiden an Lamellenschneide und an der ganzen Lamellen-Fläche) nur vom nicht so seltenen Rissigen Tellerling (Clitopilus caelatus) bekannt - mit dem "unser Pilz" recht nahe verwandt ist. Pseudozystiden entspricngen nicht in der Deckschicht des Hymeniums wie das echte Zystiden tun, sonst könnte man auch von Cheilo- und Pleuro-Chrysozystiden sprechen.
 Rhodocybe ardosiaca 4 Violettspitziger Raesling Tellerling Chryso Cheilozystiden Pseudozystiden KOH Krieglsteiner Mikroskopierkurs Schweiz Alpenraum Pilzschule Schwaebischer
 Rhodocybe ardosiaca 5 Chryso Cheilozysttiden KOH Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Violettstieliger Tellerling Mehlgeruch Lamellen herablaufend Pilzkurs Schweiz
 Cheilo-Pseudozystiden des Violettspitzigen Tellerlings: die meisten sind keulig geformt, manche auch etwas unregelmäßig. 
 Rhodocybe ardosiaca 6 Clitopilus ardosiacus Violettspitziger Tellerling Pilzkurs Schweiz Alpen Zuericher See Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Mikroskop Feldmykologe
 Rhodocybe ardosiaca 7 Violettspitziger Tellerling Pleuro Chrysozystiden Pseudozystiden Mikroskopierkurs Feldmykologe Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Schweiz
 noch lebende (und deshalb vollständig von der gelben Saft enthaltenden Vakuole ausgefüllte) Pleuro-Chryso-Pseudozystiden in KOH von Clitopilus ardosiacus aus der Schweiz - die meisten sind relativ banal keulig, manche auch etwas knorrig ausgebildet.
 Rhodocybe ardosiaca 8 Violettspitziger Tellerling Chryso Pleuro Pseudozystiden Mikroskopie Feldmykologie amorpher Inhalt tot Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Schweiz
 tote Pseudozystiden - lässt man das Präparat mit dem letalen Medium KOH eine Weile stehen, so kommt es zur Plasmolyse der Vakuole von der Zellwand und zur Bildung amorpher Strukturen im toten Zell-Inneren. Taxonomisch sind solche Phänomene ohne Bedeutung.

 

Rhodocybe ardosiaca wurde aus der Schweiz beschrieben, von einem ganz ähnlichen Habitat wie beim hier gezeigten Fund. Ferner sind auch Funde aus Bach-Auenwäldern aus Österreich und Bayern bekannt, sowie ein Nachweis von einem Kalk-Trockenrasen in Südbaden. Soweit die schnelle Recherche. Besonders die Darstellung bei www.pilze-insa.de/pilzgalerie/bilddaten/Rhodocybe_ardosiaca_1.htm passte gut, nach diesem publiziere ich hiermit als Zweiter ein Farbfoto der wohl doch recht seltenen Art.

Der Lilaspitzige (ich bevorzuge das gegenüber dem bisher benutzten „Lilastieliger“, denn der Lilaton wurde zumindest von mir nur an der Stielspitze bemerkt) Tellerling bzw. nunmehr Räsling scheint nach den bisherigen Funden Kalkböden zu benötigen und besonders in Bach-Auenwäldern aufzutreten. Für mich war dies ein sehr schöner Neufund.


„Pilz“ des Monats Februar 2022 – Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum)

Heute stelle ich einmal eine Art vor, die eigentlich in einer Rubrik „Pilz des Monats“ nichts zu suchen hätte. Warum? Nun, ganz einfach: „Schleimpilze“ sind keine Pilze (wie man früher aufgrund ihrer teils bauchpilz-, teils schimmelpilz-ähnlichen reifen Strukturen einmal meinte), sondern Verwandte von Amöben (sozusagen „Urtiere“)  – wie es ja ihre „unreifen“ beweglichen Riesenzellen durchaus andeuten. Auch mit den Tieren besteht allerdings (für die ganze Amöben) keine nahe Verwandtschaft. Trotzdem bearbeiten von jeher vor allem Pilzkundler (wie ich) die Myxomyceten (wie die Mycetozoa immer noch gerne genannt werden). Der alte Streit „Tier oder Pilz“ ist heute längst entschieden.

Nun – die Plasmodien bekommen Pilzfreunde nur ausnahmsweise zu Gesicht, denn diese fliehen das Licht und bevorzugen zum Wachstum feuchte, dunkle Plätze, wo sie auf Nahrungssuche gehen (Bakterien, Pilzsporen, Pilz- und andere organische Reste). Dies sind z.B. Holzspalten,  die Laubschicht oder auch höhere Moos-Rasen wie im Falle der vorgestellten Art. Zur Fruchtkörper-Bildung kommen die Myxos dann heraus (plötzlich sind sie dem Licht zugewandt) und suchen sich den hellsten und vor allem trockensten Platz der Umgebung. Sehr schön zeigt dies z.B. Foto 11, wo das Plasmodium einen Heidelbeer-Strauch hinaufgeklettert ist. Warum plötzlich an den trockensten Platz? Nun – schließlich müssen die Myxos nun Sporen bilden, die sich u.a. über die Luft verbreiten sollen. Dazu muss das nasse Plasmodium viel Wasser loswerden.

Fuligo muscorum 1 Welzheimer Wald Gmeinweiler Schoenes Widertonmoos Polytrichum formosum Plasmodium beim Klettern hoechste trockenste Stelle Myxo Kurs Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 2 Gmeinweiler Plasmodium kommt heraus Myxo Kurs Krieglsteiner saure Streu Nadelwald Torfmoos Sphagnum Mooskurs Pilzschule Schwaebischer Wald
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 04.09.2012 bei Kaisersbach-Gmeinweiler (Schwäbischer Wald, Rems-Murr-Kreis n. Welzheim, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), "Heidenbühl" (480 m NN, MTB 7024.3), auf lebenden Moosen (F 1: Schönes Widertonmoos Polytrichum formosum, F 2 ebenso und Torfmoos Sphagnum spec.) nach Entwicklung in der Bodenstreu in saurem, feuchten Nadelmischwald, Plasmodien beim Herauskommen aus der Streu- und Moosschicht, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 3 Alfdorf Schotthof Plasmodium orange Torfmoos Sphagnum saure feuchte Nadelwaelder Myxo Kurs Krieglsteiner unreif Schleimpilz Aethalien Feldmykologe
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 bei Alfdorf-Schotthof (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), Plasmodium beim Herauskommen aus dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 4 Gschwend Rotenhar Peitschenmoos Bazzania trilobata Plasmodium fruchtend Mooskurs Myxo Kurs Schleimpilz saure Streu Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 13.09.2007 bei Gschwend-Rotenhar (beim "Weiterweg", Ostalbkreis Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7024.4, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Peitschenmoos (Bazzania trilobata), Plasmodium geht über zur Fruchtkörrper-Bildung nach kurzem Weg auf dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 5 Plasmodium Burgholz Schwaebischer Wald saurer Nadelwald Streuschicht Myxo Kurs Schleimpilz Pilzschule Pilzkurse Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 28.09.2013 bei Alfdorf-Burgholz, "Fockenberg" (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.),;beginnende Fruchtkörper-Bildung auf feuchtem Moos in der Nadelstreu in saurem Nadelmischwald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 6 Nationalpark Eifel Plasmodium Buchenwald sauer Streu Myxo Kurs Biodiversitaet Nordrhein Westfalen Feldmykologe auffaellig unscheinbar
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 03.09.2014, Nordrhein-Westfalen, Nationalpark Eifel, Kermeter-N, Tal des "Büdenbach" w. Hasenfeld (MTB 5304.4, 335 m NN), Plasmodium bei der Fruchtkörper-Bildung in saurem Buchenwald, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 7 Moos Lohbluete Alfdorf Hintersteinenberg Hafental Riemenstaengel Kranzmoos Runzelpeter Rhytidiadelphus loreus unreife Aethalien Zweige Myxo Kurs
 Fuligo muscorum 8 Hafental Torfmoos Sphagnum saurer Nadelwald Streuschicht Myxo Kurs Schleimpilz Aethalium Krieglsteiner Feldmykologe Pilzkurs
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 bei Alfdorf-Hintersteinenberg, "Hafental" (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen (v.a. Riemenstängel-Kranzmoos Rhytidiadelphus loreus, beigemengt u.a. auch Torfmoos (Sphagnum spec.),;beginnende Fruchtkörper-Bildung auf feuchtem Moos in der Nadelstreu in saurem Nadelmischwald, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 9 Moos Lohbluete Regensburg Bernhardswald Vorderer Bayerischer Wald saurer Nadelwald unreife Aethalien Pilzkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 25.10.2021 s. Altenthann (ö., Lkr. Regensburg, Vorderer Bayerischer Wald, Bayern, MTB 6939.2, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), unreife Aethalien auf feuchtem Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 10 Bayerischer Wald Spiegelau Gugloed Torfmoos Sphagnum unreife Aethalien Myxo Kurs Schleimpilz saures Milieu Krieglsteiner
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 07.09.2021 bei Guglöd (Lkr Freyung-Grafenau, Bayerischer Wald ö. Spiegelau, Bayern, MTB 7046.4, 890 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen von Torfmoos (Sphagnum spec.), unreife Aethalien auf dem feuchten Moos, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 11 Moos Lohbluete geklettert Heidelbeere Vaccinium myrtillus saure Streuschicht Nadelwald Pilzschule Myxo Kurs Krieglsteiner Tanau
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 21.09.2013 (s.o.!) bei Alfdorf-Schotthof (Rems-Murr-Kreis, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7124.1, 480 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, an Stämmchen von Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) als höchste und trockenste Erhebung über der feuchten Moos-Schicht, unreife Aehtalien, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 12 Moos Lohbluete Muschelmoos Plagiochila asplenioides reife Aethalien saure Nadelstreu Krieglsteiner Myxo Kurs Schleimpilz
 Fuligo muscorum 13 Adelmannsfelden Schwaebischer Wald Muschelmoos Schlafmoos Hypnum cupressiforme Aethalien frisch reif Myxo Kurs Krieglsteiner Pilzkurs
 Fuligo muscorum 14 Adelmannsfelden Vorderwald Schwaebischer Wald Aethalien reif Plagiochila asplenioides Myxo Kurs Krieglsteiner Muschelmoos Lebermoos
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 22.09.2021 bei Adelmannsfelden-Vorderwald (Ostalbkreis, Schwäbischer Wald w. Ellwangen, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7025.2, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen (Mischrasen mit Muschelmoos Plagiochila asplenioides u.a.), Plasmodium beim Herauskommen aus dem feuchten Moos, frisch reife, noch feuchte und glänzende Aethalien, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 15 Nordrhein Westfalen Nationalpark Eifel Krieglsteiner Pilzschule Schwanenhals Sternmoos Artenvielfalt Feldmykologe Aethalien Mnium hornum
Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 10.08.2012, Nordrhein-Westfalen, Nationalpark Eifel, Wahlerscheid, "Fuhrtsbachtal" (MTB 5403.4 , 550 m NN), reife, angetrocknete und daher ganz unscheinbare Aethalien auf Moosrasen (Mnium hornum) in saurem, jungem Karpatenbirken-Bruch, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner
 Fuligo muscorum 16 Peter Schirmer Nordhessen Sababurg Dia Scan Schleimpilz Myxo Kurs Aethalien Moos Lohbluete Krieglsteiner Pilzschule
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) - Dia-Scan eines Fotos von Peter Schirmer, vermutlich aus Nordhessen (z.B. Urwald Sababurg - Funddaten aber unsicher) - reife und unscheinbar graue Aethalien
 Fuligo muscorum 17 Moos Lohbluete Schwaebisch Fraenkischer Wald Gschwend Rotenhar Sporen Krieglsteiner Pilzschule Myxo Kurs
 Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum) am 17.10.2007 bei Gschwend-Rotenhar (beim "Weiterweg", Ostalbkreis Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg, MTB 7024.4, 490 m NN), in der Streu in  feuchtem Nadelmischwald, auf Moosrasen, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt runde, fein warzige, im Durchlicht purpurbraune Sporen sowie rundliche Kalk-Körperchen. Die meisten Myxos sind nur reif gut bestimmbar, wenn die genannten und weitere Strukturen nachprüfbar sind.

 

Viele Pilzkenner kennen die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) und ihre weißliche Variante (F. septica var. candida). Dass es weitere Lohblüte-Arten gibt, wissen aber nur wenige Pilzkundler, die sich intensiver mit Myxos beschäftigen. Die Moos-Lohblüte (Fuligo muscorum – „muscorum“ heißt übrigens „der Moose“) ist im Gelände im unreifen Zustand viel leichter zu finden als die reifen Aethalien, denn erstere sind aufflällig schmutzig orangegelb bis orangebräunlich gefärbt und kontrastieren stark vor allem gegen die Moosrasen, auf denen sie häufig fruchten (weniger gegenüber Buchenlaub wie in Foto 6). Die reifen Aethalien sind viel weniger auffällig, im Gegenteil sogar sehr unscheinbar und sie werden deutlich seltener gefunden. Dummerweise benötigt man (wenn man nicht viel Erfahrung hat) gerade sie für einen akkuraten Bestimmungsgang zur Art. Dass unreife Myxos sehr auffällig sind und reife oft schwer zu finden ist übrigens ein Phänomen, das nicht auf die Moos-Lohblüte beschränkt ist, sondern eher typisch für sehr viele Myxo-Arten. Woran das liegt? Schwer zu sagen, denn es ist kaum anzunehmen, dass die unreifen Stadien gefunden werden wollen, um gefressen zu werden. Im Gegenteil: sie möchten eigentlich in Ruhe ausreifen können.

Die Moos-Lohblüte hat also schmutzig orangefarbene unreife Stadien (Plasmodium bis zu unreife Aethalien) und in ganz jungem Zustand hübsch orangebraun leuchtende Fruchtkörper (Bild 13). Es dauert aber nicht lange bis zum völligen Austrocknen, und dann sind die „Pilzchen“ nur noch irgendwie ganz unscheinbar grünlich grau bräunlich gefärbt und im Gelände je nach Unterlage nur noch schwer zu entdecken. Nun kann man die Proben auch mikroskopieren und die wesentlichen Merkmale (hier z.B. rundliche Kalk-Strukturen und ebenso runde, fein warzige Sporen) untersuchen. Die reifen Strukturen braucht man also (meist) zur Bestimmung – und nur diese lohnen sich für ein „Herbarium“ aufzuheben.

P.S. Falls ich jemanden begeistert haben sollte: es gibt 2022 wieder einen Myxo-Kurs in Pilzschule Schwäbischer Wald. Fuligo muscorum ist da gut möglich.

26.-29.05.2022 (Do-So): Seminar Schleimpilze (Myxomyceten - mit MikroskoSystem, Merkmale, Ökologie, Bestimmung u.a. - Mikroskope stehen zur Verfügung und können mitgebracht werden. Ruppertshofen, Erlenhalle am Gästehaus Grüner Pfad (Erlenstraße 11). € 250.-- (Seminar von Lothar Krieglsteiner)


Pilz des Monats Januar 2022 – Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans)

Wie schon der Pilz des Monats Dezember stammt auch dieser Pilz aus Ligurien (Italien). Während des Seminars mediterrane Pilze im vergangenen November zeigte mir Gastgeber Peter Karasch (von ihm stammt auch eines der gezeigten Fotos, s.u.) einen kleinen Kahlkopf, den er im Laufe der letzten Wochen immer wieder in seinem Garten (Suie bei Varese Ligure) an eingebrachtem Pferdemist beobachtet hatte und bat mich um Bestimmungshilfe. Während der Seminare ist es aber meist so, dass nicht allzuviel Muße bleibt für die Mikroskopie interessanter Pilze – und so war es auch in Ligurien. Zwar schaffte ich es einmal, eine Viertelstunde dafür freizuschaufeln, aber ich kam zu nicht viel mehr als zur Messung der Sporen (ich vermaß sie gleich und später noch einmal mit zusammen  (12,5)—13-14,5 (15,5)/7-8 (8,5) µm und beobachtete deren deutlichen großen Keimporus) und war dabei, eine Lamellenschneide für die Begutachtung der Cheilozystiden zu präparieren, scheiterte aber in der kurzen Zeit an diesem Unterfangen, da sich diese als äußerst klebrig und gelatinös erwies. Da ich ohnehin etwas krank und nach der langen Saison überarbeitet war, gab ich in diesem Moment vorläufig auf  (nicht ohne einen vagen Moment der Erinnerung an dieses Merkmal in meinem Hinterkopf zu verspüren) und verschob die akkuratere Untersuchung in den Winter.  Die Sporenmaße hatten auf einen flüchtigen Blick schlecht zu den ansonsten bekannten nicht-blauenden mist-bewohnenden Kahlköpfen aus der Gattung Deconica (z.B. D. merdaria, D. merdicola, P. coprophila, P. subcoprophila) gepasst und als einzigen Kahlkopf mit vergleichbaren Sporenmaßen fand ich auf die Schnelle Psilocybe fimetaria, eine mir unbekannte Art, die aber als „echte“ Psilocybe mit den entsprechenden Indol-Verbindungen blaue Verfärbungen zeigen sollte; solche hatte ich nicht beobachtet. Ferner ist für P. fimetaria ein üopiges Velum Bestimmungsmerkmale, und die (frisch gewachsenen) ligurischen Pilze zeigten nur spärliche bis kaum nennenswerte Velum-Spuren.

Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf Deconica merdaria merdicola coprophila subcoprophila Cheilozystiden Lamellenschneide gelatinoes Krieglsteiner
Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf fimetaria Deconica Italien Ligurien Psilocybin Psilocin Blauen Seminar mediterrane Pilze Krieglsteiner Karasch
Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner
Psilocybe liniformans fimetaria Karasch Ligurien Seminar mediterrane Pilze Braunsporer Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Italien
Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans), November 2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Foto Peter Karasch

 

Umso überrachter war ich dann am Exsikkat, als ich problemlos eine Lamellenschneide mit Zystiden präparieren konnte, und dabei reichlich Cheilozystiden mit langem (manchmal auch zwei) abgesetztem „Schnabel“ beobachten konnte – eine Form, wie sie für (einige) Arten der Gattung Psilocybe (u.a. besonders für P. fimetaria und P. Liniformans, nicht aber für Deconica-Arten charakteristisch ist. In die engere Wahl auch mit dem Standort auf Mist kamen dann nur noch P. fimetaria (s.o.), auf die die Sporenmaße exakt passen, und P. liniformans, die eigentlich etwas breiter werdende Sporen ((12-)13-14,5(-16,5)/7-10 µm nach Noordeloos 2011: Strophariaceae s.l. in Fungi Europaei 13) haben sollte. Zu P. liniformans passt aber das Merkmal der gelatinösen Lamellenschneide sehr gut, die bei P. fimetaria nicht so ausgebildet sein soll, und so habe ich kaum Zweifel an der Zuordnung, zumal für P. liniformans auch das fehlende bis spärliche Velum gut passt. Beim ersten Druck auf das zunächst ungequetschte (so mache ich das immer, um die Zystiden zunächst in situ zu beobachten) Lamellen löste sich die Schneide fast linien-förmig vom Rest der Lamelle ab („lini-formans“! – das heißt „eine Linie bildend“).

Psilocybe liniformans Sporen Keimporus braun Mikroskopierkurs Seminar mediterrane Pilze Pilzschule Pilzkurse Ausbildung DGfM Feldmykologe PsV Krieglsteiner
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt große Sporen mit großem Keimporus (Maße s.o.). Die Maße passen besser zu P. fimetaria (Lamellenschneide nicht gelatinös, Velum üppig) als zu P. liniformans, die eigentlich zumindest zum Teil etwas breitere Sporen haben sollte. ....
Psilocybe liniformans Kleblamellen Kahlkopf Lamellenschneide Kongorot gelatinoes abloesbar Pilzschule Schwaebischer Wald Seminar Mediterrane Pilze
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Das Foto zeigt ein in Kongorot angefärbtes Stück Lamelle. Nach etwas Druck auf das Deckglas hat sich die Schneide nahezu in Form einer Linie abgelöst ("lini-formans").
 Psilocybe liniformans Lamellenschneide steril Cheilozystiden gelatinoes Psilocybin Psilocin Kahlkopf Pferdenust Italien Ligurien Varese Ligure Krieglsteiner
 Psilocybe liniformans fimetaria Cheilozystiden aufgesetzte Spitze abloesbar Kongorot Pferdemist Blauen Italien Ligurien PIlzschule Schwaebischer Wald Feldmykologe
 Psilocybe liniformans Cheilozystiden aufgesetzte Spitze Kongorot Krieglsteiner Lothar Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald Italien Ligurien Suie
 Kleblamellen-Kahlkopf (Psilocybe liniformans) am 12.11.2021, Italien, Ligurien, Suie bei Varese Ligure, 520 m NN, an Pferdemist in Garten ausgebracht, leg. P. Karasch (dort seit Wochen), det. Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner - Lamellenschneide und Cheilozystiden in Kongorot angefärbt. Die Form ist sehr charakteristisch - bauchig mit aufgesetzter Spitze, zum Teil auch mit 2 Spitzen (2. Foto oben!).

 

Peter Karasch, dem ich von meinen Ergebnissen berichtete, schrieb mir, er hätte die Pilze über Wochen beobachtet und dabei keine Blaufärbungen an den (kleinen – selten über 1 cm großen) Fruchtkörpern beobachtet. Allerdings könnte man der Meinung sein, dass seine schöne Aufnahme (s.o.) geringfügige Blau-Spuren zeigt. Auch andere Psilocybe-Arten blauen nicht immer sehr deutlich, bzw. der Grad des Blauens (letztlich die Oxidation des vorhandenen Psilocins) ist auch bei anderen Arten teils variabel. Auf alle Fäle zeigt der Fund, dass es sich immer wieder lohnt, kleine Dunkelsporer zu mikroskopieren. Für mich handelt es sich jedenfalls um eine Erstbegegnung mit dieser Pilzart.