Pilz des Monats April 2021 – Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum)

Stäublinge oder Weichboviste – das lernen schon die Anfänger – sind essbar, solange sie innen weiß sind. Mit der Zeit lernt man einige Arten kennen, von denen manche sehr häufig sind (z.B. Flaschen- und Birnenstäubling), andere deutlich seltener (z.B. Beschleierter Stäubling, Igelstäubling), andere wachsen nicht wie die schon genannten Arten in Wäldern, sondern auf Grasflächen wie der immer noch vielerorts häufige Wiesenstäubing , der relativ wenig gegenüber Nährstoffeinträgen empfindlich scheint, aber auch z.B. der Hasenbovist, der heute nur noch selten in Reliktflächen in der „Kulturlandschaft“ anzutreffen ist. Wer sich intensiver mit der Gruppe befasst, wird noch eine ganze Reihe weiterer Arten kennen lernen und irgendwann beginnen, Proben auch mikroskopisch zu untersuchen.

In der Kurs-Saison und bei den Seminaren ist man als Kursleiter in der Regel sehr damit beschäftigt, alles Nötige zu tun, dass sich die TeilnehmerInnen wohl fühlen und vor allem, dass sie auch fachlich vom Kurs profitieren. Die Mehrzahl der Pilzfunde werden deshalb draußen ausführlich erklärt, und wo es nicht bis zur Art geht, bleibt es eben bei einer groben Annäherung, die den meisten Pilzfreunden auf Kursen auch völlig genügt. Immerhin schaffe ich es manchmal, unklare Funde zumindest mit einem Standortfoto zu dokumentieren und eine Probe mitzunehmen, diese zu trocknen, zu beschriften und so zu verstauen, dass sie später einmal wieder gefunden und nach-untersucht werden kann. Man kann sich vorstellen, dass man das nicht bei einem Dutzend Funde täglich tut …

Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Tanne Fichte
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Seltenheit
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Tanne Ficht Agaricaceae
 Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum) am 12.08.2019 bei einer Seminar-Exkursion der Pilzschule Schwäbischer Wald bei Gschwend-Rotenhar, am "Weiterweg" (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) in der Bodenstreu eines Weißtannen-Fichten-Mischbestandes auf mäßig basenreichem Boden, det., Foto Lothar Krieglsteiner - oben Übersicht, dann 2 Detail-Aufnahmen der Exoperidien-Bestachelung

 

Stäublinge gehörten früher ohnehin nicht zu meinen Lieblingsgruppen. Dies hat sich aber seit ein paar Jahren ein wenig geändert und so machte ich am 12.08.2019 bei einer Kurs-Exkursion die hier gezeigten Fotos und ein Exsikkat, das ich mir vor wenigen Wochen im Lockdown anschauen konnte. Der lange Winter macht es möglich. Nun – obwohl meine Expertise bei der Mikroskopie der Stäublinge gerne noch wachsen darf, fiel mir gleich auf, dass dieser Stäubling irgendwie seltsam ist. Lycoperdon-Sporen sind in der Regel recht deutlich, aber doch immerhin stets erkennbar warzig ornamentiert, was man trotz deren Kleinheit eigentlich unter genügend hoher Vergrößerung schnell sehen kann. Eine Ausnahme ist eigentlich nur der inzwischen in eine eigene Gattung ausgegliederte Birnen-Stäubling (jetzt Apioperdon pyriforme), der aber, da werden Sie mir zustimmen, für den hier gezeigten Pilz nicht das richtige Bestimmungsergebnis ist.

Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Sporen fast glatt
Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Sporen fast glatt Baumwollblau
 Lycoperdon norvegicum Norwegischer Stubling Schwbischer Wald Baden Wrttemberg Rotenhar Pilzschule Bauchpilzkurs Krieglsteiner Nadelwald Capillitium
 Norwegischer Stäubling (Lycoperdon norvegicum) am 12.08.2019 bei einer Seminar-Exkursion der Pilzschule Schwäbischer Wald bei Gschwend-Rotenhar, am "Weiterweg" (Baden-Württemberg, Ostalbkreis, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) in der Bodenstreu eines Weißtannen-Fichten-Mischbestandes auf mäßig basenreichem Boden, det., Foto Lothar Krieglsteiner - erstes Foto Sporen ohne Anfärbung (in KOH), zweites Foto Sporen nach Anfärbung mit Lactophenol-Baumwollblau, drittes Foto Capillitium-Faser

 

Die Sporen des hier vorgestellten Fundes sind auch unter 1000facher Vergrößerung (Immersion) nahezu vollständig glatt, was auch noch nach der Anfärbung mit Lactophenol-Baumwollblau zutrifft. Ferner sind die Sporen selbst für einen Stäubling sehr klein (ich maß 3,2-4,2 µm, Jeppson 2018 gibt 3-3,5(4) µm, Jülich 1984 3-3,9 µm) – und damit war eigentlich schon alles klar, denn andere Lösungen als der mir bis dahin unbekannte Norwegische Stäubling (Lycoperdon norvegicum) gibt es für die genannte mikroskopische Merkmalskombination nicht. Vergleicht man die Makrofotos bei Jeppson 2018 oder auch bei G.J. Krieglsteiner 2000 mit meinen, so kann man ebenfalls mit der Bestimmung leben, auch wenn ich ein Merkmal nicht beobachten konnte: Nach Abfallen der Stacheln ergibt sich nämlich bei L. norvegicum ähnlich wie bei den häufigen Arten L. perlatum (Flaschenstäubling), L. nigrescens (Stinkstäubling) und L. echinatum (Igelstäubling) ein netziges „Alveolen“-Muster. Um dies nachzuvollziehen, müsste ich einmal ältere Fruchtkörper finden.

Die wenig bekannte Art scheint sehr selten zu sein. Schaut man im Internet auf pilze-deutschland nach, dann findet man nur zwei Fundpunkte in Nordbaden. Diese stammen vom vor wenigen Jahren verstorbenen Wulfard Winterhoff, wie ich in Band 2 der Pilze Baden-Württembergs (G.J. Krieglsteiner 2000) nachschlug. Googelt man nach Lycoperdon norvegicum, findet man relativ wenig, aber immerhin einen Aufsatz von Demoulin (1972.) aus den Westfälischen Pilzbriefen, in dem der Autor auch zwei deutsche Funde (in Bayern und in Brandenburg) erwähnt. Der Autor diskutiert eine nordisch-kontinentale Verbreitung, die zu den ihm bekannten Funden passt, aber wohl kaum zu den schon oben genannten nordbadischen Nachweisen (die im Übrigen von Demoulin persönlich, natürlich später als sein Aufsatz erschien, bestimmt wurden). Was wirklich die Wuchsbedingungen sind, damit sich die selten nachgewiesene Art wohlfühlt, ist wohl noch weitgehend unbekannt, ebenso, ob sie wirklich so selten ist, wie man vermuten könnte. Ich kann hier immerhin einen weiteren Mosaikstein beitragen.

Bleibt noch zu erwähnen, was die meisten Leser schon wissen. Die Gruppe der Bauchpilze (Gastromyceten) und auch die der Weichboviste als einer deren Teilgruppen (Ordnung Lycoperdales) gibt es nicht mehr. Moderne, u.a. (aber nicht nur) molekulare Befunde haben gezeigt, dass Bauchpilze mit sehr verschiedenen Hutpilzen verwandt sind und deshalb heute an vielen Stellen des Systems zu finden sind. Der norwegische Stäubling und seine Doppelgänger stehen heute in der Familie Agaricaceae, also der Familie von Champignons und Schirmlingen, mit denen sie die oft schuppig-stachelige Huthaut (nun ja: sagen wir beim Stäubling lieber Oberfläche oder Exoperidie), die Lebensweise als Sapromyzeten (also Abbauer toter organischer Substanz) und in vielen Fällen auch etwas säuerlich-stechende Gerüche („cristata-Geruch“ einiger Schirmlinge auch bei Weichbovisten) teilen.

Und ganz zum Schluss noch eine Information, die auch viele schon kennen: „Lycoperdon“ heißt, wenn man es aus dem griechischen übersetzt, „Wolfs-Furz“. Nicht schlecht passend für reife Fruchtkörper, auf die man versehentlich tritt. Keine Angst, wenn es stäubt. Ein Wolf ist in den meisten Fällen nicht dafür verantwortlich 😊


Pilz des Monats März 2021 – Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax)

Um die offenbar in Deutschland noch nicht nachgewiesene Art als Pilz des Monats vorzustellen, musste ich mir erst einmal einen deutschen Namen überlegen – zumindest erbrachte das Googeln mit „Hydropus pseudotenax Wasserfuß“ keine Ergebnisse. Pseudotenax – nun, was heißt das?  Dazu ist vielleicht zunächst von Interesse, dass der amerikanische Mykologe A.H. Smith zunächst 1936 einen Helmling als Mycena tenax beschrieb. Über diese Art kann ich nichts sagen, außer, dass sie wohl immer noch in der Gattung Mycena geführt wird.  1939 beschrieb er dann wohl als Doppelgänger Mycena pseudotenax – und diese Art ist inzwischen in die Gattung der Wasserfüße überführt worden. Tenax ist ein lateinisches Adjektiv, das man unterschiedlich übersetzen kann, so mit festhaltend, klebrig (abzuleiten vom Verb tenere: (fest)-halten – und in der Tat hat H. pseudotenax leicht, aber nicht sehr prägnant klebrige Stiele), oder auch etwas abgeleitet zäh, fest, aber auch fädig. Was genau A.H. Smith im Kopf hatte, als er die beiden Arten benannte, habe ich nicht versucht zu recherchieren, aber Namen wie „Klebriger Wasserfuß“, „Zäher Wasserfuß“ oder „Fädiger Wasserfuß“ empfand ich als relativ nichts-sagend, zumal man noch das „pseudo“ berücksichtigen müsste (griechisch: falsch), also Falscher Zäher Wasserfuß … - nun, ja, da habe ich mich dagegen entschieden. In der Tat ist die für die Gattung sehr kleine Sporengröße (ich maß gut zur Literatur passend Sporen von (5,5)-6-8-(9)/3-4 (4,5) µm) – Maße, die in der Gattung vor allem in der Breite, aber auch in der Länge nicht unterboten werden; Schmalsporiger Wasserfuß also meine Wahl für den deutschen Namen.

Ich fand die Art bisher 2mal – und beide Male dachte ich erst an einen Helmling, wenn auch nicht unbedingt an die gleiche Art, denn beide Kollektionen weichen makroskopisch leicht voneinander ab, passen aber insgesamt so beide gut zum Bild, das sich beim Googeln des Namens und mit dem Vergleich zu anderen so bestimmten Aufsammlungen aus dem Internet ergibt. Bei der ersten, sehr reichlichen Kollektion im Herbst 2019 hätte ich die Art fast nicht beachtet – der Fund gelang während einer Seminar-Exkursion in einem der Pilzschule nahe gelegenen Bachtal im Schwäbischen Wald in der gemischten Nadelstreu von Tanne und Fichte in einem Nadelmischwald – und eigentlich hielt ich die Art für einen 0-8-15-grauen Helmling, von denen es ja einige gibt.

Hydropus pseudotenax 1 Kleinsporiger Wasserfuss Schwaebischer Wald Hoenig Auerbachtal Nadelstreu
Hydropus pseudotenax 2 Klebriger Wasserfuss Helmling scabripes conicus Schwaebischer Wald Pilzkurs Seminar Pilzschule Schwaebischer Wald
Hydropus pseudotenax 3 Zaeher Wasserfuss Krieglsteiner Feldmykologe Ruppertshofen Schwaebisch Gmuend Baden Wuerttemberg
Hydropus pseudotenax 4 Kleinsporiger Wasserfuss Helmling Auerbachtal Deutschland Tanne Fichte Pilzschule
Hydropus pseudotenax 7 Studio Lothar Krieglsteiner Pilzkurse Pilzseminare Ausbildung PSV Feldmykologe Baden Wuerttemberg

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner

(4 x Standort, 1 x Studio)

 Hydropus pseudotenax 5 Lamellen Ansatz breit angewachsen Schwaebischer Wald Ruppertshofen Hoenig Auerbachtal Krieglsteiner
 Hydropus pseudotenax 6 Kleinsporiger Wasserfuss Helmling Lamellen Ansatz Nadelstreu Tanne Fichte Mittelgebirge Pilzschule Schwaebischer Wald
 Hydropus pseudotenax 8 Kleinsporiger Wasserfuss Anastomosen Pilzschule Schwaebischer Wald Ruppertshofen Gmuend Baden Wuerttemberg Pilzseminare
 Hydropus pseudotenax 9 Klebriger Wasserfuss Auerbachtal Tanne Fichte Helmling Mikroskopie PIlzkurse Tagesfuehrung Seminar PSV Ausbildung
Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner

(4 x Standort, 1 x Studio)

Die Aufnahmen von unten zeigen den (schmal bis) breit angewachsenen, auch leicht mit Zahn herablaufenden

Lamellen-Ansatz sowie die Tendenz zu stark aderig-getropften Lamellen und Anastomosen-Bildung - wie Sie

sehen kein Alleinstellungs-Merkmal des Rosablättrigen Helmlings (Mycena galericulata) ...

Da der Pilz aber nicht nach Chlor roch und auch sonst nicht ins Bild einer mir bekannten Art passte, zudem noch recht reichlich fruktifizierte, war ich neugierig, machte Standortfotos und nahm Material zur Untersuchung mit nach Hause. Dabei wurde schnell klar, dass es sich um einen Wasserfuß handelte, denn zahlreiche, ziemlich große (wenn auch für die Gattung eher kleinere, ca. (30)-40-80-(90)/8-11-(13) µm) Zystiden nicht nur an der heterogenen (kein steriles Band aus Zystiden, sondern auch Basidien bildenden) Lamellenschneide, sondern auch ganz reichlich ± gleichartig aussehend an der Lamellenfläche wiesen auf einen Wasserfuß hin – und nach schneller Recherche mit den gängigen Schlüsseln wollte keine bekannte Art passen. Da in der Kurs-Saison keine weitere Zeit vorhanden war, legte ich den Beleg zunächst ab und verschob die Klärung (wie so oft …) auf später.

Hydropus pseudotenax 17 Sporen Kongo NH3 Ammoniak tot Apikulus Mycena Wasserfuss PSV DGfM Feldmykologe
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Sporen-Aufnahme in Kongo-NH3 zeigt kleine Sporen (Maße s.o.) mit deutlichem Apikulus. Die "schnelle"

Aufnahme zeigt teils noch lebende Sporen mit kleinen bis winzigen, aber auch schon abgestorbende Sporen, bei

denen der Sporen-Inhalt zu einem großen Tropfen zusammengeflossen ist (NH3 = Ammoniak ist giftig und letal

für die Sporen).

Hydropus pseudotenax 16 Sporen Kongorot Oeltropfen lebend Auerbachtal Kleinsporiger Wasserfuss Mykologie Krieglsteiner
 Kleinsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Sporen-Aufnahme zeigt überwiegend schon abgestorbene Sporen, bei denen die kleinen Tropfen zu größeren

Einheiten zusammen geflossen sind. In "länger toten" Sporen werden diese optisch meist leer und sind optisch kaum

mehr zu erkennen.

Hydropus pseudotenax 18 Auerbachtal Cheilozystiden Kongo NH3 Mikroskopierkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Aufnahme in Kongo-NH3 zeigt die heterogene Lamellenschneide mit vereinzelten Cheilozystiden.

Hydropus pseudotenax 19 Pleurozystiden Lamellenflaeche Kongo NH3 Sporen Mikroskopie Pilzschule Seminare Fuehrungen PSV DGfM Feldmykologie
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Lamellen-Fläche in Aufsicht, in Kongo-NH3. Die zahlreichen Pleurozystiden sind umgeknickt und nur ab der (von

oben bis zu der) Stelle zu sehen, an der sie in situ die Lamellen-Oberseite überschreiten.

Hydropus pseudotenax 22 Kleinsporiger Wasserfuss Pleurozystiden Kongo NH3 Quetschpraeparat Mikroskopierkurs Pilzschule Schwaebischer Wald
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Pleurozystiden (und Sporen) in Kongo-NH3, in stark gequetschtem Quetschpräparat. Die Pleurozystiden sind 

vollständig freigelegt, aber von der Bildungs-Hyphe abgebrochen.

Hydropus pseudotenax 21 Zystiden Lamellenbasis amorphe Exsudate Kristalle Phloxin Schwaebischer Wald Mikroskopierkurs Feldmykologe Krieglsteiner
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Zystiden der Lamellen-Basis (Übergang zum Lamellen-Zwischenraum) in Phloxin-KOH-Präparat. Nur hier fand ich

solche Zystiden mit Exsudat-Auflagerungen.

Hydropus pseudotenax 23 Kleinsporiger Wasserfuss Pileipellis Cutis kurze Auswuechse liegende Hyphen Radialschnitt Mikroskopierkurs Krieglsteiner
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Radialschnitt der Huthaut zeigt nur liegende Hyphen (Cutis), die gelegentlich kurze, knorrige Auswüchse haben. 

Pileozystiden fehlen.

Bevor es dazu kam, wurde ich aber etwa ein Jahr später – diesmal auf einer kleinen „Privat“-Exkursion mit Katharina, erneut fündig, wieder im Schwäbischen Wald, an einem Wegrand zwischen Nadelreisig- und Borkenresten von Tanne. Die Kollektion wirkte im Vergleich insgesamt kräftiger und dunkler, erinnerte mich entfernt an den typischer Weise im Frühjahr zu findenden Schneeblüten-Helmling (Mycena flos-nivium), und erst als ich beide Kollektionen mikroskopierte, brachte ich sie schließlich miteinander in Verbindung.

Hydropus pseudotenax 10 Kleinsporiger Wasserfuss Schneeblumen Helmling Mycena flos nivium Lothar Krieglsteiner Deutschland
Hydropus pseudotenax 10a Kleinsporiger Wasserfuss Gschwend Rotenhar Schwaebischer Wald Tanne Wegrand Nadelstreu Borkenreste Krieglsteiner Schwaebisch Gmuend

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner -

Verglichen mit der Kollektion im Auerbachtal bei Hönig waren die Fruchtkörper im Schnitt dunkler gefärbt und etwas 

kräftiger. Die Mikroskopie zeigte sich aber als quasi identisch.

 

 Hydropus pseudotenax 11 Unterseite Anastomosen Schwaebisch Hall Pilze lernen Ausbildung Pilzkurse Krieglsteiner

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner - 

Auch bei dieser Aufsammlung fanden sich deutliche Adern und Anastomosen im Bereich der Hut-Unterseite.

Wie schon anklang: mit den gängigen Schlüsseln und Bestimmungswerken ist die Art nicht zu bestimmen – und man versandet bei den scheiternden Zuordnungs-Versuchen bei zumindest bezüglich der Sporenmaße nicht passenden Arten wie H. scabripes oder H. conicus. Erst die Konsultation des Schlüssels von Esteve-Raventos & al. (2001, Persoonia) brachte dann problemlos das (m.E.) richtige Ergebnis, und einen (m.E.) sehr gut passenden Treffer. H. pseudotenax ist wie schon erwähnt eine aus Nordamerika beschriebene Art, die erst durch Esteve-Raventos & Ortega (1995, Sydowia) erstmals für Europa berichtet wurde, und zwar durch einen Fund aus Spanien (Andalusien, bei Granada, unter Pinus halepensis). Die Autoren bezeichnen die Art allerdings als in Europa weit verbreitet, führen aber im Text nur noch Nachweise aus Italien auf (Lonati 1986, als Hydropus scabripes var. safranopes – nicht eingesehen). Für H. pseudotenax (mit dem H. scabripes var. safranopes identisch ist, wie die Autoren durch die Untersuchung des Typus klärten) wird in der Originbeschreibung und auch bei Esteve-Raventos & Ortega (nur in der Diskussion, nicht in der Beschreibung!) ein safrangelbes Basismyzel angegeben, das mir bei meinen Funden im Gelände nicht auffiel. Meine Fotos zeigen allerdings bei einem Teil der Fruchtkörper schwach solche Farbtöne. Allerdings ist am Exsikkat nahezu der ganze Pilz orangebräunlich verfärbt.

Hydropus pseudotenax 12 Stielbasis Myzelfilz gelblich Ruppertshofen Auerbachtal Pilzseminar Schulung Pilzkenner Krieglsteiner
Hydropus pseudotenax 13 Stielbasis gelblich Myzelfilz Hoenig Zaeher Wasserfuss Helmling Saprobiont Nadelstreu Tanne Fichte Schwaebischer Wald
Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Aussschnitts-Vergrößerungen der Stielbasis von Studio-Fotos - mit etwas gutem Willen erkennt man durchaus eine 

(orange)-gelbliche (Ver)-Färbung der Stielbasis. Mir war diese aber beim Frischmaterial nicht besonders aufgefallen.

 Hydropus pseudotenax 14 Exsikkat scabripes safranopes Hoenig Auerbachtal Stielbasis Myzelfilz orangegelb trocken Krieglsteiner Helmling
 Hydropus pseudotenax 15 Stielbasis Exsikkat Hoenig Myzelfilz orange KLeinsporiger Wasserfuss Nordamerika Spanien Italien Deutschland safranopes scabripes
 Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19. (und 20.) 10.2019, Deutschland, Baden-Württemberg, 

Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, "Auerbachtal" bei Ruppertshofen-Hönig, in der Streu unter Fichte und

Tanne, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos Lothar Krieglsteiner - 

Die Fotos vom Exsikkat zeigen beim ganzen Pilz (oben) und an der Stielbasis einen deutlichen Zug ins Orange. Ein 

Synonym zu H. pseudotenax ist der aus Marokko beschriebene H. scabripes var. safranopes.

 Hydropus pseudotenax 16 Exsikkat Stielbasis Myzelfilz Gschwend Gaildorf Schwaebisch Hall Gmuend Schwaebischer Wald
 

Schmalsporiger Wasserfuß (Hydropus pseudotenax) am 19.10.2020, Deutschland-Baden-Württemberg s. Schwäbisch

Hall, Gaildorf-Schönberg, "Brenntenwald", an Wegrand durch Mittelgebirgs-Nadelmischwald, an Resten von Borke und

Nadelstreu von Abies alba, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner (Februar 2021), Fotos 

Lothar Krieglsteiner - 

Bei der zweiten Aufsammlung ist der Orange-Ton am Exsikkat schwächer, aber ebenfalls vorhanden.

H. pseudotenax ist eine wenig bekannte Art mit bisher ungenügend bekannter Verbreitung. Ob sie sehr selten ist oder nur übersehen wurde, muss sich in der Zukunft erweisen. Fazit jedoch: es lohnt sich immer wieder einmal, banal aussehende Helmlinge zu untersuchen 😊


Pilz des Monats Februar 2020 - Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis)

Der Tannen-Fingerhut ist ein relativ unauffälliger Pilz. Zwar sind seine Fruchtkörper nicht allzu klein (bis 10 mm Durchmesser nach Agerer 1976; 0,5-1,2 (2) cm nach www.123pilze.de). Fruchtkörper über 1 cm sind zwar nicht oft, aber doch gelegentlich zu finden - 2 cm sind aber schon sehr viel und nur extrem alt und ausgebreitet denkbar), aber unauffällig gefärbt und sie wachsen an wenig besammelten Standorten zu meist winterlicher Exkursionszeit. Die Art ist allerdings keineswegs selten. Dies erschließt sich aber erst, wenn man bei der Suche von den Literaturangaben abweicht. So schreibt Agerer (1976 - und dies war auch die Erfahrung der "alten" Sammler in der Pilzgruppe um den verstorbenen G.J. Krieglsteiner) über Vorkommen von C. digitalis, sie wachse "nach LIteratur-und Sammlerangaben ... auf jüngeren wie auf älteren, meist frisch gefällten Tannen, häufig in luftfeuchten Schluchten; manchmal auch auf stehenden Bäumen bis zu einer Höhe von ca. 10 m, fast immer auf Borke, nur ganz selten auf bloßgelegtem Holz". In der Tat sind bisher nur Funde an Abies alba bekannt - auch ich habe die Art zwar schon oft, aber immer nur an Weißtanne finden können. Haupt-Wuchsort sind allerdings nicht wie bei Agerer angegeben (G.J. Krieglsteiner 2001 erwähnt ebenfalls v.a. Stämme, aber immerhin auch Äste im Luftraum, s.u.) Baumstämme (an solchen dickeren Stämmen kann die Art selten auch gefunden werden, vor allem, so lange die meist dünneren Stämmchen noch stehen), sondern dünne Zweige, Reisig, abgestorbene dünne Teile im Luftraum stehender Tannen. Will man C. digitalis suchen, dann geht der Blick also am Besten nach oben - man sucht sich kleinere Tännchen, deren untere Äste und Zweige noch im Blick- und Griffbereich liegen. Zu günstigen Wuchsbedingungen (am Besten nach längerem Regen oder Abtauen von Schnee in der Wintersaison, ausnahmsweise aber auch im Herbst oder gar Sommer fruktifizierend) dauert es zumindest im Schwäbisch-Fränkischen Wald nicht lange, bis man die Art zum ersten Mal gefunden hat, und so gelang es mir schon mehr als einmal, zugereisten pilz-interessierten Gästen die scheinbare Rarität innerhalb von Minuten in "meinen" Wäldern zu zeigen. Insofern ist auch durchaus diskutabel, ob die Art wirklich "stark gefährdet" ist, wie sie derzeit in der Roten Liste für Deutschland klassifiziert ist. Nachdem das "Tannensterben" aufgrund v.a. Schwefeldioxid-Immissionen derzeit gestoppt erscheint, hat sich die Gefährdung vieler Tannenpilze erübrigt, besonders, das diese gegenüber Stickstoff-Einträgen weniger stark gefährdet erscheinen. Neben dem Schwäbisch-Fränkischen Wald kenne ich die Art auch aus dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald sowie dem Schweizer Alpenvorland. Bei gezielter Suche dürfte die kaum zu verwechselnde Art (Mikromerkmale siehe bei Agerer 1976) fast überall im Tannen-Areal gefunden werden können.

Cyphella digitalis Schwaebisch Gmuend Lothar Krieglsteiner PSV Ausbildung DGfM Referent Fachberater Feldmykologe
Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 30.11.2007, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbisch Gmünd, "Taubental" (Ausläufer des Schwäbisch-Fränkischen Waldes), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut iuvenil Abies alba Schwaebisch Fraenkischer Wald Ruppertshofen Gaestehaus Gruener Pfad
Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 24.09.2008, Deutschland, Baden-Württemberg, Kaisersbach,  Bannwald "Steinhäusle"(Schwäbisch-Fränkischer Wald), ganz junge Fruchtkörper an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Abies alba Murrhardt Hoerschbach Katharina Krieglsteiner Schlucht Winter
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 20.12.2015, Deutschland, Baden-Württemberg, Murrhardt, "Hörschbach"-Schlucht (Schwäbisch-Fränkischer Wald), ältere Fruchtkörper an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Katharina Löw (jetzt Katharina Krieglsteiner)
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Abies alba Winter luftfeucht Cyphellaceae Agaricales Pilzkurse PIlzseminare
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 25.01.2016, Deutschland, Baden-Württemberg, n. Schwäbisch Gmünd, "Götzenbachtal" bei Leinzell (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Deutschland Baden Wuerttemberg Schwaebisch Fraenkischer Wald Krieglsteiner
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 01.01.2018, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, unweit Spraitbacher Stausee (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Weitanne Abies alba Winter Baden Wuerttemberg Schwaebischer Wald Pilzschule Krieglsteiner
 Cyphella digitalis Tannen Fingerhut Cyphellaceae Agaricales Tanne Zweige Luftraum Schwaebischer Wald Schwaebisch Gmuend
 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 31.12.2018, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, b. Fuchsreute (Schwäbisch-Fränkischer Wald), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in ca. 2 m Höhe, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner (2 Fotos) . Das zweite Foto zeigt die Fruchtkörper nur von außen.
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 Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis) am 25.01.2021, Deutschland, Baden-Württemberg, Spraitbach, b. Heiligenbruck (Schwäbisch-Fränkischen Waldes), an Seitenast an stehender, junger Abies alba in Mannshöhe, leg., det. Katharina und Lothar Krieglsteiner und Rudi Markones, Foto Rudi Markones

 Der Tannen-Fingerhut ist ein cyphelloider Pilz, genau genommen der klassische cyphelloide PIz, denn cyphelloide Pilze sind solche, die aussehen wie Cyphella, und diese Gattung ist heute (zumindest in Mitteleuropa) monotypisch. Cyphelloide PIlze sind in etwa becherförmig, aber dennoch Ständerpilze. Heute hat sich heraus gestellt, dass alle zur O. Agaricales gehören, sie also reduzierte, ungestielte Lamellenpilze sind, die ihre Lamellen "verloren haben". Ein interessantes Thema, über das ich gerne bei dem einen oder anderen Seminar referiere.


Pilz des Monats Januar 2021 - Faltiger Glockenschüppling (Pholiotina sulcata)

Die heute vorgestellte Art ist – zumindest wenn man von Freilandlagen Mittel-Europas redet – derzeit unverwechselbar. Der schmächtige Habitus mit trockenem Hut sowie die Sporen- und Lamellenfarbe passen zu einem Samthäubchen (Conocybe) oder Glockenschüppling, erinnern vielleicht noch an einen Häubling (Galerina), aber dann geht die Liste der in Frage kommenden Gattungen schon zu Ende. Und in keiner dieser Gattungen gibt es sonst Arten mit plissierten, radial gefaltet werdenden Hüten, wie sie sonst noch bei Mistpilzen (Bolbitius – mit ähnlicher Sporenpulverfarbe, aber jung schleimig-schmierigem Hut) und Tintlingen (Coprinopsis, Coprinellus und Parasola – nicht bei Coprinus!) vorkommen, die aber schon durch ihr viel dunkleres, ± schwarzes Sporenpulver deutlich geschieden sind.

Keine Verwechslungsmöglichkeit also? Doch – weltweit, in Südeuropa, in Warmhäusern, und vielleicht bald ja (durch den Klimawandel) auch im Freiland bei uns? Der Gefurchte Faltenhäubling (Galerella plicatella) hat ebenfalls zimtbraunes Sporenpulver und einen plissierten Hut, aber (neben abweichenden Mikromerkmalen) einen anderen Habitus (kürzer gestielt) und vor allem besitzt er im Gegensatz zu P. sulcata Velum auf dem Hut. Gut dargestellt ist die von mir noch nie gefundene Art hier: ADPF3.tmp (univie.ac.at). Früher hielt man die hier dargestellte Art für Galerella plicatella, und so ist sie auch in älterer mitteleuropäischer Art genannt worden – bis 2003, als sie von Arnolds & Hausknecht als eigenständige Art beschrieben wurde. Noch heute findet man Darstellungen von P. sulcata unter Galerella plicatella, so z.B. hier: Beschreibung: Agaricales Blätterpilze Dunkelsporer - Fredis Pilzseite (jimdofree.com)

P. sulcata ist mir bisher erst 4mal begegnet – von allen Funden kann ich Fotos zeigen, vom ersten Fund in der Rhön gibt es einen Dia-Scan. Allen Funden gemeinsam ist das Habitat: mäßig bis deutlich saure, halbwegs nährstoffarme Grasland-Standorte. Insofern kann es durchaus sein, dass es sich um eine gefährdete Art handelt. In Roten Listen ist sie bisher aber noch nicht klassifiziert worden.

Pholiotina sulcata Gefurchter Glockenschueppling Deutschland Rhoen Bayern Rinderweide Moos Rhytidiadelphus squarrosus Biosphaerenreservat Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 14.9.2001 im Biosphärenreservat Rhön (Deutschland, Bayern), Debachtal bei Wegfurt, MTB 5626/1, am Rand von extensiver Rinderweide über Buntsandstein, in magereren Partien (hier im Sparrigen Kranzmoos Rhytidiadelphus squarrosus), im Jahresverlauf dort Tausende von Fruchtkörpern, leg., det., Foto (Dia-Scan) Lothar Krieglsteiner
Pholiotina sulcata Galerella plicatella Gefurchter Glockenschueppling Deutschland Baden Wuerttemberg Schwaebisch Gmuiend Magerwiese Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 26.08.2008 im NSG "Lindenfeld" bei Schwäbisch Gmünd-Unterbettringen (Deutschland, Baden-Württemberg), wenige Fruchtkörper in mäßig nährstoffarmer Magerweide über Dogger, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 15.10.2013 unweit Deggendorf-Mietzing (Deutschland, Bayern, Fuß des Bayerischen Waldes), in saurer Magerwiese, wenige Fruchtkörper, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - der Fundort liegt im Bereich einer Soden-Auspflanzungsfläche für Walters Haarzunge (Trichoglossum walteri) aus einem innerstädtischen Baugebiet in Deggendorf.
Pholiotina sulcata Gefurchter Glockenschueppling Schwaebischer Wald Gmuend Baden Wuerttemberg Pilzkurse Pilzschule Krieglsteiner Gro
 Gefurchter Faltenhäubling (Pholiotina sulcata alias Galerella plicatella ss. auct.) am 10.10.2020 bei Gschwend-Mittelbronn, Waldlichtung ö. Bruckenhaus, in mäßig nährstoffreicher (nur gelegentlich gedüngter) Wiese an Waldrand, leg. PIlzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner