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Unser Garten von Mai 2016 bis heute

* zu den in unserem Garten beobachteten Organismen geht es hier (Artenlisten und darüber Links zu den Organismengruppen)

Im Mai 2016 bezogen Katharina und ich unser frisch gekauftes, vorher ca. 30 Jahre genutztes Haus am Brunnenweg 32 in Spraitbach. Über die Entwicklung des Gartens von damals nach heute, über unser Gartenkonzept der Förderung von Vielfalt möchte ich Sie in näherer Zukunft unterrichten. Es wird etwas Arbeit sein und dauern, bis der Beitrag Gesicht gewinnt, aber es könnte sich lohnen, am Ball zu bleiben :-)

Zunächst ein paar Ausschnitte aus Google Maps, die die Lage (Meereshöhe ca. knapp 540 m NN) und die Situation in der Umgebung beschreiben.

Brunnenweg 32 GoogleMaps
Brunnenweg 32 GoogleMaps Grenze rot
Jeweils Brunnenweg 32 in Spraitbach. GoogleMaps zeigt bereits an: hier residiert Pilzschule Schwäbischer Wald. Die eigentliche Adresse mit unserem Seminarraum ist aber eigentlich Erlenstraße 11 im nahen Ruppertshofen. In Spraitbach wohnen wir "nur" und gestalten unseren Garten um - zu möglichst viel Artenvielfalt (heute sagt man Biodiversität). Die rote Linie (mit Paint grob gezogen) ist in etwa die Grundstücksgrenze.

Unsere Vorbesitzer waren keine Biologen, und so bewirtschafteten sie den nur ca. 200 m2 kleinen Garten weitgehend im Mainstream (das gilt auch für unsere Nachbarn - die "Grenz-Situation" zu diesen erläutere ich gleich). Was Gehölze betrifft, wurde entweder auf Nahrhaftes (Kirschbaum, Walnussbaum, Josta und Rote Johannisbeere) oder vordergründig Dekoratives (Flieder, Rhododendron) Wert gelegt, letzteres und der übliche Kirschlorbeer stammen sicher aus dem damaligen Angebot der Gartenmärkte, dazu 3 kleine dreieckig zurecht geschnittene Fichten. Nicht alles behielten wir bei, doch darüber später mehr. Möglichst günstig viel Blütenpracht nach außen der Straße zu (3 Rhododendron-Büsche hier, s.o. sowie Blumenzwiebeln aus dem Baumarkt (Hyazinthen, Blaustern-Verschnitte u.a.) sollten für das gepflegte Aussehen sorgen - die hinteren Gartenbereiche mit einem baufälligen Gewächshaus mit sehr nährstoffreicher Gartenerde mit reichlich beigefügtem Blaukorn (das nach und nach z.T., aber nicht vollständig entfernt werden konnte) und viel auch in den Boden im ganzen Garten eingegrabener Müll (nennenswerte Mengen an Plastik und Altmetall) waren besonders in der Rubrik "Altlasten" einzuordnen, zumal sich noch heraus stellte, dass ein größerer Teil des hinteren Gartens mit einer Zementschicht unterlegt war, bedeckt mit fest eingebackenen großen Flusskieseln. All dies wurde nach und nach entfernt und ersetzt, dazu später mehr. Jedenfalls düngten unsere Vorbesitzer nicht nur das Gewächshaus sehr üppig, sondern sicher auch den Flieder und eingesetzte Zwiebelblumen. Der Garten war stark gedüngt, aber nicht überall gleich - vieles ließen unsere Vorbesitzer nur liegen und düngten nicht den ganzen Garten mit Kunstdünger. Insofern war von Anfang an ein gewisses Mosaik anzutreffen. Dies gilt auch für die Nachbargärten - darüber später mehr.

Brunnenweg 32 1 Blick von Nordwesten Rhododendron Buesche Kirschlorbeer
Dies und die nächsten Bilder zeigen den Zustand der Vegetation (u.a.) zum Zeitpunkt der Übernahme und kurz danach, also im Winter und Frühjahr 2016. Das erste Bild zeigt hier einen Blick an der Straße von Nordwesten: der zum Haus abschüssige Randstreifen zeigt mäßig nährstoffreichen Gartenrasen mit 3 üppigen Rhododendron-Büschen. Zum Entsetzen unserer Nachbarn (so vermuten wir) haben wir die 3 Büsche allesamt entfernt. Dies gilt auch für den Kirschlorbeer im Vordergrund (nordwestliche Hauskante) und an anderen Stellen des Gartens. Im gezeigten Ausschnitt liegt unser Garten-Projekt 7 ("Heidemoor") und 8 (winziger Kalksand-Magerrasen) -  hierzu später jeweils eine eigene Darstellung.
 Brunnenweg 32 2 Blick von Nordost Kirschlorbeer Fichten
 Blick von Nordosten auf den Randstreifen am nordwestlichen Grundstücks-Ende. Der Kirschlorbeer hier wurde entfernt, ebenso wie weitere Büsche (z.B. zwei dreieckig zugeschnittene Fichten) und zahlreiche Zierpflanzen (u.a. Sedum, zahlreiche Zwiebeln von kultivaren Liliales). Josta (M.r.) und Buchsbaum (h.l.) wurden belassen und in unser Gartenkonzept integriert. Im Bereich des leider nicht bis zur Straße reichenden Fotos liegt die Fläche unseres Projektes 6 (bodensaurer Saum, Heide und Magerwiese).
 Brunnenweg 32 3 Terrasse Anfang 2016
 Brunnenweg 32 3a Terrasse Dreiecksfichte Flieder
 Brunnenweg 32 4 Blick nach Suedwesten von Haus
 Blicke von Osten und Nordosten auf und von unserer ausladenden Terrasse, die wir beibehalten haben. Rechts im letzten (und hinten auf den vorigen) Bildern die alte baufällige Pergola, die wir noch ca. 2 Jahre nutzten, bevor wir sie renovierten. Die Bilder bieten nur kleine Einblicke auf den Hauptteil des Gartens, die südwestliche Front (bwz. deren nordwestlichere Bereiche). Hier liegen (nur teilweise auf den Fotos zu sehen) die Bereiche für unsere Projekte 1 (Morchelbeet), 2 (Wiesenbeet) und 5 (kalkreiche Magerwiese und Saum - in der Mitte der stehen gelassene ältere Flieder). 
 Brunnenweg 32 5 Blick von Sueden Gewaechshaus Garage Reinfenlager
 Blick von Süden auf den südlichsten Zipfel des Gartens. Schon bei Übernahme verschwunden waren zu unseren Freude die (auch noch anderweitig zunächst vorhandenen) Reifenlager, ebenso der Außenschrank (r.). Noch etwa ein gutes Jahr behielten wir das baufällige Gewächshaus bei, bevor wir es (nach einiger Überlegung ersatzlos) abrissen. Der Bereich des Gewächshauses und etwas rechts davon wurde zum Zentrum unseres Nahrungsfeldes (Kompostbeet, Projekt 3). Ebenfalls hier: Projekt 4 (Mauer) und Teile von 5 (kalkhaltiger Magerrasen und Saum). Der hier gezeigte ganz südliche Zipfel wurde aufwändig umgestaltet, ohne Maschineneinsatz. Weite Bereiche waren von Betonplatten belegt, die auf miteinander verbackenen Lagen von großen Flusskieseln fußten, darunter eine Schicht Zement. All dies wurde in mühsamer "Handarbeit" nach und nach abgetragen. 
 Brunnenweg 32 6 Dach ohne Gruen Anfang 2016
 Brunnenweg 32 7 Dach Ausblick auf Schwaebische Alb im Sueden
 Blick auf unser Dach (1. Foto) sowie auf Nachbardach und Nachbargrundstück vor schöner Aussicht auf die Schwäbische Alb, von Norden fotographiert). Die mit kleinen Flusskieseln bedeckte Fläche begannen wir auch in unser Lebensraum-Konzept einzubeziehen, unser Projekt 9. 

 

Von Florian Lössl wurde ich mit Vielfalt, Schönheit & Nutzen - Hortus Insectorum 1A Naturgarten (hortus-insectorum.de) auf ein schönes Projekt aufmerksam gemacht, zu dessen Philosophie ich Parallelen sehe. Markus Gastl stellt dort sein Konzept eines Naturgartens vor, das am Ziel der Artenvielfalt orientiert ist. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass ausdrücklich nährstoffarme Bereiche entstehen sollen, die als Hotspot-Zone (gegenüber Puffer- und Nahrungszone) bezeichnet werden (vgl. Hortus Insectorum 1A Naturgarten - Die Drei Zonen (hortus-insectorum.de). "Der Vielfalt etwas zurück geben" ist ein Motto, mit dem ich mich ebenfalls anfreunden kann und insofern betrachte ich unsere beiden Projekte aus verwandt. Wobei ich zugeben muss, dass 6000 m2 eine ganz andere Liga sind, eine Hausnummer, die zu bearbeiten mein Organisationstalent und meine zeitlichen Kapazitäten weit überschreiten würden. Unseren kleinen Garten zur Vielfalt hin umzugestalten, soweit dies möglich ist, ist auch eine große und langwierige Aufgabe, die aber viel Spaß macht und auch für körperliche Ertüchtigung sorgt. Pufferzonen anzulegen ist naturgemäß kaum möglich, wenn man eine Parzelle in einer aus anderen teils größeren Parzellen bestehenden Einheit aus Mainstream-Wohnhäusern bewohnt. Um dem abzufedern, bleibt uns nur die Pflanzung einzelner Gehölze nahe den Grundstücks-Rändern, was wir auch getan haben (s.u.). Mehr Möglichkeiten hat man kaum. Davon abgesehen kann man - und haben wir schon in hohem Umfang getan - Bereiche aushagern und überzählige Nährstoffe in die Nahrungszone (ich nenne es immer "Kompostfeld") bringen. Auch bezüglich der Nahrungsmittel-Produktion haben wir nur begrenzte Möglichkeiten und kaum Zeit, um diese in größerem Stil zu tun, aber einiges geht (s. auch dazu später mehr). Der Ausbau und die Verbesserung der Restflächen hin zur Hotspot-Zone ist das übergeordnete Ziel, und nebenbei wird der Garten auch als Erholungszone gestaltet. 

Brunnenweg 32 GoogleMaps Nachbarn blau gruen
Die Situation der Nachbargärten, zur "feindlichen Außenwelt" (nach hortus-insectorum.de), zu der möglichst ein guter Puffer geschaffen werden soll. Dies ist natürlich nur sehr begrenzt möglich. Umso wichtiger ist die Wirtschaftsweise der Nachbarn. Grün: hier wurde schon seit langer Zeit auf Dünger verzichtet. Dies gilt für das südlich-(westlich) angrenzende Nachbargrundstück, zu dem keine wirkliche Grenze besteht. Umso wichtiger: bitte keine Änderung! Blau: die klassische Wirtschaftsweise mit kräftigen Ausbringungs-Mengen von Kunstdünger, z.T. auch (besonders im O.) von Pestiziden. Man ist letztlich recht froh an der Straße, die (trotz des Nachteils der gelegentlichen öffentlichen Salzung) gegen einige der gedüngten Grundstücke einen passablen Puffer darstellt. Weiter östlich angrenzend liegt hinter einer Baumreihe ein Stück recht konsequent gegülltes Ackerland, dahinter ein Pferdehof. Schwierige Ausgangsbedingungen für eine nährstoffarme Insel ...
Brunnenweg 32 GoogleMaps erste Projekte
mit Paint grob hineingemalt: die groben Örtlichkeiten im Garten, wo wir unsere wichtigsten Umgestaltungs-Prozesse begonnen und weiter geführt haben - alle werden nach und nach mit einer eigenen Untersite belegt. Legende siehe unten im Text. Heißt nicht, dass in den nicht eingekreisten Flächen nichts verändert worden wäre ;-)

Legende zur obigen Abbildung - einzelne Projekte in unserem Garten. 

  1. Morchelbeet (junge Eschen, Kalkboden, eingegrabene Eschenstämme, Ansiedlung von kalkliebender Vegetation mit Geophyten).
  2. Wiesenbeet (heimische Wildkräuter frischer bis feuchter, mäßig saurer bis basenreicher Standorte).
  3. Kompostfeld (Nahrungszone - zunehmend mit Hügelbeet-Charakter, mit sanftem Übergang zu den verschiedenen Bereichen der Hotspot-Zone, zu der alle anderen Projekte gehören)
  4. Mauer aus Kalksteinen
  5. Kalkbeet (Magerrasen und Saum mit heimischen Wildkräutern mehr trockener, basenreicher Standorte)
  6.  "Heide" (bodensaurer Saum und Magerrasen - heimische Wildkräuter saurer Böden)
  7. saures Heide-"Moor" für Pflanzen saurer, feuchterer Standorte. Im kleinen Rondell wurden junge Bäumchen gepflanzt: Faulbaum, Moorbirke und Ohrweide)
  8. Kalksand-Magerrasen (in bestehende Beton-Formsteinen wurde die Gartenerde entfernt und durch Kalksand aus Unterfranken ersetzt. Mit Samen wurden etliche dazu passende Pflanzen eingebracht, die sich z.T. gut halten.
  9. Dach (Ausbringen flacher Kalksteine und Besiedlung v.a. mit Sukkulenten und Moos)

Die obige Liste der Projekte ist nicht vollständig und genau genommen sind die Einzel-Projekte auch nicht scharf gegeneinander abgrenzbar. Ziel ist für den ganzen Garten eine Entwicklung hin zu mehr Biodiversität bei Pflanzen (und Pilzen) und damit zu mehr Insekten und Kleintieren. Genau genommen gibt es noch mehr Projekte, aber ... eines nach dem Anderen :-) - auf alle Fälle sollen alle Projekte mit einer eigenen kleinen Site vorgestellt werden. Der Anfang ist (s.u.) bereits jetzt gemacht:

Eine der ersten Aktionen in unserem neuen Garten war die Anlage eines kleinen kalkhaltigen Laubwaldstandortes als Morchelstandort. Als Mykologen sind Pilze natürlich besonders interessant, und so versuchten wir von Anfang an (noch wissen wir nicht, ob erfolgreich, es gibt also noch keine Ernten), ein Morchelbeet anzulegen. Dazu entnahmen wir in einem Bereich von ca. 5 m2 die oberste nährstoffreiche Bodenschicht (in die Nahrungszone) und ersetzten sie durch von vertrauenswürdigem Standort (z.B. frische Wegböschungen im Bereich von Wäldern oder Steinbrüchen) entnommenen Boden-Proben, also möglichst ungedüngten, kalkreichen Boden. Vor Ort liegen wir geologisch im Grenzbereich vom Angulatensandstein zum Arietenkalk mit überwiegend mäßig saurem, aber örtlich kalk-angereicherten Oberboden. Dazu kommen natürlich anthropogene Bodeneinschlüsse in einem ab einer wechselnden Tiefe recht steinigen Unterboden. Steine, die dem Boden entnommen wurden, landen bei uns, wenn es Natursteine sind, im System (als Wegpflaster oder Mauer-Bestandteil). Nun ja - beim Anlagen des Morchelbeetes mussten viele Steine entnommen werden - aber mehr dazu auf der Untersite über unsere Morchelzucht (Projekt 1).

Im Laufe der Zeit begannen wir immer mehr Projekte, die sich erweiterten und mittlerweile große Teile des Gartens umfassen, die schon sehr stark in Bezug auf unsere Ziele verändert wurden. In geringerem Maße gilt dies aber auch schon für die anderen Gartenteile.

Wenn Sie Bilder sehen möchte, wie der Garten heute aussieht, dann verfolgen Sie am Besten alle unsere Projekte. Ich füge hier eine Liste mit den aktuellen Links ein:

Morchelbeet

Wiesenbeet

Kalk-Saumbeet

Kalkstein-Mauer

saure Heide

saures Heide-Moor

Kalksand-Magerrasen

Steinhalde auf Dach

"Hecke" (Beitrag noch leer)

Nahrungszone (Beitrag noch leer)

 

Was sollte man tun oder lassen, um einen Naturgarten zu erzielen?

Auf einer eigenen kleinen Untersite haben wir auch einige Gedanken zusammen gefasst, was man im Falle eines dem unseren ähnlichen Garten-Weltbildes tun sollte oder vor allem lassen sollte, wenn man einen Garten übernimmt, weiterführt oder neu beginnt. Lesen Sie dazu bitte hier weiter :-). Wer eigene Vorschläge hat, was dort noch stehen sollte, ist gerne willkommen! (am Besten eine mail an die Website-Betreiber).

https://www.pilzkunde.de/index.php/miscellanea-fachfremdes/garten-als-lebensraum/naturgarten-richtig-und-falsch