Ostwürttemberg - Schwäbischer Wald und Ostalb

Die Gegend um Schwäbisch Gmünd (und somit Ruppertshofen) umfasst ganz verschiedene unterschiedliche Naturräume mit verschiedenen klimatischen und vegetationsökologischen Bedingungen. Nördlich gelegen finden sich niederschlagsreiche Hügelländer (mit Hochflächen um die 500 m NN, die höchsten Erhebungen um die 560 m NN), die von Natur aus Buchen-Tannenwälder tragen. Diese stehen auf ganz verschiedenem geologischem Untergrund, da sich Keuperböden (mit sauren und basenreichen Anteilen) und Böden des Schwarzen Jura (Lias - ebenfalls gemischt-acide) auf engem Raum abwechseln. Dies ist für Pilzkurse von großem Vorteil, wenn Säure- und Basenzeiger auf der gleichen Exkursion gezeigt werden können. Die Buchen-Tannenwälder sind allerdings an etlichen Stellen durch Fichtenforste ersetzt oder zumindest stark von Fichten durchdrungen. An "Nebenbaumarten" findet man an den Bachläufen vor allem Schwarzerlen, ansonsten Eschen und Bergahorn. Die Wälder des Schwäbisch-Fränkischen Waldes (die Grenze zum fränkischen Sprachraum ist allerdings ein Stück weit nördlich von Schwäbisch Gmünd gelegen) erinnern so eher an die des Schwarzwaldes, auch in ihrer Pilzflora.

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Ohrförmiger Seitling (Pleurocybella porrigens)

der typische "Schwarzwaldpilz" wächst auch im Schwäbischen Wald, wenn auch recht selten. Neuerdings gilt die Art als giftverdächtig - in Japan hat sie bei Nieren-Vorgeschädigten in einer Klinik (und nur dort) Todesfälle verursacht.

Ohrförmiger Seitling - eigentlich essbar,

aber lebensgefährlich für Nierenkranke. Im Welzheimer Wald selten, aber in manchen jahren örtlich massenhaft an Nadelholzstümpfen

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Lachsreizker (Lactarius salmonicolor) - nur bei Tanne (Abies alba - Mykorrhizapilz)

guter Speisepilz, besonders in der Pfanne angebraten. Reizker sind Anfänger-Speisepilze, mit ihrer orangeroten Milch sind sie unverkennbar.

"Steinreizker" - vom Schlauchpilz Hypomyces lateritius

befallener Lachsreizker: essbar, in Spanien kulinarische Spezialität - aber auch gesund?

Für das Gebiet (und das des Schurwaldes) wurde deshalb auch der Begriff paenemontan (zwischen montan und submontan) verwendet, um auf die eigentlich montanen Verhältnisse (normalerweise in etwa ab 800 m NN) bei zu niedrigen Meereshöhen hinzuweisen.

Typisch für das Gebiet sind auch Bäche, die ihr Bett teilweise tief ins Gelände eingegraben haben. Man spricht in diesen Fällen lokal von sogenannten Bach-"Klingen". Gerade dort findet man auch beeindruckende Fels-Formationen, vor allem im Bereich des Stubensandstein.

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Schlucht des "Seebach" am "Bergsee" bei Gschwend (Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd) "Hägelesklinge" bei Cronhütte im Schwäbisch-Fränkischen Wald (Einzugsgebiet von Stuttgart aus)
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Klinge am Edenbach bei Breitenfürst (n. Schorndorf, Welzheim)  Edenbachtal bei Breitenfürst im Welzheimer Wald (Schwäbischer Wald ö. Stuttgart)

Schwäbisch Gmünd liegt an der Rems, die nach Westen fließt und das Gebiet mit wärmeren Gefilden verbindet. Das (allerdings großenteils wald-befreite) Remstal und seine Hänge sind deshalb geeignet, um wärmeliebende Elemente zu finden und zu zeigen.

Südlich von Schwäbisch Gmünd liegt der östliche Teil der Schwäbischen Alb. Hier finden sich vor allem am Trauf teilweise naturnahe Buchenwälder auf Malmkalk-Böden, vorgelagert auch örtlich solche auf Dogger. Abgesehen von der Steilheit vieler Standorte gibt es hier interessante Exkursionsgebiete. Wo die Zeit stehen blieb, finden wir auch noch örtlich Wacholderheiden mit wertvoller Vegetation und Pilzflora. Auf der Alb-Hochfläche stehen aber vorwiegend Fichtenforste, wo überhaupt die Landwirtschaft noch Freiraum offen gelassen hat.

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Bernhardus (Schwäbische Alb sö. Schwäbisch Gmünd), Blick nach Süden Bernhardus: Südhang

Schon mein Vater, G.J. Krieglsteiner, hat sich mit Pilzen in etwa dieser Region beschäftigt, als er zunächst sein Büchlein "Pilze des Welzheimer Waldes und der Ostalb" und später "Makromyzeten der Tannenmischwälder" publizierte. Die AMO (Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ostwürttemberg), die 1973 mit mir als damals 8-jährigem Gründungsmitglied gegründet wurde und die u.a. durch die Publikationsreihe "Beiträge zur Kenntnis der Pilze Mitteleuropas" bekannt wurde, erweiterte ihren Kreis bis nahe an Stuttgart und bis an die bayerische Grenze. Pilzschule Schwäbischer Wald wird sich großenteils an die alte Umgrenzung halten, da lange Anfahrtswege zu den Exkursionszielen nur im Ausnahmefall für sinnvoll und meist auch nicht für nötig befunden werden. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber z.B. der Pilzschule in Hornberg, wo man weit fahren muss, um den dominierend sauren Böden zu entfliehen.

 

Pilzschule Schwäbischer Wald führt regelmäßig Pilzkurse, Pilzseminare und Pilzführungen für Anfänger und Fortgeschrittene durch, dazu Pilzausstellungen mit Pilzberatung (Leitung: Pilzexperte Dr. Lothar Krieglsteiner)

 

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