Pilz des Monats April 2025 – Sternsporiger Trichterling (neuerdings auch Starkgeriefter Sternsporling: Omphaliaster asterosporus)
Als Kursleiter steckt man häufiger in einem Dilemma. Einerseits ist das Kurse geben anstrengend und das Zufriedenstellen der TeilnehmerInnen hat die allerhöchste Priorität. Andererseits gibt es bei Seminaren immer wieder Funde, die mich selbst interessieren und die ich dann am Liebsten gleich vor Ort dokumentieren und natürlich mitnehmen und analysieren möchte. Und so kommt die Situation häufiger vor, dass man sich knapp entscheidet – für oder gegen eine Mitnahme. Den einzelnen auf den ersten Blick banal aussehenden Fruchtkörper eines mutmaßlichen Trichterlings, den Kursteilnehmer Robin Halba beim letztjährigen Mooskurs am Ende der Wiederholung der wichtigsten Moose im Gelände noch vorzeigte, hätte ich im August oder Oktober mit Sicherheit wenig geachtet. Im März aber – nun ja, es gibt ja auch noch den Winter-Rußnabeling (Gamundia striatula), der durchaus ähnlich aussieht und den ich im Schwäbischen Wald schon wiederholt gefunden habe. Wie auch immer – ich entschied mich zwar gegen ein Fake-Standortfoto im Wald, aber für die Mitnahme des Pilzchens zur Untersuchung unter dem Mikroskop.
Dies lohnte sich – denn unter dem Mikroskop war sehr schnell klar, was Robin gefunden hatte: meine erste Sichtung des Sternsporigen Trichterlings im Schwäbischen Wald. Zuvor kannte ich den Pilz nur von 2 eigenen Funden – einen aus dem Nationalpark Eifel und einen im Biosphärenreservat Rhön, und wusste auch um seine typische Ökologie als einen Pilz nährstoffarmer, saurer Standorte, und der neue Fundort passt hierzu durchaus, auch wenn ich den genauen Wuchsort nicht selbst gesehen habe. Das betreffende Waldstück ist jedenfalls ein für heutige Verhältnisse noch schön nährstoffarmer Nadelmischwald (Fichte, Tanne und Kiefer) über Stubensandstein, mit reichlichem Wuchs von Heidel- und örtlich sogar Preiselbeeren, Peitschen- und Torfmoosen.
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Sternsporiger Trichterling (auch Starkgeriefter Sternsporling - Omphaliaster asterosporus) am 23.03.2024 ö. Bruckenhaus nö. Gschwend-Mittelbronn (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), MTB 7024/4, ca. 480 m NN, GPS: ca. N48° 55' 41,25'' E 49' 17,08'' (kein Standortfoto), in nährstoffarmem, saurem Nadelmischwald (Fichte, Tanne, Kiefer), leg. Robin Halba bei Mooskurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner - beachten Sie u.a. die durchscheinend gerieften, stark hygrophanen Hüte und natürlich die attraktiv lang-noppigen, "sternartigen" Sporen (in Kongorot/NH3 präpariert). |
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Sternsporiger Trichterling (auch Starkgeriefter Sternsporling - Omphaliaster asterosporus) am 08.11.2013 im unteren "Mühlenbachtal" s. Erkensruhr (Nationalpark Eifel, Nordrhein-Westfalen), 460 m NN, MTB 5404.3, GPS: N50°32'31.43'' E6°21'37.21'' (ca. - Fotos ohne GPS-Daten), zwischen Grünstängelmoos (Scleropodium purum) in der Streu von saurem Fichtenforst, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner |
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Sternsporiger Trichterling (auch Starkgeriefter Sternsporling - Omphaliaster asterosporus) am 15.12.2020 im NSG "Schafstein" w. Ehrenberg (Hessen, Biosphärenreservat Rhön), 761 m NN, MTB 5425/4, GPS: N50° 30' 13,13'' E9° 58' 19,99'', zwischen Laubmoosen (?Racomitrium lanuginosum) auf Basaltblock in nordexponierter, saurer und nährstoffarmer Blockhalde, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie den Schnee im Foto; die Pilze waren stark durchnässt und eigentlich begrenzt fotogen. Mikroskopisch war die Sache klar. |
O. asterosporus ähnelt habituell in der Tat dem Winter-Rußnabeling, welcher ebenfalls deutlich durchscheinend geriefte, hygrophane, graubraune Hüte mit Trichterlings-Habitus aufweist. Dessen Stiele sind aber in der Regel kürzer, und das ganze Erscheinungsbild glänzender. Es lohnt sich also durchaus, ab und zu auch vermeintlich „undankbare“ Pilze wie solche mit banalem Trichterlings-Habitus mitzunehmen!