Pilz des Monats Oktober 2017 - Dottergelber Kreiselpilz (Stereopsis vitellina

Während unserer Aufträge im Zuge von Biodiversitäts-Forschung, Klimawandel-Forschung und Sukzessions-Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald bleibt uns (Katharina und mir) meist wenig Zeit für das Aufsuchen besonders interessanter Standorte, da das Programm einschließlich Nachuntersuchen vieler mikroskopischer Proben in der Regel ziemlich straff ist. Manchmal schaffen wir es aber "nach Feierabend" noch, solche Kurz-Exkursionen anzuhängen. So am 9. September, als wir uns auf einen Tipp des befreundeten Bayerwälder Mykologen Heinz Holzer hin auf die Suche nach der seltenen Purpurfarbenen Keule (Alloclavaria purpurea) machten. Diese - so Heinz - hatte er wenige Wochen zuvor an einem feuchten Bachufer unweit des "Schwellhäusl" bei Zwieselerwaldhaus gefunden und uns die Stelle genau beschrieben. Aber wie es manchmal so ist - wir fanden den gesuchten seltenen Pilz nicht, dafür aber etwas anderes, kaum weniger Interessantes, was wir Ihnen  hiermit gerne vorstellen.

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Dottergelber Kreiselpilz (Stereopsis vitellina) am 9. September 2017 unweit des "Schwellhäusl" im Nationalpark

Bayerischer Wald - an Bachkante mit Moosen (hier Schwanenhals-Sternmoos Mnium hornum), leg., det., Katharina &

Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner

Beim Finden kam mir die zündende Bestimmungs-Idee noch nicht, erst später am Mikroskop wurde mir klar, dass der gefundene Pilz ein Ständerpilz ist. Beim Finden hatte ich noch gerätselt und war mir unsicher, ob es sich vielleicht um die ebenfalls sehr seltene, im Bayerischen Wald aber schon nachgewiesene Dottergelbe Schlauchkeule (Neolecta vitellina) handeln könnte - diese schied aber dann schon beim flüchtigen Betrachten von Vergleichsbildern aus. Nun - immerhin der Artname sollte schon stimmen, wie sich dann beim weiteren Literaturvergleich heraus stellen sollte.

Beim Fund am Schwellhäusl waren mehrere m2 von den dicht wachsenden Pilzen überzogen und leuchteten am Bachufer gelb heraus. Sie standen meist, aber nicht immer, zwischen dichtem Bewuchs aus Moosen, vor allem von Gemeinem Beckenmoos (Pellia epiphylla - ein thallöses Lebermoos) und Schwanenhals-Sternmoos (Mnium hornum), aber auch auf nacktem Humusboden.

Der Dottergelbe Kreiselpilz (man findet auch die Bezeichnung Dottergelber Blätterpilz, was ich höchst unglücklich finde) scheint zumindest in Deutschland sehr selten zu sein. Auf der Website "pilze-deutschland" findet man nur einen einzigen Fundpunkt im Norden Bayerns - zumindest für den Nationalpark Bayerischen Wald scheint ein Erstnachweis vorzuliegen. Für uns persönlich auch ...

P.S. An dieser Stelle danke ich herzlich dem Nationalpark Bayerischen Wald - vor allem in Person von Herrn Dr. Claus Bässler - für die auch über die reine Auftragsarbeit hin gültige Erlaubnis zum Befahren von Waldwegen und das Betreten auch geschützter Gebiete im Nationalpark, einschließlich Sammel-Erlaubnis!

 

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