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Pilz des Monats November 2020: Goldstieliger Schuppenwulstling (Squamanita paradoxa)

Diesen Pilz habe ich in meinem Leben zweimal gesehen – und nur einmal war ich am Fundort dabei. Das erste Mal war ein mitgebrachter Pilz, der einmal bei einem AMO-Treffen (AMO: die längst nicht mehr existierende Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ostwürttemberg, die Arbeitsgruppe unter Leitung meines verstorbenen Vaters German J. Krieglsteiner) auf dem Tisch lag – er stammte wohl von der Schwäbischen Alb und ist vermutlich in der Baden-Württemberg-Flora meines Vaters zitiert. Am Standort sah ich den Pilz auch einmal – im Jahr 2004 auf einer gemeinsamen Exkursion mit dem hessischen Pilzfreund Wolfgang Schössler, der auch für die Fotos sorgte – Dias damals, die ich in der Zwischenzeit eingescannt und nun für den Beitrag hier noch einmal etwas bearbeitet habe.

Squamanita sind spannende Pilze, mit lauter seltenen Arten – Parasiten auf anderen Pilzen mit der Eigenschaft, sich auf die Stielbasen der Wirtspilze (die erhalten bleiben) sozusagen „draufzusetzen“. Neben S. paradoxa habe ich auch einmal in meinem Leben S. contortipes gefunden, einen Parasiten auf Häublingen. Nun: S. paradoxa wiederum schmarotzt auf dem Amianth-Körnchenschirmling (Cystoderma amianthinum), einem Pilz, den man gerade in bodensauren Magerwiesen (und natürlich auch in Wäldern) häufig findet, und bei fast jedem Fund gerade im Grasland schalte ich meinen Scanner an, ob nicht auch Squamanita wieder einmal auftaucht; bisher vergeblich. Mit dem Beitrag heute möchte ich auf den seltenen Pilz hinweisen.

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Goldstiel-Schuppenwulstling (Squamanita paradoxa) am 5.10.2004, Deutschland, Hessen, nw. Wetzlar, NSG Wacholderheide nö. Niederlemp, zusammen mit reichlich Amianth-Körnchenschirmling (Cystoderma amianthinum), leg., det. Wolfgang Schössler & Lothar Krieglsteiner, Fotos Wolfgang Schössler (Dia-Scans Lothar Krieglsteiner). Man vergleiche die Stielbasis mit dem Folge-Foto des Körnchenschirmlings.
 
 Amianth-Körnchenschirmling (Cystoderma amianthinum) am 29.10.2011, Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Nationalpark Eifel, Dreiborner Hochfläche, reichlich in saurer Magerwiese, leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Man beachte den körnig-bepuderten Stiel mit Struktur und Färbung wie bei Squamanita paradoxa sowie den nach Verschwinden der Bedeckung deutlich runzeligen Hut.

 

Die verwandtschaftliche Stellung sowohl von Squamanita als auch von Cystoderma ist derzeit noch unklar, möglicherweise sind beide Gattungen sogar recht nahe miteinander verwandt.

Wer sich über den deutschen Namen Schuppenwulstling wundert (was ich gut verstehe), dem sei erklärt, dass die erste bekannte Art der Gattung, Squamanita schreieri, ein recht großer Pilz ist, ein Parasit auf dem Fransenwulstling (Amanita strobiliformis) und dass das parasitische Verhältnis damals noch nicht erkannt wurde. Die knollige Stielbasis erbrachte dann den deutschen Gattungsnamen, der sich erstaunlicher Weise bis heute gehalten hat.

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