Pilz des Monats Mai 2018 - Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens)

Heute möchte ich einen wunderschönen Frühlingspilz vorstellen, der aufgrund seiner jung grünlichen Außenseite sowie den leuchtend orangegelben Gesamt-Farben in Anbetracht seiner Größe (ca. 1-5 cm) und seines Wachstums im späten Winter bis ins Frühjahr hinein eigentlich unverwechselbar ist. Obwohl heute einiges mehr bekannt ist als früher, gibt dieser Pilz immer noch Rätsel auf. So zum Beispiel, warum er einerseits fast ausschließlich in der Streu unter Tannen (Abies alba) gefunden wird, zum anderen aber dann doch immer wieder auch vollkommen standort-untypisch z.B. im reinen Buchenwald oder unter Kiefer und Fichte (so wird zumindest immer wieder glaubhaft berichtet). Ich selbst sah die Art bisher nur in Tannen-Streu, so in den französischen Alpen, im Dinarischen Gebirge Kroatiens, im Südschwarzwald, im Allgäu sowie etliche Male im Schwäbisch-Fränkischen Wald (Welzheimer Wald). Hinzu kommt eine besonders ergiebige Stelle in einem gepflanzten Tannenwald unweit von Würzburg (bei Gerchsheim), wo ich die Art jetzt erst wieder (am 30.4.18) zusammen mit dem Entdecker der Stelle, dem Würzburger Pilzexperten Rudi Markones, in großen Mengen, wenn auch überwiegend schon ältere Fruchtkörper, antreffen konnte. Ein anderes Rätsel ist die Tatsache, dass der Pilz in manchen Zeiten (und momentan sind wir in einer solchen) jedes Jahr regelmäßig an seinen Fundorten fruktifiziert, aber auch jahrzehntelang in ganzen Regionen ausbleiben kann – so z.B. etwa zwischen 1970 und 2006 im Schwäbisch-Fränkischen Wald – ich selbst sah die Art „bei uns“ zum ersten Mal am im April 2006 und konnte mein Glück kaum fassen, die seltene Art in Händen zu halten. In den Jahren danach gelangen mir allerdings immer wieder Funde.

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Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens) - ältere Aufsammlung am 1.6.2013 im Nationalpark Plitvicer Seen (Kroatien) - in montanem Nadelmischwald unter Tanne (Abies alba), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Die grüne Außenseite ist nur noch schwach erkennbar.
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Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens) im "Hölltal" bei Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg ö. Stuttgart) in Nadelmischwald, in der Streu unter Weißtanne (Abies alba) im April 2006. Dies war mein erster Fund der auffälligen Art im Schwäbisch-Fränkischen Wald, obwohl ich dort schon seit ca. 1970 regelmäßig Pilze suche (leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - Dia-Scan).
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Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens) im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Täferrot (unweit Ruppertshofen, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg) am 17.4.2016, in Nadelmischforst, in der Streu von Weißtanne (Abies alba). Die grüne Farbe der Außenseite ist durch die Regenfälle ausgewaschen worden und hat sich im Becher-Inneren im Wasser gelöst. Leg., det. Katharina und Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
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Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens) in der Streu in Tannen-Forst (Abies alba) unweit Gerchsheim (nahe Würzburg, aber Baden-Württemberg), am 30.4.2018. Fundstelle schon seit Jahren bekannt durch Rudi Markones. Der jüngste von Hunderten von Fruchtkörpern im Foto - eingedeckt in Fichtenpollen. Leg., det. Rudi Markones & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner.

Was nicht allgemein bekannt ist: der Leuchtende Prachtbecherling hat eine Nebenfruchtform (Anamorphe) namens Geniculodendron pyriforme, ein unscheinbarer „Schimmelpilz“ in der Bodenstreu. Dieser ist offenbar sehr häufig und ist ein Forstschädling, weil er Fichten- (und Tannen?) -samen an der Keimung hindert. Nur unter besonderen Bedingungen „macht der Pilz Sex“ – bildet also Becherlings-Fruchtkörper. Welche Bedingungen dies sind und warum man ihn kaum je unter Fichten, fast stets aber unter Tannen findet – dies bleibt auch für mich weiterhin rätselhaft.

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