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Pilz des Monats April 2020 – Kronenrost (Puccinia coronata)

Die Anregung, den Pilz des Monats April 2020 in Anlehnung an die Coronavirus-Pandemie zu wählen, bekam ich bei wohl der letzten Tagesführung, die ich vor der (vorübergehenden …) Stillegung unserer Pilzschule machen konnte, am Samstag, den 14. März bei Backnang. Kursteilnehmer und Freund Rolf Fuhrmann brachte mir als Begrüßungsgeschenk eine Flasche Corona-Bier mit, was mich zum Lachen, aber auch zum Nachdenken brachte. Wie ich auch erfuhr, hat die Firma Corona (mexikanische Biermarke) durch den Virus massive Einnahme-Verluste – die Leute fühlen sich durch den Marken-Namen an den Virus erinnert.

Corona Bier SARS Virus Pandemie Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzfuehrung Backnang Medium
Corona-Bier (Geschenk von Kurs-Teilnehmer Rolf Fuhrmann). Frage: Schmeckt dieses Bier nun schlechter als vor der "Corona-Krise"? Man müsste es meinen, denn die Absatz-Zahlen sind stark gesunken, mehr als bei jedem anderen Bier ....

 Dabei heißt Corona nichts anderes als Krone (auf Lateinisch und wenig verwunderlich auch auf Spanisch). Beim Virus bezieht sich der Name auf die oberflächlichen, an eine Krone erinnernden (?) Ausstülpungen der Virus-Hülle. Nun hatte ich also zu wählen zwischen dem Kronenbecherling (Sarcosphaera coronaria), dem Gekrönten Stängel-Becherling (Cyathicula coronata) und einem Rostpilz – und da ich es eher „exotisch“ mag, habe ich mich für das Letztere entschieden, obwohl 2020 von Pilzschule Schwäbischer Wald gar kein Kurs Parasitische Pilze geplant ist. Wobei momentan eher die Frage ist, ob 2020 überhaupt noch irgendwelche Kurse statt finden werden. Über Sinn oder Unsinn solch einschneidender Maßnahmen wie des Verbotes sämtlicher privater Bildungseinrichtungen möchte ich hier – schon gerade, weil wir betroffen sind – kein Statement abhalten, aber natürlich schon kurz darauf hinweisen, dass diese Situation, vor allem, wenn sie sich (wie wohl zu befürchten ist) noch das ganze Jahr hinziehen wird, nicht unbedingt ein Grund zur Freude für uns ist.  

Nun – zum Pilz des Monats: wie viele andere Rostpilze (O. Pucciniales, Kl. Pucciniomycetes, Abt. Ständerpilze: Basidiomycota), zumindest die sogenannten „Heter-Eu-Formen“, haben sie einen komplizierten Entwicklungsgang mit Generationswechsel und Wirtswechsel, unter Ausbildung von insgesamt nicht weniger als 5 verschiedenen Sporenformen. Die haploiden (saprobiontisch an faulem Pflanzenmaterial gebildeten, sehr unauffälligen und deshalb sehr selten von Pilzkundlern aufgesammelten) Basidiosporen infizieren Wirt A, den sogenannten Haplonten-Wirt (haploid: einfacher Chromosomensatz, also unseren Ei- und Samenzellen entsprechend), im Falle „unseres“ Kronenrostes den Faulbaum (Rhamnus frangula) oder auch andere Kreuzdorn-Arten. Hier werden auf der Blattoberseite zunächst die Pyknidien oder Spermogonien gebildet, deren (haploide, in + und – getrennte) Spermatien auf die jeweils dem anderen Typ zugehörigen Spermogonien (Empfängnis-Hyphen) übertragen werden, was zur Befruchtung der blattunterseits gebildeten Aecidien-Analgen (Sporenform II, noch auf dem Haplontenwirt, aber schon dikaryotisch) führt. Die Aecidien (auch Aecien) sehen bei Reife bei vielen Rostpilzen becherlings-ähnlich aus, mit oranger Scheibe (meist mit Carotinoiden) und weißlichem Rand (letzteres dann, wenn eine sogenannte „Pseudoperidie“ ausgebildet wird, wie bei den vielen Arten der Groß-Gattungen Puccinia und Uromyces). Die hübschen „Aecidien-Becherlinge“ könnte man schon gut als „gekrönt“ assoziieren – diese schönen Gebilde sind aber nicht mit dieser Bezeichnung gemeint – warten Sie ab – denn die meisten Rostpilze sehen wie gesagt in diesem Stadium so aus.

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Kronen-Rost (Puccinia coronata), Spermogonien auf der Blatt-Oberseite (M) und Aecidien auf der Blatt-Unterseite (l.) - fotographiert am 3.6.2018, "Spitzhalde" bei Tanau (Durlangen, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Faulbaum (Rhamnus frangula), leg., det. Foto Lothar Krieglsteiner
 Puccinia coronata Kronenrost Aecien Aecidien Haplont Faulbaum Frangula Frucht Corona Virus Schwaebisch Fraenkischer Wald Hafental Schwaebisch Gmuiend Medium
 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an unreifer Frucht von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 13.6.2014 im "Hafental" (bei Hintersteinenberg, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
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 Puccinia coronata Kronenrost Aecien Corona Virus Pandemie Becherling Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzkurs Pilzexkursion Pilze lernen Medium
 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Blatt-Unterseiten von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 13.6.2014 im "Hafental" (bei Hintersteinenberg, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Puccinia coronata Kronenrost Hessen Frankfurt Moenchbruch Faulbaum Frangula alnus Corona Krone Seminar parasitische Pilze Pilzschule Krieglsteiner Medium
 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Blatt-Unterseiten von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 3.5.2013, "Mönchbruch" (b. Mörfelden-Walldorf, sw. Frankfurt, Hessen), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Puccinia coronata Kronenrost Norwegen Telemark Faulbaum Frangula alnus Krieglsteiner parasitische Pilze Seminarprogramm Ausbildung DGfM Medium
 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 2.7.2015 in Norwegen (Telemark), leg,, det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
 Puccinia coronata Aecien vorreif Oesterreich Lechtaler Alpen Faulbaum Frangula Pilzschule Schwaebischer Wald Krieglsteiner Schoenheit parasitische Pilze Medium
 Kronen-Rost (Puccinia coronata), noch geschlossene Aecidien an Blatt-Unterseite von Faulbaum (Rhamnus frangula) am 24.5.2015 in den Lechtaler Alpen unweit Reute (Tirol, Österreich), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 Die dikaryotischen Aecidiosporen können nun Wirt B infizieren, den Dikaryomyzeten-Wirt – in unserem Falle Süßgräser unterschiedlicher Gattungen und Arten. Der weitaus bekanntere Getreide-Rost (Puccinia graminis) mit seinem Haplonten-Wirt Berberitze (der eine eigene Geschichte bereit hält) ist nicht der einzige Rostpilz, der Gräser befällt. Auf dem Dikaryomyzeten-Wirt werden zunächst (bei Eu-Formen, s.o.) die Uredolager mit den Uredosporen gebildet, auch Sommersporen genannt, die zunächst für eine ungeschlechtliche Massenvermehrung der Pilze sorgen, bevor meist später im Jahr (wieder so bei Eu-Formen) die Teleutosporen-Lager (auch Telien) gebildet werden, die – wiederum ungeschlechtlich – die Teleuto-Sporen bilden.

Puccinia coronata Kronenrost Teleutolager Telien Rostpilz Brandpilz parasitische Pilze Rasenschmiele Deschampsia caespitosa Krieglsteiner Medium
Kronen-Rost (Puccinia coronata), ältere Uredo-Lager (eher links, braun) und Teleuto-Lager (schwarz) am 28.9.2018 bei Rotenhar (Gschwend, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Spross der Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa, F. Poaceae, Süßgräser), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Hier finden Sie die Krönchen, aber erst unter dem Mikroskop (s.u.).

Diese überwintern mit dem absterbenden Pflanzenteil und entwickeln sich dort zu Ständern (Basidien) weiter, wodurch sich der Kreis schließt (s.o.). Eu-Formen sind nun solche Rostpilze, die alle 5 Sporenformen ausbilden (Spermatien, Aecidiosporen, Uredosporen, Teleutosporen und Basidiosporen) – Heter-Eu-Formen solche, die dies wie beschrieben auf 2 verschiedenen Wirten tun. Daneben gibt es auch verschiedene „Rückbildungsformen“, die z.B. die Aecidiosporen, oder auch alles bis auf Teleutosporen und Basidiosporen weglassen und für die es andere, hier nicht erläuterte Bezeichnungen gibt, während Aut-Formen alle (gebildeten) Stadien ohne Wirtswechsel auf nur einem Wirt vollenden.  

Doch zurück zur „Krönung“ des Kronenrostes Puccinia coronata. Diese findet auf den Teleutosporen statt, denn der wichtigste Unterschied z.B. zum Getreide-Rost ist die Ausbildung von Auswüchsen der Sporenwand an der Spitze, von kleinen Hörnchen oder eben einem kleinen Krönchen auf der Teleutospore.

Puccinia coronata Kronenrost Teliosporen Teleutosporen Schwaebisch Gmuend Baden Wuerttemberg Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald Medium
Puccinia coronata Kronenrost Teliosporen zweizellig gekroent Corona Virus Pandemie Baden Wuerttemberg Pilze lernen Feldmykologe Krieglsteiner Medium
Kronenrost (Puccinia coronata) - Teleutosporen unter dem Mikroskop, am 28.9.2018 bei Rotenhar (Gschwend, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Spross der Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa, F. Poaceae, Süßgräser), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Hier finden Sie die Krönchen, aber erst unter dem Mikroskop (s.u.). Zweizellige Teleutosporen machen eine Puccinia aus - das Wachstum auf Gräsern in Kombination mit den Hörnchen auf der Spore macht den Kronen-Rost :-)

Sie sehen, die parasitischen Pilze geben dem Naturfreund durchaus auch einiges an Staunenswertem, und es ist ein zu kurzer Blick, sie als reine Schädlinge zu sehen. Die Krönung der Schöpfung sind nicht wir als Mensch, sondern unsere Mit-Geschöpfe, die zu bewundern und zu bestaunen zum Schönsten und Befriedigendsten gehört, was man als Mensch in dieser Inkarnation auf diesem Planeten tun kann. Und mit diesen Mit-Geschöpfen, auch mit den Parasiten (z.B. an unserem Getreide, wie dem Kronen-Rost), und letztlich auch mit Krankheits-Erregern an uns selbst (also z.B. dem Corona-Virus, womit sich auch dieser Kreis schließt) müssen wir in Frieden und Demut zusammen leben. Und sicher – viele Menschen müssen nun am Corona-Virus sterben, aber das tun sie auch an anderen Krankheiten (über die Zahl der Corona-Opfer und die Zahl der Toten aufgrund anderer Faktoren ließe sich eine andere Geschichte aufmachen – ich denke z.B. an Krankenhaus-Keime mit vergleichsweise selten kommentierten knapp 20.000 Toten pro Jahr), und gäbe es keine Krankheiten, müssten wir trotzdem sterben, denn ohne auch unser eigenes Sterben gibt es auch kein Leben. Ewiges (im Sinne eines eine unendlich lange Zeitspanne andauernden) Leben ist für uns nicht vorgesehen – und wenn wir ehrlich sind: das ist auch gut so.

 

Kommen Sie gut über die Corona-Zeit. Ich hoffe, ich muss nicht noch viele „Pilze des Monats“ schreiben, ohne Euch alle gesund und munter bei Kursen wieder zu sehen.  


Pilz des Monats März 2020 - Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius)

Es ist immer wieder eine Freude, wenn Kurs-Teilnehmer aus anderen Regionen Deutschlands zu uns zu Kursen in den Schwäbischen Wald kommen, und wir ihnen Pilze zeigen können, die bei uns relativ häufig, in anderen Regionen Deutschlands aber (sehr) selten sind. Beispiele sind der Faser-Tigerritterling (Tricholoma filamentosum), der Dottergelbe Schönkopf (Calocybe chrysenteron) der Gestreifte Holz-Nabeling (Gerronema strombodes), der Gestreifte Holz-Trichterling (Clitocybula lacerata) oder der Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis), um nur einige wenige zu nennen. Die letzteren beiden weisen schon darauf hin, worauf es bei etlichen dieser Arten ankommt - auf natürliche Vorkommen der Weißtanne (Abies alba). Viele dieser Pilze werden auch "Schwarzwaldpilze" genannt, weil sie eben auch in diesem Mittelgebirge anzutreffen sind. Und so ist es kein Wunder, dass neben Holz-Bewohnern auch Mykorrhiza-Pilze dieser Art "bei uns" vorkommen, während sie außerhalb des Tannen-Areals fehlen. Dies trifft auch für den Weinroten Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) zu, unseren heutigen Pilz des Monats. Problem nur: die Art gilt gemeinhin gar nicht als Mykorrhizapilz (hauptsächlich) der Tanne. So werden z.B. im Band 3 von "Die Großpilze Baden-Württembergs" (wo im Übrigen keine Abbildung gegeben wird!) 4 Funde bei Tanne und 31 bei Fichte genannt. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Art schon oft fand, und noch nie ohne eine Tanne, aber durchaus schon öfter ohne eine Fichte in der Nähe (s.u. bei Funddaten. Schaut man sich das Verbreitungsbild der Art an, zeichnet es sehr schön das Verbreitungsmuster der Tanne nach, und somit ist es auch kein Wunder, dass die Art in Nordeuropa (wo keine Tannen wachsen) fehlt.

Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpur Schneckling Oesterreich Kaernten Tanne Fichte erubescens russula
Hygrophorus capreolarius Lamellen weinroter Purpurschneckling fleckend Oesterreich Kaernten Turia Wald Pilzkurs Pilzseminar
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) - 2 Fotos am 23.10.2015, leg., det. Matthaeus Koncilja & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner - Österreich, Kärnten, Sattnitz, "Turia-Wald", in Nadelmischwald (Fichte und Tanne) über Kalk. Beachten Sie die schon jung purpurroten Lamellen, die nur "nachflecken".
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpur Schneckling Schweiz St Gallen Pilzkurs Pilzfuehrung Tanne Gebirge
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) am 21.10.2016, leg. Pilzkurs St. Gallen, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Schweiz, Alpenvorland sö. St. Gallen, "Hirschberg" bei Gais, in montanem Nadelmischwald bei Tannen (und Fichte) über Kalk. Der Sauerklee ist über Kalk als Aushagerungs-Zeiger zu werten, er steht für neutrale Böden.
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Schweiz Alpenvorland Zuericher See Nadelwald Pilzseminare Krieglsteiner
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) am 17.10.2016, leg., Pilzkurs, det., Foto Lothar Krieglsteiner, Nord-Schweiz unweit Siebnen, montaner Nadelmischwald mit Tanne (und Fichte)
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Tanau Durlangen Ostalbkreis Tanne Rote Liste gefaehrdet
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Hut schuppig trocken Schwaebisch Fraenkischer Wald Tanau Durlangen Pilzschule
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) - 2 Fotos bei Tanau ("Spitzhalde", Schwäbisch-Fränkischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg ö. Stuttgart), oberes Foto am 3.10.2010, unteres Foto mit abgetrocknetem und dann fein schuppigem Hut am 22.10.2013, beide leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Schnecklingskurs Feldmykologe Gschwend Schwaebisch Gmuend Baden Wuerttemberg Stuttgart
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Schwaebisch Fraenkischer Wald Mittelgebirge Gschwend Rotenhar Pilzschule Krieglsteiner
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Schwaebisch Gmuend Rotenhar Buchen Tannenwald paenemontan Pilzseminar Krieglsteiner PSV DGfM
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) - 3 Fotos nördlich von Gschwend-Rotenhar (Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, Baden-Württemberg ö. Stuttgart), in paenemontanem Nadelmischwald mit Tanne (und Fichte) an verschiedenen Stellen, 1. Foto am 13.10.2010, 2. Foto am 15.10.2017, 3. Foto am 9.11.2019, alle leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Schwaebische Alb Gmuend Ostalbkreis Stuttgart Baden Wuerttemberg Krieglsteiner
 Hygrophorus capreolarius Weinroter Purpurschneckling Albvorland Ostwuerttemberg Buchenwald Dogger Tanne Abies alba Mykorrhiza
 Weinroter Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) am 18.9.2014, leg. Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner, Vorland zur Schwäbischen Alb sö. Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Gmünd-Weiler in den Bergen, "Költ", mesophiler Buchenwald über Dogger, unter eingestreuten Weißtannen (Abies alba), kene Fichte weit und breit

 

Der Weinrote Purpur-Schneckling (Hygrophorus capreolarius) ist eigentlich leicht zu kennen. Als einzige Art der Purpur-Schnecklinge hat er schon jung purpurfarbene Lamellen. Die weiteren Arten haben jung mehr oder weniger weiße Lamellen und sind viel mehr rosa gefärbt. Sie neigen zum Gilben und wachsen bei Fichten (Rasiger Purpur-Schneckling H. erubescens mit seinen Varianten persicolor und fragicolor) oder gilben nicht und wachsen bei Eiche (Geflecktblättriger P. H. russula), der sehr seltene (mir unbekannte) Beschleierte Purpur-Schneckling (H. purpurascens) hat ein (wenn auch flüchtiges) ringartiges Velum.

Eine spannende Frage ist, ob H. capreolarius essbar ist. Nun - in Hygrophorus sind meines Wissens bisher keine akuten Giftpilze bekannt, auch wenn mögicherweise Inhaltsstoffe mancher Arten (z.B. der Elfenbein-Schnecklinge) als "ungesund" zu werten sind. Während H. erubescens (jedenfalls seine typischen Varianten) bitter schmeckt, schmeckt H. capreolarius wie H. russula mild. Und gerade die letztere Art wird z.B. in Italien mit Genuss verspeist, wie wir auch in LIgurien schon mit-erleben durften. Ob auch H. capreolarius gut schmeckt, wäre sicher interessant zu probieren. Man könnte einwenden, dass der Weinrote Purpur-Schneckling in der Roten Liste Deutschlands als "stark gefährdet" (2) klassifiziert wird. Dass gerade Mykorrhizapilze in den meisten Fällen nicht durch Sammeltätigkeit (die hier nie statt fand) zurück gegangen sind, ist eine andere Tatsache.

 

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Pilz des Monats Februar 2020 – Rauhaarige Blasentrüffel (Genea hispidula)

Es ist immer wieder ein großes Vergnügen, bei der Trüffel-Suche mit Hund dabei zu sein und zuzusehen, wie ein wirklich gut eingespieltes Team aus Hundeführer(in) und Hund(Hündin) arbeitet. Und ein Privileg ist es umso mehr, die „Beute“ dieser Bemühungen für eigene mikroskopische Untersuchungen mitnehmen zu dürfen. Dieses Vergnügen hatte ich schon mit etlichen Teams zu ganz verschiedenen Anlässen (meist Trüffel-Kursen) – eines der Besten, wenn nicht das Beste, das ich bisher erlebte, ist Sabine Hörnicke zusammen mit Hündin Milly, mit der ich (z.B.) im November 2019 im Nationalpark Eifel zusammen arbeiten durfte, und wo wir in wenigen Stunden etwa 15 verschiedene Trüffel-Arten im weitesten Sinne finden konnten (die genaue Zahl ist noch unklar, da besonders in den Gattungen Genea = Blasentrüffel und Hymenogaster = Erdnuss, aber auch in anderen Gattungen, Bestimmungen oft schwierig oder gar aufgrund fehlender moderner Literatur unmöglich sind, also nicht alle Proben mit wenig Aufwand zu einer Art bestimmt werden können). Eine der relativ gut kenntlichen und bestimmbaren Genea-Arten möchte ich heute vorstellen – ich konnte sie mehrfach im Nationalpark Eifel mikroskopisch bestimmen.

Genea hispidula Rauhaarige Blasentrueffel Nationalpark Eifel Nordrhein Westfalen Trueffelsuche mit Hund Sabine Hoernicke Milly
 Rauhaarige Blasentrüffel (Genea hispidula) am 15.11.2019 im Nationalpark Eifel (nördlicher Kermeter zum Rursee, am "Büdenbach" unweit Heimbach, Nordrhein-Westfalen, Deutschland), im Boden in Wegnähe unter Hainbuche u.a. Laubbäumen, leg. Milly & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
Genea hispidula Rauhaarige Blasentrueffel Trichophaea Sporen ornamentiert Nationalpark Eifel Pilzkurs Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Wald
Rauhaarige Blasentrüffel (Genea hispidula) am 27.9.2017 im Nationalpark Eifel (Tal zur Dreiborner Hochfläche w. Ruine Vogelsang, Nordrhein-Westfalen, Deutschland), im Boden an Wegrand unter Hainbuchen (u.a), leg. Jule & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

Genea-Arten sind meist nicht besonders groß, auch nicht G. hispidula. Nur die größeren Exemplare der auf den Fotos gezeigten Blasentrüffeln überschreiten 1 cm Durchmesser etwas. Die meisten Trüffel-Funde aus allen systematischen Gruppen sind keine Kilo-Ware ☹

Blasentrüffeln (Genea), das haben molekulare Untersuchungen gezeigt, sind nahe Verwandte der braunhaarigen Borstlinge (Humaria und Trichophaea); auch in der letzteren Gattung gibt es Arten mit grob-noppig und -warzig ornamentierten Sporen, wie sie in der Gattung Genea typisch sind. Die Beurteilung des Sporen-Ornamentes zur Art-Bestimmung ist allerdings nicht so einfach, wie es erscheinen mag, denn das Ornament sieht anders aus von unreif nach reif, im optischen Schnitt bzw. in Aufsicht sowie auch je nach Präparationsmedium. Die vorliegende Art ist durch ihre borstigen, hohl-setiformen Haare (diese haben in Genea nur wenige Arten) nahe an Trichophaea, typisch sind ferner die dicht noppig-warzig ornamentierten Sporen.

Genea hispidula Haare Rauhaarige Blasentrueffel Borstlinge Trichophaea Sporen Ornament Mykorrhiza Hainbuche Hoernicke Nationalpark Eifel
Genea hispidula Haare setiform Nationalpark Eifel Krieglsteiner Hoernicke Milly Nordhein Westfalen
 Excipulum und setiforme Haare der Rauhaarigen Blasentrüffel (Genea hispidula) am 25.9.2017 im Nationalpark Eifel (n. Hasenfeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland),in mäßig saurem Laubmischwald (v.a. Eiche, Hainbuche), leg. Jule & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner (o. 400 x, u. 1000x).
Genea hispidula Sporen Ornament Baumwollblau Vergroesserung 40 Nationalpark Eifel Nordhein Westfalen Trueffelkurs
Genea hispidula Sporen Ornament 100 Nationalpark Eifel Milly Sabine Hoernicke Lothar Krieglsteiner Pilzkurse Trueffelkurs Hund
 noppig-warzig ornamentierte Sporen der Rauhaarigen Blasentrüffel (Genea hispidula) am am 15.11.2019 im Nationalpark Eifel (nördlicher Kermeter zum Rursee, am "Büdenbach" unweit Heimbach, Nordrhein-Westfalen, Deutschland), im Boden in Wegnähe unter Hainbuche u.a. Laubbäumen, leg. Milly & Sabine Hörnicke, det. (mikr.) Lothar Krieglsteiner, Fotos Lothar Krieglsteiner (o. 400 x, u. 1000x)

In Genea sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Arten beschrieben worden; ein Prozess, der sich vermutlich noch fortsetzen dürfte. Ohne molekulare Untersuchungen ist dies kaum noch möglich, und so werden auch einige unserer Aufsammlungen (nicht von G. hispidula) einer Sequenzierung zugeführt werden.

Wer Sabine Hörnicke und Milly bei der Arbeit beobachten möchte, hat dazu schon ganz bald wieder Gelegenheit, nämlich beim Trüffelkurs meiner Frau in 2 Wochen in Ruppertshofen. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

Sabine Hoernicke Milly Nationalpark Eifel Trueffelsuche mit Hund Deutschland Pilzschule
Sabine Hörnicke und Milly bei der Trüffel-Bergung - am 15.11.2019 im Nationalpark Eifel (Uftsee-Nordufer bei der Böttenbach-Mündung, Nordrhein-Westfalen, Deutschland) - Milly hat schon angezeigt und hilft Sabine noch beim Finden. Dies ist gar nicht so leicht bei so kleinen Kügelchen wie Genea ...

Falls jemand der Meinung sein sollte, dass im Winter keine Trüffeln gefunden werden, der irrt! Tuber aestivum, T. brumale und T. excavatum sind nahezu garantiert, weitere Arten wahrscheinlich. Und selbst wenn noch vorher der Winter einzieht: Sabine hat mit ihren Hunden bei Katharinas Kursen schon mehr als einmal bewiesen, dass weder Eis noch Schnee noch gefrorener Boden hier Hindernisse sind. Nun ja – Hindernisse vielleicht schon, aber kein Hinterungsgrund! 

 

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Pilz des Monats Januar 2020 - Rosa Trichterling (Leucocybe houghtonii)

Als ersten Pilz des Montas 2020 wähle ich eine Art, die im Jahr 2019 wie aus heiterem Himmel erstmals im Schwäbischen Wald „aufschlug“, und ich fand sie innerhalb der Kurs-Saison gleich an drei miteinander vergleichbaren, nur wenige km voneinander entfernten Stellen in Wäldern, die ich alle schon häufiger begangen hatte. Eben habe ich in der PIlzflora Baden-Württembergs (G.J. Krieglsteiner 2001, Band 3) nachgeschaut und stelle fest, dass die Art aber schon in den Jahren 1978 und 1993 (jeweils leg. H. Payerl, det. G.J. Krieglsteiner) ganz in der Nähe meiner Fundstellen nachgewiesen wurde.

Leucocybe houghtonii Hoenig Auerbachtal Gartenabfaelle Neomycet Rosa Trichterling candicans Tomatenblaetter Geruch Krieglsteiner
 Rosa Trichterling (Leucocybe houghtonii) am 2.10.2019, Ruppertshofen-Hönig, "Auerbachtal" (Baden-Württemberg Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an und neben abgekippten Gartenabfällen an Wegrand zu Bach-Aue mit Erlen, zusammen mit Entoloma pleopodium und Lepiota brunneoincarnata, leg. Pilzkurs, det. Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
Leucocybe houghtonii Rosa Trichterling Fuchsreute Spraitbach Schwaebisch Gmuend Stuttgart Krieglsteiner Pilzflora Klimawandel
 Rosa Trichterling (Leucocybe houghtonii) am 4.10.2019, Ruppertshofen-Hönig, Fuchsreute (Baden-Württemberg, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an und neben abgekippten Gartenabfällen an Wegrand in Nadelmischwald, zusammen mit Mycena crocata u.a., leg. Katharina &.Lothar Krieglsteiner, det. Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
Leucocybe houghtonii Clitocybe Hoenig Heiligenbruck Baden Wuerttemberg Stuttgart Schwaebischer Wald Pilzkurs Klimwandel Neomycet
 Rosa Trichterling (Leucocybe houghtonii) am 6.10.2019, Spraitbach-Heiligenbruck (Baden-Württemberg n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart) an und neben abgekippten Gartenabfällen an Wegrand zu Bach-Aue, leg., det. Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

Ich kenne die Art schon seit meiner Jugend – der verstorbene Ewald Kajan und Krimhilde Müller fanden die Art im Niederrhein-Gebiet (Nordrhein-Westfalen) an verschiedenen Stellen, aus dieser Zeit gibt es auch Publikationen über das damalige erstmalige Bekanntwerden der Art in Deutschland. Eigene Funde gelangen mir aber nur zweimal, einmal im Donau-Gebiet Ostbayerns, und einmal im Nationalpark Eifel (dort am Uftsee-Ufer). Beide Funde (und auch die Von E. Kajan und K. Müller) stammen Auwald-Gesellschaften, die meisten aus großen Stromtälern.

Wie erkennt man die Art? Weißliche Trichterlinge gibt es ja durchaus mehrere Arten, und die meisten von ihnen sind nicht gar zu leicht bestimmbar. Für die Bestimmung des Rosa Trichterlings ist nicht einmal ein Mikroskop von Nöten. Zum einen fällt schon im feuchten Zustand ein noch leichter, sich aber beim Trocknen deutlich verstärkender Rosa-Ton auf.

Leucocybe houghtonii Rosa Trichterling Geruch Tomatenblaetter Pilzkurs Seminar Fuehrung Krieglsteiner Pilzschule Schwaebischer Neomycet Klimawandel
Leucocybe houghtonii Clitocybe Rosa Trichterlings Exsikkat trocken Pilzkurs Schwaebischer Wald Baden Wuerttemberg Stuttgart
Rosa Trichterling (Leucocybe houghtonii) - stärkere Rosa-Verfärbung beim Trocknen - Fund bei Hönig, "Auerbachtal", oben Studio-Foto leicht angetrockneter Frchtkörper, unten Exsikkat - Foto Lothar Krieglsteiner

Das Gleiche (Verstärken beim Trocknen) gilt für Merkmal Nr. 2, ein Geruch nach Tomatenblättern. Bei wasser-durchtränkten, frischen Fruchtkörpern braucht man noch etwas Fantasie, um ihn fest zu stellen, während langsam antrocknende Pilze deutlich intensiver riechen.

Die neuen Fundorte im Schwäbischen Wald haben alle eines gemeinsam: längs von Waldwegen wurden Gartenabfälle und Pflanzenreste abgekippt, die dort langsam verfaulen können. Es handelt sich also um nährstoffreiche Standorte, die Pilzart kann hier als eingeschleppt bezeichnet werden. G.J. Krieglsteiner (s.o.) bezeichnet sie als „nicht autochthon“, mit „submediterran-subatlantischem Verbreitungsschwerpunkt“, ihr Vorkommen in Baden-Württemberg sei „dank der allgemeinen Klimaaufheizung“ zustande gekommen. Nun ja ... - auf alle Fälle handelt es sich um ein nitrophiles Element, einen Neomyceten, mit dem möglicherweise künftig stärker zu rechnen ist … - und der Klimawandel schadet der Ausbreitung der Art zumindest nicht.

Vor Kurzem hießen noch die meisten (oder zumindest die nicht-amyloiden und glatt-sporigen) Trichterlinge Clitocybe. Dies hat sich durch molekulare Arbeiten inzwischen geändert, und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Interessanterweise stehen in Leucocybe nun drei Arten, die alle drei bei uns vorkommen – in diesem Jahr beim Trichterlings-Kurs fanden wir sogar alle drei. Eine Art überrascht – der Weiße Rasling (vormals Lyophyllum connatum). Die zweite Art, der nicht seltene Wachsstielige Trichterling (L. candicans) riecht wie L. houghtonii nach Tomatenblättern!

 


 

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