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Pilz des Monats April 2020 – Kronenrost (Puccinia coronata)

Die Anregung, den Pilz des Monats April 2020 in Anlehnung an die Coronavirus-Pandemie zu wählen, bekam ich bei wohl der letzten Tagesführung, die ich vor der (vorübergehenden …) Stillegung unserer Pilzschule machen konnte, am Samstag, den 14. März bei Backnang. Kursteilnehmer und Freund Rolf Fuhrmann brachte mir als Begrüßungsgeschenk eine Flasche Corona-Bier mit, was mich zum Lachen, aber auch zum Nachdenken brachte. Wie ich auch erfuhr, hat die Firma Corona (mexikanische Biermarke) durch den Virus massive Einnahme-Verluste – die Leute fühlen sich durch den Marken-Namen an den Virus erinnert.

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Corona-Bier (Geschenk von Kurs-Teilnehmer Rolf Fuhrmann). Frage: Schmeckt dieses Bier nun schlechter als vor der "Corona-Krise"? Man müsste es meinen, denn die Absatz-Zahlen sind stark gesunken, mehr als bei jedem anderen Bier ....

 Dabei heißt Corona nichts anderes als Krone (auf Lateinisch und wenig verwunderlich auch auf Spanisch). Beim Virus bezieht sich der Name auf die oberflächlichen, an eine Krone erinnernden (?) Ausstülpungen der Virus-Hülle. Nun hatte ich also zu wählen zwischen dem Kronenbecherling (Sarcosphaera coronaria), dem Gekrönten Stängel-Becherling (Cyathicula coronata) und einem Rostpilz – und da ich es eher „exotisch“ mag, habe ich mich für das Letztere entschieden, obwohl 2020 von Pilzschule Schwäbischer Wald gar kein Kurs Parasitische Pilze geplant ist. Wobei momentan eher die Frage ist, ob 2020 überhaupt noch irgendwelche Kurse statt finden werden. Über Sinn oder Unsinn solch einschneidender Maßnahmen wie des Verbotes sämtlicher privater Bildungseinrichtungen möchte ich hier – schon gerade, weil wir betroffen sind – kein Statement abhalten, aber natürlich schon kurz darauf hinweisen, dass diese Situation, vor allem, wenn sie sich (wie wohl zu befürchten ist) noch das ganze Jahr hinziehen wird, nicht unbedingt ein Grund zur Freude für uns ist.  

Nun – zum Pilz des Monats: wie viele andere Rostpilze (O. Pucciniales, Kl. Pucciniomycetes, Abt. Ständerpilze: Basidiomycota), zumindest die sogenannten „Heter-Eu-Formen“, haben sie einen komplizierten Entwicklungsgang mit Generationswechsel und Wirtswechsel, unter Ausbildung von insgesamt nicht weniger als 5 verschiedenen Sporenformen. Die haploiden (saprobiontisch an faulem Pflanzenmaterial gebildeten, sehr unauffälligen und deshalb sehr selten von Pilzkundlern aufgesammelten) Basidiosporen infizieren Wirt A, den sogenannten Haplonten-Wirt (haploid: einfacher Chromosomensatz, also unseren Ei- und Samenzellen entsprechend), im Falle „unseres“ Kronenrostes den Faulbaum (Rhamnus frangula) oder auch andere Kreuzdorn-Arten. Hier werden auf der Blattoberseite zunächst die Pyknidien oder Spermogonien gebildet, deren (haploide, in + und – getrennte) Spermatien auf die jeweils dem anderen Typ zugehörigen Spermogonien (Empfängnis-Hyphen) übertragen werden, was zur Befruchtung der blattunterseits gebildeten Aecidien-Analgen (Sporenform II, noch auf dem Haplontenwirt, aber schon dikaryotisch) führt. Die Aecidien (auch Aecien) sehen bei Reife bei vielen Rostpilzen becherlings-ähnlich aus, mit oranger Scheibe (meist mit Carotinoiden) und weißlichem Rand (letzteres dann, wenn eine sogenannte „Pseudoperidie“ ausgebildet wird, wie bei den vielen Arten der Groß-Gattungen Puccinia und Uromyces). Die hübschen „Aecidien-Becherlinge“ könnte man schon gut als „gekrönt“ assoziieren – diese schönen Gebilde sind aber nicht mit dieser Bezeichnung gemeint – warten Sie ab – denn die meisten Rostpilze sehen wie gesagt in diesem Stadium so aus.

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Kronen-Rost (Puccinia coronata), Spermogonien auf der Blatt-Oberseite (M) und Aecidien auf der Blatt-Unterseite (l.) - fotographiert am 3.6.2018, "Spitzhalde" bei Tanau (Durlangen, Schwäbischer Wald n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Faulbaum (Rhamnus frangula), leg., det. Foto Lothar Krieglsteiner
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 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an unreifer Frucht von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 13.6.2014 im "Hafental" (bei Hintersteinenberg, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
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 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Blatt-Unterseiten von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 13.6.2014 im "Hafental" (bei Hintersteinenberg, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
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 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Blatt-Unterseiten von Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 3.5.2013, "Mönchbruch" (b. Mörfelden-Walldorf, sw. Frankfurt, Hessen), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
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 Kronen-Rost (Puccinia coronata), Aecidien an Faulbaum (Rhamnus frangula), fotographiert am 2.7.2015 in Norwegen (Telemark), leg,, det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
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 Kronen-Rost (Puccinia coronata), noch geschlossene Aecidien an Blatt-Unterseite von Faulbaum (Rhamnus frangula) am 24.5.2015 in den Lechtaler Alpen unweit Reute (Tirol, Österreich), leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

 Die dikaryotischen Aecidiosporen können nun Wirt B infizieren, den Dikaryomyzeten-Wirt – in unserem Falle Süßgräser unterschiedlicher Gattungen und Arten. Der weitaus bekanntere Getreide-Rost (Puccinia graminis) mit seinem Haplonten-Wirt Berberitze (der eine eigene Geschichte bereit hält) ist nicht der einzige Rostpilz, der Gräser befällt. Auf dem Dikaryomyzeten-Wirt werden zunächst (bei Eu-Formen, s.o.) die Uredolager mit den Uredosporen gebildet, auch Sommersporen genannt, die zunächst für eine ungeschlechtliche Massenvermehrung der Pilze sorgen, bevor meist später im Jahr (wieder so bei Eu-Formen) die Teleutosporen-Lager (auch Telien) gebildet werden, die – wiederum ungeschlechtlich – die Teleuto-Sporen bilden.

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Kronen-Rost (Puccinia coronata), ältere Uredo-Lager (eher links, braun) und Teleuto-Lager (schwarz) am 28.9.2018 bei Rotenhar (Gschwend, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Spross der Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa, F. Poaceae, Süßgräser), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Hier finden Sie die Krönchen, aber erst unter dem Mikroskop (s.u.).

Diese überwintern mit dem absterbenden Pflanzenteil und entwickeln sich dort zu Ständern (Basidien) weiter, wodurch sich der Kreis schließt (s.o.). Eu-Formen sind nun solche Rostpilze, die alle 5 Sporenformen ausbilden (Spermatien, Aecidiosporen, Uredosporen, Teleutosporen und Basidiosporen) – Heter-Eu-Formen solche, die dies wie beschrieben auf 2 verschiedenen Wirten tun. Daneben gibt es auch verschiedene „Rückbildungsformen“, die z.B. die Aecidiosporen, oder auch alles bis auf Teleutosporen und Basidiosporen weglassen und für die es andere, hier nicht erläuterte Bezeichnungen gibt, während Aut-Formen alle (gebildeten) Stadien ohne Wirtswechsel auf nur einem Wirt vollenden.  

Doch zurück zur „Krönung“ des Kronenrostes Puccinia coronata. Diese findet auf den Teleutosporen statt, denn der wichtigste Unterschied z.B. zum Getreide-Rost ist die Ausbildung von Auswüchsen der Sporenwand an der Spitze, von kleinen Hörnchen oder eben einem kleinen Krönchen auf der Teleutospore.

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Kronenrost (Puccinia coronata) - Teleutosporen unter dem Mikroskop, am 28.9.2018 bei Rotenhar (Gschwend, n. Schwäbisch Gmünd, ö. Stuttgart, Baden-Württemberg), an Spross der Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa, F. Poaceae, Süßgräser), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner. Hier finden Sie die Krönchen, aber erst unter dem Mikroskop (s.u.). Zweizellige Teleutosporen machen eine Puccinia aus - das Wachstum auf Gräsern in Kombination mit den Hörnchen auf der Spore macht den Kronen-Rost :-)

Sie sehen, die parasitischen Pilze geben dem Naturfreund durchaus auch einiges an Staunenswertem, und es ist ein zu kurzer Blick, sie als reine Schädlinge zu sehen. Die Krönung der Schöpfung sind nicht wir als Mensch, sondern unsere Mit-Geschöpfe, die zu bewundern und zu bestaunen zum Schönsten und Befriedigendsten gehört, was man als Mensch in dieser Inkarnation auf diesem Planeten tun kann. Und mit diesen Mit-Geschöpfen, auch mit den Parasiten (z.B. an unserem Getreide, wie dem Kronen-Rost), und letztlich auch mit Krankheits-Erregern an uns selbst (also z.B. dem Corona-Virus, womit sich auch dieser Kreis schließt) müssen wir in Frieden und Demut zusammen leben. Und sicher – viele Menschen müssen nun am Corona-Virus sterben, aber das tun sie auch an anderen Krankheiten (über die Zahl der Corona-Opfer und die Zahl der Toten aufgrund anderer Faktoren ließe sich eine andere Geschichte aufmachen – ich denke z.B. an Krankenhaus-Keime mit vergleichsweise selten kommentierten knapp 20.000 Toten pro Jahr), und gäbe es keine Krankheiten, müssten wir trotzdem sterben, denn ohne auch unser eigenes Sterben gibt es auch kein Leben. Ewiges (im Sinne eines eine unendlich lange Zeitspanne andauernden) Leben ist für uns nicht vorgesehen – und wenn wir ehrlich sind: das ist auch gut so.

 

Kommen Sie gut über die Corona-Zeit. Ich hoffe, ich muss nicht noch viele „Pilze des Monats“ schreiben, ohne Euch alle gesund und munter bei Kursen wieder zu sehen.  

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