Pilz des Monats April 2018 - Kornelkirschen-Stromabecherling (Lambertella corni-maris)

Heute möchte ich - als Einstimmung auf den hoffentlich bald beginnenden Frühling - wieder einmal einen kleinen Becherling als Pilz des Monats wählen, auch wenn mir klar ist, dass ich z.B. mit einer Morchel oder wenigstens Lorchel bzw. wenigstens einem Lamellenpilz mehr Leser begeistern würde. Aber für die Freunde der Groß- und Speisepilz-Front: bald kommt auch Ihr wieder einmal auf Eure Kosten, jetzt müsst Ihr da durch :-)

Sklerotienbecherlinge (O. Helotiales, F. Sclerotiniaceae i.w.S.) und ihre Verwandten ohne Sklerotien (teils als eigene Familie Rutstroemiaceae abgetrennt), die dann gerne auch Stromabecherlinge genannt werden (weil zumindest die Mehrzahl der Arten das Substrat sklerifizieren, in ein "Stroma" verwandeln, schwärzen), sind eine durchaus artenreiche Gruppierung. Ein großer Teil der Arten wächst vor allem im Frühling, meist in etwa zur Zeit der Blüte ihrer Wirtspflanzen, denn dann können die sexuell gebildeten Sporen gut über die Narben der Blüten wieder neue Pflanzen infizieren. Es handelt sich also um parasitische Pilze, die mit ihrem Myzel und ihrer Nebenfruchtform eben lebende Pflanzen besiedeln - ihre Fruchtkörper erscheinen aber in der Regel auf abgestorbenen Pflanzenresten und leben saprobiontisch.

Lambertella corni maris Kornelkirschen Becherling Remstal Birne Pyrus Fruechte Stuttgart Lorch Waldhausen
Lambertella corni maris Sclerotiniaceae Stromabecherling Birne Kornelkische Baden Wuerttemberg Stuttgart Gmuend Pilzschule Schwaebischer Wald
Lambertella corni maris Cornus mas Pyrus Becherling Apothezien Pilzschule Pilzkurse Pilzfuehrungen Pilzseminare
Lambertella corni maris Birne Garten Parasit Remstal Schlauchpilz Pilzschule Schwaebischer Wald Pilzbestimmung
Kornelkirschen-Stromabecherling (Lambertella corni-maris (s.l.)) am 30.7.2016 bei Lorch-Waldhausen, verwildertes Garten-Grundstück, an abgefallenen, faulen und sklerotisierten Früchten von Kultur-Birne (Pyrus communis), leg. Katharina Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Anm.: die gezeigten Fruchtkörper sind wenige mm, etwa einen halben cm, groß (Durchmesser der Apothezien).

 Die gezeigte Art ist insofern also nicht so typisch, denn der hier vorgestellte Fund gelang erst Ende Juli (30.7.2016) - eine Jahreszeit, die auch für die Art durchaus typisch zu sein scheint. Es handelt sich im Übrigen um den einzigen Fund der Art, der mir jemals zu Gesicht gelangte, und um einen von nur 3 Funden aus der ganzen Gattung. Die Artbestimmung ist hier im Übrigen keineswegs besonders leicht - und auch die Gattung selbst ist nicht unumstritten. Definiert ist sie nämlich (bzw. von ähnlichen Gattungen wie etwa Ciboria oder Rutstroemia abgegrenzt) vor allem durch eine Eigenschaft ihrer Sporen - sie werden nämlich bei Reife braun, was sonst bei inoperculaten Becherlingen (das sind die, deren Schläuche einen Porus besitzen, durch den die Sporen nach außen kommen - und nicht etwa einen Deckel wie bei den "Operculaten") überhaupt ein ganz seltenes Merkmal ist.

Lambertella corni maris Schlaeuche Asci Sporen Guttulen Tropfen Paraphysen Mikroskopierkurs Pilzschule
Lambertella corni maris Asci Paraphysen Fruchtschicht Sclerotiniaceae Pilzschule Schwaebischer Wald Kornelkirschen Becherling
Lambertella corni maris Schlaeuche Sporen Tropfen Paraphysen Mirkoskopierkurs Stromabecherling Kornelkirsche Birne Baden Wuerttemberg
Lambertella corni maris reife Sporen gefaerbt selten Becherling Bestimmungskurs Mikroskop Fruehling
Lambertella corni maris Sporen bei Reife dunkel Lorch Waldhausen Pyrus Birne Fruechte Pilzschule Pilzkurse
 Mikroskop-Fotos zum Kornelkirschen-Stromabecherling (Lambertella corni-maris) im Remstal bei Lorch-Waldhausen (Baden-Würtemberg ö. Stuttgart) am 30.7.2016, an sklerifizierten Früchten von Kultur-Birne (Pyrus communis) in verwildertem Feld-Garten, leg. Katharina Krieglsteiner, det., Foto Lothar Krieglsteiner - Man beachte die zunächst hyalinen Sporen mit 2 großen Tropfen, die zu 8 in den Schläuchen liegen). Erst bei Reife (auf den Fotos außerhalb der Schläuche) färben sich die Wände braun und die Sicht auf die Tropfen wird schwierig. Auf den ersten beiden Bilder zu sehen: zwischen den Schläuchen stehen fädig-dünne Paraphysen mit nur wenig Inhalt (kleine Tröpfchen).

 Lambertella corni-maris ist ursprünglich von Kornelkirschen-Früchten beschrieben worden, aber in Internet und Literatur finden sich auch Angaben an anderen Pflanzenresten, z.B. eben - wie hier - Birne (Pyrus). Es darf dabei durchaus überlegt werden, ob hier nicht noch eine Sammelart vorliegt und der Pilz an Birne eigentlich etwas anderes ist. Dies zu klären vermag ich hier leider nicht - dies könnte man durch ausführliche morphologische Detail-Vergleiche und durch molekularbiologische Untersuchungen ("die DNA").

P.S. Vorhin schrieb ich ja schon, dass viele Sklerotienbecherlinge und ihre Verwandten jetzt im Frühjahr wachsen. Achten Sie in den nächsten Wochen z.B. einmal auf den Anemonen-Becherling (Sclerotinia tuberosa alias Dumontinia t.) - er ist deutlich größer als die hier vorgestellte Art und kann bei gezielter Suche doch ganz gut bei den Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) gefunden werden.


Pilz des Monats März 2018 - Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii)

Wie schon im Februar möchte ich auch nun wieder einen Fund (genau: 3 Funde) vorstellen, der uns in diesem Winter in der Algarve (Süd-Portugal) gelang. Für mich absoluter Erstfund in freier Natur: wilder Kräuter-Seitlinge! Die meisten Leser werden den Kräuter-Seitling aus dem Supermarkt kennen und ihn vielleicht auch schon einmal lecker zubereitet haben - ein wirklich guter Speisepilz. In freier Natur wächst die Art stets auf unterirdischen Wurzelteilen von Doldenblütlern (Stauden der Familie Apiaceae - eigentlich fälschlich als (einjährige) Kräuter bezeichnet), und zwar in Mitteleuropa aussschließlich auf Mannstreu (Eryngium - var. eryngii) und Laserkraut (Laserpitium - var. elaeoselini, oft fälschlich als P. nebrodensis). Mannstreu wächst bei uns in Steppen- und Trockenrasen; in Deutschland sind nur wenige Fundstellen (alle var. eryngii) in Trockengebieten von Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bekannt. Laserkraut wächst in Kalkgebieten Süd-Deutschlands durchaus verbreitet; für die var. elaeoselini ("nebrodensis" s.auct.) muss man aber bis in den südlichen Alpenraum fahren. Die anderen Varianten dann in Südeuropa.

Nun - wie gesagt wurden wir in der Algarve gleich dreimal fündig. Zunächst fanden wir nur einen Fruchtkörper - und von einem Doldenblütler haben wir zunächst nicht viel mehr als ein Blatt neben dem einzigen - ganz jungen - Fruchtkörper gefunden, und es war nicht ganz leicht, diesen Doldenblütler zu identifizieren. Hier sind wir Jörg Müller (auf www.nafoku.de/forum) dankbar, dem wir die Identifikation als Thapsia villosa, einem im Übrigen giftigen Doldenblütler ohne deutschen Namen, verdanken. Und damit auch die Zuordnung zur var. thapsiae, die aus Sizilien beschrieben wurde. Ich bin übrigens nicht sehr besorgt, dass var. thapsiae durch den Wirt giftig sein könnte.

Pleurotus eryngii thapsiae wilder Kraeuterseitling Kulturpilz Portugal Algarve Macchia Faro essbar wohlschmeckend lecker Fotor Collage
wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. thapsiae) - am 23.12.2017 bei Brotual (w. Loule, Portugal, Algarve, Barrocal), in Macchia über Kalk, 1 Frk., leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
Thapsia villosa Doldenbluetler Apiaceae giftig Blaetter Pflanzenbestimmung Kraeuterseminar Pleurotus eryngii Wirt
Wirtspflanze von Pleurotus eryngii var. thapsiae: der giftige Doldenblütler Thapsia villosa. Die Bestimmung eines Doldenblütlers nur anhand von Blättern ist so eine Sache ...

Durch den ersten Fund "angefixt", versuchten wir natürlich, weitere Stellen zu finden. Zunächst war ja auch der Wirt noch vollkommen ungeklärt - und so muss ich zugeben, dass auch der zweite Fund vollkommen zufällig gelang - an einem anderen Wirt!

Pleurotus eryngii ferulae Kraeuterseitling Kulturpilz Portugal Algarve Trockenrasen Steppe Macchia Mitteleuropa Suedeuropa
wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. ferulae) am 7.1.2018 bei Colinas Verdes unweit Bensafrim (Algarve, Portugal), an Wurzeln von (neben) Riesen-Fenchel (Ferula communis), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
Ferula communis Apiaceae Riesenfenchel Steckenkraut Doldenbluetler Portugal Algarve Rocha da Pena
Riesenfenchel (Ferula communis) - zur Pilz-Zeit findet man nur die vorjährigen, mehrere Meter hohen Sprosse sowie, wenn man Glück hat, schon frische Blätter für das nächste Jahr. Trotzdem: diesen Wirt konnten wir leichter identifizieren ... - hier fotographiert im Schutzgebiet Rocha da Pena am 12.1.2018, ohne die Seitlinge ...

 "Einer geht noch", dachten wir uns, und tatsächlich fanden wir noch einmal var. thapsiae, allerdings diesmal nicht (wie beim ersten Fund) einen ganz jungen, sondern drei schon etwas ältere Fruchtkörper. Auf diese Weise lernt man einen Pilz auf alle Fälle etwas besser kennen ...

Pleurotus eryngii thapsiae Portugal Algarve Fonte Benemola Lothar Krieglsteiner Katharina Macchia Doldenbluetler Speisepilz
wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. thapsiae), ältere Fruchtkörper - fotographiert am 14.1.2018 im Schutzgebiet Fonte Benemola (n. Loule, Algarve), neben Thapsia villosa in Macchia über Kalkboden, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

Nun - wer den Kräuter-Seitling nur aus dem Supermarkt kennt, hätte ihn bei den gezeigten Funden vielleicht nicht wieder erkannt? Diese stammen ja auch aus Kulturen, und sie wuchsen nicht aus dem Boden heraus, aus Wurzeln von Doldenblütlern. Es ist schon interessant zu wissen, dass die Art auf ganz "normalem" Kultursubstrat, also Stroh- und Holz-Gemisch, gezüchtet werden kann, während er in der Natur eine sehr enge Nische besetzt und nicht ohne seine Wirte gefunden werden kann. Wir (genau genommen Katharina) haben Kräuter-Seitlinge auch schon in unserem Keller gehabt, und davon zeigen wir auch noch gerne ein Foto. Absolut nachahmenswert, denn die PIlze schmecken wirklich vorzüglich. Wir müssen ja auch zugeben: zum Essen geeignet wäre von unseren Funden nur der allererste Fruchtkörper gewesen, und wir müssen auf alle Fälle mindestens bis zum nächsten Mal warten, wenn wir einmal wilde Kräuterseitlinge in Portugal ernten wollen. Hätten wir dort ein Grundstück, wüssten wir allerdings, was wir machen würden ...

Pleurotus eryngii Kultur zu Hause Zuchtpilz Pilzkurs Baden Wuerttemberg Stuttgart Schwaebisch Gmuend
Kultur von Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii - var.?) in Spraitbach im Keller. Absolut nachahmenswert. Fotographiert am 31.8.2017 von Lothar Krieglsteiner

Pilz des Monats Februar 2018 - Rinden-Schüppchenschnitzling (Phaeomarasmius rimulincola)

Katharina und ich waren von Mitte Dezember bis Mitte Januar mal wieder in Portugal - überwiegend ganz im Süden an der Algarve - um einerseits etwas auszuspannen und uns von der Saison zu erholen. Andererseits sieht das bei uns so aus, dass wir das Gleiche machen wie immer, nur ohne Vorgabe durch die Interessen von Kurs-Teilnehmern oder Auftraggebern von wissenschaftlichen Untersuchungen. Das heißt, wir sind an den meisten Tagen die ganze Zeit draußen - und das führt entsprechend natürlich auch wieder dazu, dass auch einige Zeit am Mikroskop zugebracht werden muss.

Einen der besonders schönen Funde möchte ich hier vorstellen - es handelt sich um eine Art, die ich erst einmal vorher zu Gesicht bekommen habe, und zwar damals in der Rhön, an der Borke eines stehenden alten Birnbaumes. Allgemein scheint die sehr selten nachgewiesene Art eine Vorliebe für Rosengewächse-Borken zu haben. So fand sie z.B. Markus Wilhelm mehrfach an dünnen Zweigspitzen stehender Weißdorne. Auch ist die Art vermutlich wärmeliebend - und vielleicht in Südeuropa häufiger als "bei uns". Und was die Substratwahl betrifft, weniger wählerisch. Der hier vorgestellte Fund bestand aus nur 4 Fruchtkörpern und stammt von der Borke einer stehenden Steineiche (Quercus ilex) in einer Macchie. Und um sich gleich eine Vorstellung machen zu können - unsere Fruchtkörper waren in etwa 3-4 mm groß (ansonsten erreicht die Art Größen von maximal 1 cm). Insofern bitte ich um Entschuldigung, was die Schärfe des Makro-Fotos betrifft ...

Phaeomarasmius rimulincola Rinden Schueppchenschnitzling Portugal Algarve Borke Steineiche Quercus ilex Loule
Rinden-Schüppchen-Schnitzling (Phaeomarasmius rimulincola) an Borke von stehender Steineiche (Quercus ilex) - Portugal, Algarve, s. Loule, in Macchia an stehendem Stämmchen von Steineiche (Quercus ilex), nur 4 Frk., zusammen mit Rindenhelmlings-Arten (M. meliigena, M. cf. hiemalis) - leg., det., Foto Katharina & Lothar Krieglteiner, Foto Lothar Krieglsteiner am 10.1.2018

 

Makroskopisch íst die prägnante Art u.a. durch die deutliche Hut-Riefung gut kenntlich und von winzigen Formen des Igel-Schüppchenschnitzlings (P. erinaceus) zu unterscheiden, der durchaus an ähnlichen Substraten vorkommen kann (z.B. oft an Zweigen von Rosa), dessen "Lieblings"-Substrat aber Weiden sind. Besonders reichlich findet man ihn im Luftraum in feuchten Strauchweidengebüschen (Grau- oder Ohrweide). Dass man Funde auf alle Fälle auch mikroskopisch überprüfen sollte, besonders in Südeuropa, liegt u.a. auch in der Verwechslungsmöglichkeit mit ganz ähnlich aussehenden Blass-Sporern (Marasmiellus phaeomarasmioides - mir bisher nicht begegnet).

Mikroskopisch sind für die Gattung u.a. die stark inkrustierten Huthaut-Zellen typisch, für die Art relativ große Sporen sowie die Form der Cheilozystiden. Weiteres kann man der Spezial-Literatur entnehmen - hier nur noch ein paar Fotos :-)

Phaeomarasmius rimulincola Huthaut Zellen inkrustiert Portugal Algarve Loule Borke Eiche Quercus ilex
inkrustierte Huthaut-Hyphen von Phaeomarasmius rimulincola ("Rinden-Schüppchenschnitzling") aus der Algarve - fotographiert am 10.1.2018 von Lothar Krieglsteiner
Phaeomarasmius rimulincola Cheilozystiden Braunsporer Portugal Algarve corticol Borke Rinde winzig
Cheilozystiden (Zystiden der Lamellenschneide) von Phaeomarasmius rimulincola ("Rinden-Schüppchenschnitzling") aus der Algarve - fotographiert am 10.1.2018 von Lothar Krieglsteiner
 Phaeomarasmius rimulincola Sporen Rinden Schueppchenschnitzling Lamellen gerieft winzig Mikroskop Steineiche Quercus Rosaceae Pyrus Crataegus 800x600
 Sporen von Phaeomarasmius rimulincola ("Rinden-Schüppchenschnitzling") aus der Algarve - fotographiert am 10.1.2018 von Lothar Krieglsteiner

Ich suche schon lange in Süddeutschland nach weiteren Fundstellen - vielleicht klappt es ja 2018? Wir möchten auf alle Fälle zur Nachsuche an den Borken älterer Bäume anregen. Und was man auf alle Fälle findet, sind wunderschöne Helmlinge :-) - und weiteres mehr. 


Pilz des Monats Januar 2018 - Nordischer Gurken-Helmling (Mycena pasvikensis)

Katharina und ich sind ja häufiger im Zuge wissenschaftlicher Projekte unterwegs, wo im Rahmen von Untersuchungen in größerem Rahmen bestimmte "Plots" nach Pilzen untersucht werden. BioKlim ist so ein Projekt, für das wir schon öfter im Bayerischen Wald unterwegs waren. Die meisten Plots sind bewaldet oder auf Sturmwurf-Flächen - und ehrlich gesagt finden wir dabei nur selten besonders bemerkenswerte Pilze. Ein Plot (sein Name ist T4-57 und liegt im Bereich der Ruckowies-Schachten (oberhalb von Zwieslerwaldhaus, Landkreis Regen) im Nationalpark Bayerischer Wald. Hier handelt es sich um einen Fleck bodensaure Magerwiese, in der ich schon frühzeitig Saftlings-Gesellschaften vermutete und schon verschiedene Saftlinge, Erdzungen und Wiesenkeulen sowie ebenfalls neu für den Bayerischen Wald das Gestreifte Purpurblatt (Pseudobaeospora celluloderma) nachweisen konnte.

Am 5.10. wuchs relativ wenig, aber einige Fruchtkörper eines Helmlings, der mit seiner (grau)-bräunlichen Färbung wenig auffällig wirkte. An einem anderen Fundort hätte ich ihn vielleicht ignoriert, oder aber ausschließlich wegen eines Details, nämlich der herablaufenden Lamellen, mitgenommen.

Mycena pasvikensis Nordischer Gurken Helmling Bayerischer Wald Norwegen Erstfund Deutschland Zwiesel Ruckowies Schachten
Nordischer Gurken-Helmling (Mycena pasvikensis) am 5.10.2017 am "Ruckowiesberg" (oberhalb Zwieslerwaldhaus im Nationalpark Bayerischer Wald, Bayern, Deutschland - unweit der Grenze nach Tschechienleg., det., Foto Lothar Krieglsteiner, conf. Arne Aronsen

Aufgrund der herablaufenden Lamellen dachte ich zunächst an eine andere recht seltene Helmlings-Art, die ich schon ein paar Mal in sauren Magerwiesen gefunden hatte, nämlich den (geruchlosen) Breitblättrigen Helmling (Mycena latifolia), der aber eine deutlicher graue Hutfärbung hat. Überhaupt nicht dachte ich jedenfalls an den Gewöhnlichen Gurken-Helmling (Mycena cinerella), den wir in diesen Tagen ganz reichlich in den Fichtenwald-Plots fanden - und so muss ich zugeben, dass ich (eigentlich sträflich bei einem Helmling) im Gelände gar nicht auf die Idee kam, eine Geruchsprobe zu nehmen. Zu Hause dann doch - aber erst, nachdem ich mit dem neuen Helmlings-Buch von Arne Aronsen auf ein schier unglaubliches Ergebnis kam - aufgrund der sehr lang fadenförmig verlängerten Cheilozystiden ....

Mycena pasvikensis Cheilozystiden fadenfrmig lang Geruch Gurke Mycena cinerella Lamellen herablaufend Bayern Erstfund Deutschland Krieglsteiner
Cheilozystiden mit langen fadenförmigen Anhängen beim Nordischen Gurken-Helmling (Mycena pasvikensis) - am 5.10.2017 in einer bodensauren Magerwiese im Bereich "Ruckowies-Schachten" oberhalb von Zwieslerwaldhaus (Bayern, Nationalpark Bayerischer Wald), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
Mycena pasvikensis Nordischer Gurken Helmling Aronsen Salix bodensauer Magerrasen Hypericum maculatum Nationalpark Bayerischer Wald BioKlim
Mycena pasvikensis Bayerischer Wald Bayern Bhmerwald Tschechien Norwegen Salix Magerwiese Saftlings Gesellschaft Krieglsteiner Aronsen
Nordischer Gurken-Helmling (Mycena pasvikensis) - weitere Fotos vom "Ruckowies-Berg" am 5.10. (oben) und 10.10.2017 (unten), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner - conf. A. Aronsen

 Die auffälligen Zystiden erschienen mir gleich als etwas Besonderes - denn ich hatte so etwas noch bei keinem Helmling gesehen. Beim Schmökern in "Fungi of Northern Europe 5" (der Mycena-Monographie von Arne Aronsen) stieß ich tatsächlich auf eine Art mit vergleichbaren Zystiden, die allerdings nur aus dem Norden Norwegens (Pasvik, nahe der russischen Grenze) und nur an Blattstreu von Weiden (Salix) vorgestellt wurde. Weiden waren bei meinem Fund nicht in der Nähe - Substrat ist entweder schlichtweg Gras oder auch zum Teil die Blattreste des in der Wiese dort sehr üppig wachsenden Gefleckten Johanniskrauts (Hypericum maculatum). Erst als ich die Bilder von M. pasvikensis verglich, nahm ich die eigentlich längst fällige Geruchsprobe und stellte tatsächlich Gurkengeruch fest.

Dies führte dann dazu, dass ich Arne Aronsen kontaktierte und ihm die Probe schließlich auch per Post zusandte - mit dem Ergebnis der Bestätigung meiner Bestimmung. Also Neufund für Deutschland und Erstfunds außerhalb Norwegens. Arne Aronsen schrieb mir allerdings noch, dass inzwischen auch Funde aus Süd-Norwegen vorliegen, also aus nicht-arktischem Habitat, und auch ohne Anwesenheit von Weiden-Streu. Die ökologische Amplitude von Mycena pasvikensis scheint also größer zu sein als bisher angenommen. Immerhin: recht kalt wird es auch in den Ruckowies-Schachten rasch - der Fund stammt aus einer Meereshöhe von 1160 m NN - und nicht nur im Winter kann man da öfter mal auch ganz hübsch frieren ... 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Seitenanfang