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Pilz des Monats März 2018 - Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii)

Wie schon im Februar möchte ich auch nun wieder einen Fund (genau: 3 Funde) vorstellen, der uns in diesem Winter in der Algarve (Süd-Portugal) gelang. Für mich absoluter Erstfund in freier Natur: wilder Kräuter-Seitlinge! Die meisten Leser werden den Kräuter-Seitling aus dem Supermarkt kennen und ihn vielleicht auch schon einmal lecker zubereitet haben - ein wirklich guter Speisepilz. In freier Natur wächst die Art stets auf unterirdischen Wurzelteilen von Doldenblütlern (Stauden der Familie Apiaceae - eigentlich fälschlich als (einjährige) Kräuter bezeichnet), und zwar in Mitteleuropa aussschließlich auf Mannstreu (Eryngium - var. eryngii) und Laserkraut (Laserpitium - var. elaeoselini, oft fälschlich als P. nebrodensis). Mannstreu wächst bei uns in Steppen- und Trockenrasen; in Deutschland sind nur wenige Fundstellen (alle var. eryngii) in Trockengebieten von Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bekannt. Laserkraut wächst in Kalkgebieten Süd-Deutschlands durchaus verbreitet; für die var. elaeoselini ("nebrodensis" s.auct.) muss man aber bis in den südlichen Alpenraum fahren. Die anderen Varianten dann in Südeuropa.

Nun - wie gesagt wurden wir in der Algarve gleich dreimal fündig. Zunächst fanden wir nur einen Fruchtkörper - und von einem Doldenblütler haben wir zunächst nicht viel mehr als ein Blatt neben dem einzigen - ganz jungen - Fruchtkörper gefunden, und es war nicht ganz leicht, diesen Doldenblütler zu identifizieren. Hier sind wir Jörg Müller (auf www.nafoku.de/forum) dankbar, dem wir die Identifikation als Thapsia villosa, einem im Übrigen giftigen Doldenblütler ohne deutschen Namen, verdanken. Und damit auch die Zuordnung zur var. thapsiae, die aus Sizilien beschrieben wurde. Ich bin übrigens nicht sehr besorgt, dass var. thapsiae durch den Wirt giftig sein könnte.

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wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. thapsiae) - am 23.12.2017 bei Brotual (w. Loule, Portugal, Algarve, Barrocal), in Macchia über Kalk, 1 Frk., leg., det., Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner
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Wirtspflanze von Pleurotus eryngii var. thapsiae: der giftige Doldenblütler Thapsia villosa. Die Bestimmung eines Doldenblütlers nur anhand von Blättern ist so eine Sache ...

Durch den ersten Fund "angefixt", versuchten wir natürlich, weitere Stellen zu finden. Zunächst war ja auch der Wirt noch vollkommen ungeklärt - und so muss ich zugeben, dass auch der zweite Fund vollkommen zufällig gelang - an einem anderen Wirt!

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wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. ferulae) am 7.1.2018 bei Colinas Verdes unweit Bensafrim (Algarve, Portugal), an Wurzeln von (neben) Riesen-Fenchel (Ferula communis), leg., det., Foto Lothar Krieglsteiner
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Riesenfenchel (Ferula communis) - zur Pilz-Zeit findet man nur die vorjährigen, mehrere Meter hohen Sprosse sowie, wenn man Glück hat, schon frische Blätter für das nächste Jahr. Trotzdem: diesen Wirt konnten wir leichter identifizieren ... - hier fotographiert im Schutzgebiet Rocha da Pena am 12.1.2018, ohne die Seitlinge ...

 "Einer geht noch", dachten wir uns, und tatsächlich fanden wir noch einmal var. thapsiae, allerdings diesmal nicht (wie beim ersten Fund) einen ganz jungen, sondern drei schon etwas ältere Fruchtkörper. Auf diese Weise lernt man einen Pilz auf alle Fälle etwas besser kennen ...

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wilder Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii var. thapsiae), ältere Fruchtkörper - fotographiert am 14.1.2018 im Schutzgebiet Fonte Benemola (n. Loule, Algarve), neben Thapsia villosa in Macchia über Kalkboden, leg., det. Katharina & Lothar Krieglsteiner, Foto Lothar Krieglsteiner

Nun - wer den Kräuter-Seitling nur aus dem Supermarkt kennt, hätte ihn bei den gezeigten Funden vielleicht nicht wieder erkannt? Diese stammen ja auch aus Kulturen, und sie wuchsen nicht aus dem Boden heraus, aus Wurzeln von Doldenblütlern. Es ist schon interessant zu wissen, dass die Art auf ganz "normalem" Kultursubstrat, also Stroh- und Holz-Gemisch, gezüchtet werden kann, während er in der Natur eine sehr enge Nische besetzt und nicht ohne seine Wirte gefunden werden kann. Wir (genau genommen Katharina) haben Kräuter-Seitlinge auch schon in unserem Keller gehabt, und davon zeigen wir auch noch gerne ein Foto. Absolut nachahmenswert, denn die PIlze schmecken wirklich vorzüglich. Wir müssen ja auch zugeben: zum Essen geeignet wäre von unseren Funden nur der allererste Fruchtkörper gewesen, und wir müssen auf alle Fälle mindestens bis zum nächsten Mal warten, wenn wir einmal wilde Kräuterseitlinge in Portugal ernten wollen. Hätten wir dort ein Grundstück, wüssten wir allerdings, was wir machen würden ...

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Kultur von Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii - var.?) in Spraitbach im Keller. Absolut nachahmenswert. Fotographiert am 31.8.2017 von Lothar Krieglsteiner
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